Nicht alles bis ins kleinste Detail zu planen und ein bisschen Vertrauen in das Schicksal zu haben, kann dem Leben eine besondere Würze verleihen. Dieses Rezept scheint für die Familie Turner aufzugehen. Das deutsch-amerikanische Ehepaar mit zwei inzwischen erwachsenen Söhnen hat so jedenfalls einen hoch interessanten Weg absolviert, der zuletzt nach Nordhalben führte.

Angela (53) und Matthew Turner (52) sind gerade wieder auf Achse. Wie so oft in ihrem Leben sind sie unterwegs. Während unseres Kontakts gerade in den Benelux-Ländern.

Die 53-Jährige zog es schon in jungen Jahren in die weite Welt hinaus. Mit 19 ist die aus dem Raum Augsburg stammende Angela Turner alleine nach Amerika ausgewandert. "Mit einem Koffer, den 1000 Mark, die ich gespart hatte, einem Langenscheidt und einem One-Way-Ticket der Lufthansa" flog sie nach New York. Dort arbeitete sie als Altenpflegerin. "Keine Berufsschule oder Englischkenntnisse erforderlich", erinnert sie sich. Doch darauf ließ sie es nicht beruhen. Ständige Weiterbildung war angesagt. "Tagsüber gearbeitet und abends zur Schule oder umgekehrt", beschreibt sie ihren damaligen Tagesablauf.


Auf nach Texas!

Animiert von der Fernsehsendung "Dallas" machte sie sich auf den Weg nach Texas. In San Antonio spielte ihr das Schicksal erneut in die Karten. "Keiner der Männer, die in ,Dallas‘ vertreten waren, war so gut aussehend wie der Cowboy, der neben mir im Café am Flussufer saß", erinnert sich Angela Turner an das erste Zusammentreffen mit ihrem heutigen Ehemann Matthew.

Er stammte aus einer kleinen Stadt in Texas, die vom Wesen her seiner heutigen Heimat Nordhalben, durchaus ähnlich war. Familienlegenden sagten seinem Urgroßvater sogar die Zugehörigkeit zur Bande von Jesse James nach. Statt Viehzüchter, Landwirt, Schweißer oder Arbeiter auf einem Ölfeld in seiner Heimat zu werden, ging er zur amerikanischen Luftwaffe und entwickelte sich mit der Zeit - später auch in der Privatwirtschaft - zu einem Experten für Computer- und Netzwerksicherheit. "Es gibt 50 Wege, deinen Geliebten zu verlassen, aber es gibt 65 000 Möglichkeiten, deinen PC zu hacken", beschreibt der Amerikaner die vielfältigen Herausforderung in seinem Job.

Als das Paar später in Prag lebte, stellte das Schicksal erneut die Weichen. Von Gera nach Cheb sollte die Rückfahrt eines Ausflugs führen. "Rechts, links, vorwärts, rückwärts, gelegentlich ignorierten wir das Navi", beschreibt Angela Turner die etwas improvisierte Tour. Plötzlich erreichte das Paar Nordhalben. Dort fanden sie durch puren Zufall ein neues Zuhause.


Ein magischer Platz

"Da war es! Schönheit. Ruhe. Atemberaubend", schildert die 53-Jährige ihren ersten Eindruck. "An diesem magischen Platz stand ein leeres Haus mit einem Zu-Verkaufen-Schild im Fenster, das Grundstück überwachsen. Wir wussten: Das war's - das war der Ort."

Und er ist es bis heute. Seit 2014 leben die Turners in Nordhalben. Sie schwärmen von den vielen Begegnungen mit den Nachbarn und mit Wanderern jeden Alters, die ihr Haus längst zum Zuhause gemacht haben - auch dann, wenn sie gerade mal wieder auf Achse sind.

Beruflich auf ungewöhnlichen Pfaden

Thanatologin Angela Turner hat eine ungewöhnliche Ausbildung in den USA absolviert. Sie Erwarb verschiedene Abschlüsse und spezialisierte sich auf die Bereiche Finanzverwaltung, Geriatrie und Thanatologie. Thanatologie ist die wissenschaftliche Erforschung des Todes, des Sterbens, aber auch der Bestattung, wie Angela Turner das Berufsbild beschreibt.

Sie selbst stellte zum einen die Geriatrie in den Mittelpunkt ihres Wirkens, zum anderen konzentrierte sie sich auf die psychologischen und sozialen Aspekte im Zusammenhang mit dem Sterben. In Deutschland lässt sich dieser hoch spezialisierte Beruf schwer in das medizinische System einpassen. Deshalb plant Angela Turner, vielleicht weitere Schritte in der Medizin zu unternehmen, beispielsweise Richtung Pflegeleitung oder PA (Arztassistent).

Computerexperte Matthew Turner entschied sich für einen Job bei der amerikanischen Luftwaffe. Zunächst war er Mechaniker für Jet-Motoren, doch suchte er später neue Herausforderungen. Die fand er im Bereich der Computer und Netzwerke. Seine zweite Air-Force-Karriere begann. Er stieg auf bis zum Base Computer Security Manager. In dieser Funktion verteidigte er militärische Netzwerke gegen Angriffe aller Art.

Verletzungen, unter anderem während des Ersten Golfkriegs, ließen ihn später in die private Wirtschaft wechseln. Der premiumzertifizierte Experte war unter anderem für Credit Suisse, die Esa, die Deutsche Post und die Uefa tätig. Jetzt führt ihn sein Beruf durch ganz Europa. Neugier, der Nervenkitzel der Jagd und die vielen Handlungsmöglichkeiten machen seine Arbeit für ihn so spannend.