Stolz steht der Bürgermeister der Gemeinde vor den Gästen im festlich geschmückten Saal von "Wagner's Hotel". Die Amtskette trägt Wunder seit 1996. Sein Vorgänger Reinhold Renk hatte vor 40 Jahren die Eingemeindung der Ortsteile zusammen mit den Bürgermeistern Josef Wich (Neufang), Balthasar Kolb (Birnbaum) und Rudolf Klug (Nurn) vollzogen. Obwohl sich Birnbaum für den Anschluss an Wilhelmsthal ausgesprochen hatte, wurde es am Ende doch nach Steinwiesen eingemeindet.

Die damalige Konstellation war laut Wunder nicht gerade einfach und hat oftmals zu emotionalen Diskussionen geführt. Aber es wurde viel daraus gemacht. Die verschiedenen Identitäten der Ortsteile wurden erfolgreich weiterentwickelt, ein breites Vereins- und Kulturleben aufrechterhalten und weitergepflegt.


Vieles erreicht

Für die Gemeinde Steinwiesen sei in den letzten 40 Jahren viel erreicht worden. Aber alles könne der Bürgermeister mit seinem Gremium nicht richten und deshalb seien alle Bürger gemeinsam gefordert. Nur im Team werde man stark sein - und das Team lebe vom Mitmachen jedes Einzelnen.
Die Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piwernetz, zeigte sich erfreut darüber, dass in der Gemeinde Steinwiesen die Herausforderung der Gebietsreform so gut funktioniert hat. Viele der Orte hatten Angst vor Identitätsverlust, doch am Ende zeigten sich die meisten doch einsichtig, dass es langfristig ein Nutzen sein kann. "Hier in Steinwiesen seid ihr zu einer Einheit zusammen gewachsen. Die Bürger identifizieren sich mit der Gemeinde. Dazu gratuliere ich sehr herzlich", sagte die Regierungspräsidentin. MdB Hans Michelbach (CSU) lobte die gute Gemeindepolitik, die ein Prädikat von Steinwiesen ist. In den 40 Jahren ist der Markt Steinwiesen eine gemeinsame Heimat für alle Ortsteile geworden.

Auf die erfolgreiche Umsetzung der Gebietsreform vor 40 Jahren unter dem damaligen Landrat Heinz Köhler (SPD) ist Landrat Klaus Löffler (CSU) stolz. Er betonte, dass bei allen Reden das Entwicklungspotenzial der Gemeinde Steinwiesen in den Mittelpunkt gestellt wurde. Der Steinwiesener Weg sei einzigartig und geprägt von vielen positiven Erfahrungen.
Gerhard Wunder sagte abschließend: "Wenn wir gemeinsam diese Einheit und Vielfalt organisieren, können wir in eine gute Zukunft blicken."

Die musikalische Umrahmung lag in den Händen des Blechensembles des Musikvereins Steinwiesen.

Viele Mitstreiter auf dem 40-jährigen Weg seit der Gebietsreform am 1. Mai 1978 hatten sich bei der Festveranstaltung eingefunden und erinnerten sich an damalige Zeiten.Nicht nur die vier ehemaligen Funktionsträger und Träger der Goldenen Bürgermedaille, Manfred Manzer (Steinwiesen), Albin Deuerling (Nurn), Manfred Vogler (Nurn) und Eugen Bätz (Neufang) standen Rede und Antwort, auch die langjährigen Gemeinderäte Alfred Kotschenreuther (Birnbaum) und Werner Föhrweiser (Neufang) hatten einiges zur berichten. Selbst für Bürgermeister Wunder waren manche Geschichten neu. So kam Albin Deuerling 1972 in Nurn für die Freien Wähler in den Gemeinderat und machte sich gleich unbeliebt, als er mehr Gehalt für den Gemeindekassier forderte. "Ich war sofort bei den Freien Wählern untendurch, da ging ich zur CSU", erzählt der Metzgermeister lachend und fuhr fort. "Als ich einmal nicht mit Manfred nach Hause fuhr, chauffierte mich kurzerhand um 4 Uhr morgens der Richard Rauh nach Nurn. Wir plünderten die Wurstküche und erst um 6 Uhr fuhr der dann heim. Das waren noch Zeiten."

Auch Manfred Manzer konnte über eine teilweise schwere Zeit berichten. Doch noch heute pocht er darauf, dass Ehrlichkeit, Anständigkeit, Sachlichkeit und vor allem kein Fraktionszwang zum Wohle der Bürger einzusetzen sind.

Nicht ganz ernst gemeinte Buh-Rufe erntete Werner Föhrweiser aus Neufang mit seiner Aussage, dass nach dem Eingemeindungsvertrag "die Golanhöhen herunterkommen mussten und euch Steinwiesenern Gerechtigkeit beibringen mussten". Für ihn war es damals ein Unding, dass "die Schwarzen" in den Grünen Baum und "die Roten" in die Post gingen. "Erst nach sechs Jahren hat sich das geändert", erinnert sich Föhrweiser.


Über die Köpfe hinweg

Dass Birnbaum eigentlich nach Wilhelmsthal wollte und darüber sogar abstimmte, konnte Alfred Kotschenreuther erzählen. "Doch der Gemeinderat beschloss einfach über die Köpfe der Bürger hinweg, nach Steinwiesen zu gehen. Und da sind wir nun seit 40 Jahren", lachte er. Manfred Vogler, der Ortschronist aus Nurn, berichtete von der ersten gemeinsamen Gemeinderatsitzung. Die Bürgermeister aus Neufang, Birnbaum und Nurn hatten Einspruch gegen das Wahlergebnis eingelegt. Der Wahlleiter jedoch erklärte die Wahl für gültig. Der "Jüngste" in der Talkrunde war Eugen Bätz. 18 Jahre war er nach der Gebietsreform im Gemeinderat als Fraktionssprecher und dritter Bürgermeister tätig. Für ihn war die Zeit beruflich und privat eine Bereicherung und er möchte sie nicht missen. Viele Geschichten gäbe es noch und doch sind sich alle politischen Veteranen einig, dass man optimistisch in die Zukunft gehen kann.

Ortsteile Die Gemeinde Steinwiesen besteht aus den Ortsteilen Steinwiesen, Neufang, Birnbaum, Nurn und Schlegelshaid.

Einwohner Stand 1. Januar 2018 waren es 3468. Seit der Gebietsreform hat der Markt Steinwiesen 749 Einwohner verloren.

Finanzen Der Schuldenstand ist von 2,2 auf 5,5 Millionen hochgeschnellt, allerdings wurde seit 1978 auch mehr als 50 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert.