Es ist das Problem vieler Chöre: Der Nachwuchs hat oft andere Hobbys als das gemeinsame Singen. Lieder wie "Der Freundschaft Band", "Wiener Spezialitäten", "Hoch Heidecksburg" oder "Maria durch ein Dornwald ging" entsprechen auch nicht unbedingt dem Musikgeschmack der meisten Jugendlichen. "Ich mag eigentlich jede Art von Musik, auch die älteren Lieder", meint dagegen Lukas Thiel (12), der den Altersdurchschnitt bei den ansonsten durchwegs "gestandenen Mannsbildern" im Steinberger Chor ganz gewaltig senkt.
"Ich habe heuer beim großen Jubiläums-Liederabend in der TSV-Sporthalle mitgesungen. Einen Tag später hatte ich mein Debüt als Solist beim Gedenkgottesdienst für alle verstorbenen Sänger und Mitglieder des Chors in der Kirche in Steinberg", erklärt der Jugendliche bei der Hauptversammlung. "Ich habe ,Schwarze Madonna‘ gesungen", erinnert sich der Nachwuchs-Sänger.

Beim Adventskonzert gesungen


Auch bei einem Samstagabend-Gottesdienst in der Adventszeit, der vom Männergesangsverein stimmig umrahmt wurde, hatte er sich eingebracht. "Ich habe zudem beim Adventskonzert des Frankenwald-Gymnasiums in der Kronacher Stadtpfarrkirche im Chor der siebten Klassen mitgewirkt. Da hatte ich auch einen kleineren Soloauftritt bei "Streets of London". Das war am Geburtstag meiner Mama", sagt Lukas.
Auf die Frage, wie er zu den beiden Chören gekommen ist, antwortet er: "Meine Lehrerin am Frankenwald-Gymnasium hat gefragt, ob ich nicht im Schulchor singen möchte. Ich bin daraufhin zu einer Probe gegangen, um mir das einmal anzuschauen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin." Ähnlich hat es sich mit dem Männergesangverein "Cäcilia" Steinberg verhalten. Auch hier hat Lukas Thiel erst einmal "hin eingeschnuppert".

Lampenfieber bemerkt man nicht


Dass er da als Jugendlicher alleine inmitten erwachsener Männer steht, macht ihm nichts aus. Auch für Solo-Auftritte brauche man ihn nicht lange zu bitten. "Singen macht mir viel Spaß. Da bin ich voll dabei. Ich fühle mich in beiden Chören sehr wohl", verrät er. Natürlich sei auch immer etwas Aufregung dabei, gerade bei Solo-Auftritten. Er merkt schmunzelnd an: "Dass ich aufgeregt bin, merkt man meinen Auftritten glücklicherweise nicht an." Er möchte auf alle Fälle beiden Chören weiterhin die Treue halten.
Schade findet er, dass sich nicht mehr junge Menschen für traditionelle Lieder und allgemein für die Musik begeistern. "Ich würde mich schon freuen, wenn sich noch mehr junge Leute dem Steinberger Chor anschließen würden", betont er. Ansonsten aber wird er dort notfalls auch alleine die Stellung halten.