Eigentlich hätte es für Matthias Renner Anfang März ein ganz normaler Dienstag werden sollen. Gegen sieben Uhr fuhr der Landwirt aus dem Küpser Gemeindeteil Tiefenklein mit seinem Traktor in Richtung Wildenberg (Gemeinde Weißenbrunn). Dort wollte er einen seiner Äcker mit Gülle düngen.

Renner ahnte nicht, dass die für den 43-Jährigen alltägliche Aktion große Wellen schlagen und sogar den Gemeinderat von Weißenbrunn und das Amt für Agrarökologie in Bad Staffelstein beschäftigen sollte.


Kontrolle der neuen Verordnung

Die ersten "Güllekontrolleure" traten gegen neun Uhr auf den Plan. Drei Mitarbeiter des Weißenbrunner Bauhofs, so die Schilderungen von Matthias Renner, kamen nahe des Ackers auf den Bauern zu und fragten ihn, ob er an diesem Tag überhaupt düngen dürfe.

Der Hintergrund: Seit Juni 2017 gilt in Deutschland eine neue, in vielen Bereichen strengere Düngeverordnung (siehe auch Infos unten). So ist das Düngen von gefrorenen, schneebedeckten oder wasserdurchtränkten Böden verboten. Dann nämlich kann die Gülle nicht im Acker versickern und es bestünde die Gefahr, dass sie auf andere Flächen oder ins Oberflächenwasser gelangen könnte.

"In den Tagen vorher war es kalt und winterlich", erinnert sich Matthias Renner. "Ich habe aber den Acker dreimal vorher kontrolliert. Es lag kein Schnee darauf und laut Wetterbericht sollte es an diesem Tag tauen. Wir Bauern wissen schon, was wir machen."

Das habe er auch den Bauhofmitarbeitern erklärt, die nach einem kurzen Gespräch weitergezogen seien. Vorbei war die Sache damit aber noch nicht: Einige Zeit später erhielt Renner einen Anruf eines Mitarbeiters des Zentrums für Agrarökologie in Bad Staffelstein, das in Oberfranken für die Kontrolle der Düngemittelverordnung zuständig ist. Der Experte meldete sich für 13 Uhr zu einer Kontrolle an.


Experte zeigte sich zufrieden

Renner erzählt: "Er hat unter anderem mit einem Taschenmesser getestet, ob der Boden gefroren ist." Der Mitarbeiter habe sich zufrieden gezeigt. Außer, dass sie ihm zwei Stunden Zeit gekostet habe, hatte auch die zweite "Güllekontrolle" des Tages für den Tiefenkleiner Landwirt keine Folgen.

Was Renner jedoch aufregt: "Der Kontrolleur gab an, von der Gemeinde Weißenbrunn informiert worden zu sein. Dabei habe ich den Bauhofmitarbeitern doch alles erklärt."

Der Landwirt, der auch Vorsitzender der Kronacher Rinderzüchter ist, geht davon aus, dass die Gemeindeverwaltung aufgrund einer Beschwerde einer Privatperson tätig wurde. Zu belegen ist dies jedoch nicht, da sich die Kommune offiziell nicht zu dem Thema äußert, das von Landwirten unter den Gemeinderäten auch im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung vor Ostern angesprochen wurde. Bürgermeister Egon Herrmann (SPD). "Was nicht-öffentlich besprochen wird, bleibt auch nicht-öffentlich."

Matthias Renner aber ist auch knapp einen Monat später noch verärgert. Er beklagt mangelndes Vertrauen von Seiten der Kommune und sieht die Bauern generell zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Es kann so nicht weitergehen, dass jeder anrufen und Gott und die Welt in Bewegung setzen kann. Das ist ja ein richtiger Hype."

Denn der Landwirt aus Tiefenklein ist kein Einzelfall. Wie das Zentrum für Agrarökologie bestätigt, gab es seit der Einführung der neuen Düngeverordnung in Oberfranken 120 Anzeigen gegen Landwirte. Die Behörde sei allen nachgegangen, habe aber lediglich in fünf Fällen einen sanktionspflichtigen Verstoß festgestellt.

Renner fordert, künftig diejenigen, die einen Bauern zu Unrecht anzeigen, an den entstandenen Kosten zu beteiligen. "Schließlich wollen wir der Natur nichts Böses. Wir leben ja mit unseren Familien auch selbst von ihr."



Die neue bundesweite Düngeverordnung


Ziel Die Wirksamkeit der Düngung soll erhöht, die Belastung der Umwelt verringert werden.

Sanktionen Der Bußgeldrahmen wurde auf bis zu 150 000 Euro erhöht.

Zeiten Auf Äckern darf nach der Ernte der Hauptfrucht bis Ende Januar und auf Grünflächen von November bis Ende Januar nicht gedüngt werden. Außerdem gilt eine Sperrzeit für Festmist und Kompost (15. Dezember bis 15. Januar).

Wetter Bei bestimmten Wetterlagen darf keine Gülle gefahren werden - etwa wenn Schnee liegt oder die Böden frostig oder wasserdurchtränkt sind.

Lager Es müssen Kapazitäten für mindestens sechs Monate bereitgehalten werden.