Auf dem Tisch in der alten Wirtschaft in Theisenort liegt noch das Strickzeug von Alice Reif. "Hier ist sie immer gesessen und hat gestrickt", erzählt Elvira Peetz. Es fällt ihr schwer, über ihre 77-jährige Mutter zu sprechen. Alice Reif hatte zwei Schlaganfälle und kann nicht mehr mithelfen, obwohl die Burggaststätte immer ihr Leben war. Derzeit muss sie erst alles wieder mühsam lernen. Und ob die Lähmungserscheinungen im Arm wieder zurückgehen, ist ungewiss. "Meine Schwiegermutter hat immer was zu arbeiten gebraucht. Sie hat die Klöße am Sonntag gemacht", berichtet Jürgen Peetz.

Verkauf fällt ihnen schwer

Allein können Elvira (56) und Jürgen Peetz (56) die Bewirtschaftung nicht bewerkstelligen. Denn Jürgen Peetz ist Polizist und kann nur nach Feierabend helfen und für seine Frau ist die Wirtschaft mit den zwei Gasthäusern zu viel. Auch sie ist gesundheitlich angeschlagen. "Es hilft nichts, auch wenn es schwer fällt, aber wir müssen das hier alles verkaufen. Verpachten wollen wir nicht", sagt Elvira Peetz.

Familienfeiern werden derzeit noch in der Wirtschaft ausgerichtet - auf Bestellung. Die letzten Dauergäste, die unter der Woche in den fünf Fremdenzimmern gewohnt haben, sind ausgezogen. Und Ende des Jahres will die Familie Peetz das Gewerbe abmelden. Dann ist endgültig Schluss.

Die Wirtschaft grenzt direkt an das Schloss in Theisenort. Entstanden ist die Anlage um das Jahr 1335. Bis ins 19. Jahrhundert war sie im Besitz der Familie von Redwitz. Im 20. Jahrhundert wurden Schloss und Burg voneinander getrennt. Das Schloss ist heute im Privatbesitz, die trutzige Mauer und der malerische Torbogen gehören zur Gaststätte. "Wir haben hier oben manchmal kleine Empfänge gehabt", erzählt Jürgen Peetz und schaut versonnen auf Theisenort und Küps hinunter. Zur Wirtschaft gehören noch 4000 Quadratmeter Grund und ein Nebengebäude. "Auch abends ist es schön, denn das Schloss wird angestrahlt", sagt Peetz.

Heuer ist der Markt an der Kirche

In diesem Jahr wird die Familie auch keinen Weihnachtsmarkt mehr veranstalten. Das haben sie schon im Frühjahr entschieden. Das Ehepaar hat sich dann viele Gedanken gemacht. "Aber jetzt, mit der Krankheit meine Mutter, bin ich richtig froh, dass wir so entschieden haben"; sagt Elvira Peetz. Anfangs startete der Markt mit sieben Anbietern, zum Schluss kamen 25. Dieses Jahr richtet die Feuerwehr den Weihnachtsmarkt rund um die Kirche aus.

Erinnerungen an schöne Zeiten

Legendär waren die "Schnitzel-Tage" in der Burggaststätte. Die Gäste konnten Schnitzel, Panade oder Beilagen auswählen - wie es ihnen gefiel. Und am Wochenende kamen viele Küpser, um die echten handgemachten Klöße zu genießen. "Wir haben nie fertigen Kloßteig verwendet. Wir haben die Kartoffeln immer in Hallstadt geholt und dann selbst gerieben", sagt Jürgen Peetz.

Das Ehepaar Peetz hat sich in der Wirtschaft sogar kennengelernt. "Meine Frau hat bedient", weiß Jürgen Peetz noch ganz genau. Seine Frau kam über ihre Eltern zur Gastronomie. Ihr Vater war eigentlich Justizbeamter, ihre Mutter Porzellanmalerin. Die Mutter hat Heimarbeit gemacht und schließlich das Sportheim in Theisenort bewirtschaftet. Dann pachteten die Eltern die Burggaststätte. Als in den neunziger Jahren ein größerer Umbau anstand, kauften sie die Gaststätte. Die neue Wirtschaft mit einer modernen Küche und der Saal sind entstanden.
"Es ist schon viel Traurigkeit dabei, wenn wir das jetzt verkaufen. Ich weiß noch nicht, wie ich das verarbeiten werde, wenn wir mal die Schlüssel übergeben", sagt Elvira Peetz und wünscht sich, dass sich ein Käufer finden wird. Interessenten jedenfalls gab es schon einige. Doch ob daraus etwas wird, ist noch ungewiss. Die Familie Peetz hofft es jedenfalls. Denn am schönsten wäre es für alle, wenn der Betrieb nahtlos fortgeführt werden würde.