Die Angeklagten mussten sich vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Coburg für eine Vielzahl von Einbruchdiebstählen verantworten. Die Bande brach gezielt in Büroräume ein und entwendete Computer sowie Computerzubehör. Aber auch Firmengelände waren Ziele der Männer. Dort nahmen sie mit, was sie transportieren konnten: vom Lastwagen über Werkzeug und schwere Kupferplatten bis hin zum Kompressor und Minibagger.

Am Montag war noch der Geschäftsführer einer betroffenen Firma mit Sitz in Wallenfels als Zeuge geladen. Dort richteten die Männer - sie sind im Alter zwischen 22 und 57 Jahren - den größten Gesamtschaden an. Das Unternehmen blieb auf über 360 000 Euro Kosten sitzen.


Neue Computer und Auto geklaut



Die Einbrecher ließen bei dieser Tat etliche Computer mitgehen. " Sie haben gezielt die neuen Geräte mitgenommen", erklärte der Geschäftsführer, "die älteren ließen sie stehen". Die hohe Summe ergibt sich unter anderem durch den Arbeitsausfall wegen der Datenverluste.

Die gesamte Software musste neu installiert werden. Zudem entwendeten die Männer auch noch einen hochwertigen Mercedes-Pkw, den sie noch am gleichen Tag in die Tschechische Republik einführten.

Ein anderer Zeuge sagte aus, dass er am Tattag in den frühen Morgenstunden eine eigenartige Beobachtung am Rande der Autobahn bei Hof in Richtung Tschechische Republik gemacht hat: "Ich habe da eine Gruppe von Leuten um einen großen Mercedes mit Kronacher Kennzeichen herumstehen sehen und zwei Fahrzeuge mit tschechischen Nummernschildern - das kam mir seltsam vor." Er meldete seine Beobachtung der Polizei.


Aussage belastet den "Störenfried"



Sehr belastend war eine Aussage aus den Reihen der Bande selbst zum Einbruch in Wallenfels. Der älteste der Männer hatte diese in der Justizvollzugsanstalt kurz nach seiner Festnahme zu Protokoll gegeben. Dabei gab er Täterwissen preis und belastete fünf andere Mitglieder der Bande sehr. "Er nannte die Namen der anderen Beteiligten. Er schilderte den zeitlichen Ablauf und konnte sagen, wer welche Aufgabe erfüllt hat, wer welches Fahrzeug gefahren hat. Und er zeigte die anderen Männer auf einer Lichtbildvorlage", erklärte der Polizeibeamte, der die Vernehmung damals durchgeführt hatte.

Während der Hauptverhandlung äußerte sich der betroffene Angeklagte nicht mehr. Er machte jedoch durch seinen Verteidiger deutlich, dass er bei seinen Angaben bleibt. Es seien definitiv alle dieser Tat Beschuldigten in dem Gebäude gewesen. Einer habe ihm sogar vor der Fahrt nach Deutschland extra Benzingeld gegeben, ließ er verlautbaren.


Druck ausgeübt


Bei dem "Geldgeber" handelte es sich just um den Angeklagten, der bereits während der vergangenen Tage der Hauptverhandlung immer wieder gestört und versucht hatte, unterschwellig Druck auf die anderen Männer auszuüben. Er bestritt auch am Montag seine Tatbeteiligung, forderte hingegen die Anhörung weiterer Zeugen, die ihn entlasten könnten.

Richter Gerhard Amend trennte daraufhin das Verfahren gegen diesen Angeklagten ab. "Wir sehen uns am 5. November wieder, dann verhandeln wir weiter, und Sie haben dann die ganz große Bühne", erklärte der Vorsitzende. Die Verteidiger der anderen sechs Angeklagten hingegen gaben deutlich zu verstehen, dass es auch im Sinne ihrer Mandanten sei, die Verhandlung abzuschließen.

Staatsanwältin Claudia Siller hatte schon sehr bald zu erkennen gegeben, wie hoch sie sich das jeweilige Strafmaß für die einzelnen Delinquenten vorstellte. Die Verteidiger gaben zu bedenken, dass ihre Mandanten teilweise geständig gewesen seien und durch die eine oder andere Aussage zum Fortgang des Prozesses beigetragen hätten.


Entscheidungen des Gerichts


Unter Einbeziehung vorhergehender Urteile aus Regensburg fällte die Kammer folgende Urteile: Schuldspruch wegen Diebstahls in zwei Fällen und versuchten Diebstahls für den ältesten der Männer: zwei Jahre und neun Monate. Vier Jahre und sechs Monate gab es für einen 41 Jahre alten Angeklagten. Ein 36-jähriger wurde zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 22 Jahre alte Mann, dessentwegen der Prozess vor der Jugendkammer stattfand, wurde nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt (zwei Jahre und sieben Monate).

Einen Teilfreispruch, aber eine Verurteilung wegen Diebstahls in zwei Fällen kassierte ein 27-jähriger Mann; seine Strafe: drei Jahre und drei Monate. Ein 28 Jahre Angeklagter erhielt einen Schuldspruch wegen Diebstahls in sechs Fällen. Er ist der einzige, der von Anfang an vollumfänglich geständig war und der bisher in Deutschland noch nicht vorbestraft war. Nun geht er für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.