Am 13. Juni wird das Tropenhaus "Klein Eden" in Kleintettau durch die Bayerns Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner eröffnet. Bereits jetzt aber ist das Tropenhaus für Besucher geöffnet. Und: Seit Mittwoch schwimmen Tilapias - eine Gattung afrikanischer Buntbarsche - in den Mastbecken.

Er ist nicht zu übersehen, der 3500 Quadratmeter große Komplex aus Glas am Ortsausgang von Kleintettau, Richtung Tettau, der schon jetzt überregionales Interesse gefunden hat. Die ersten Pflanzen wurden im Januar 2013 gesetzt.

Es gibt Maracuja, Naranjilla, Papayas, Kakao, Kaffee, Guaven, Avocados, Mangos, Vanille und Bananen. Und nun ist auch die Aquakultur mit vier Mastbecken sowie fünf Aufzuchtbecken für die Zucht von Tilapias in Betrieb.
Für den Geschäftsführer der Klein Eden Tropenhaus am Rennsteig GmbH, Ralf Schmitt, war der Besatz ein besonderes Erlebnis. Begeisterung schwingt in seiner Stimme mit, als er erzählt, dass zweimal 500 "Blue" und "Red" Tilapias (Gewicht 15 bis 20 Gramm) und 1000 "Red Tilapias" (120 bis 260 g) eingesetzt wurden. "Blue" so erklärt er, gibt ein festeres Filet, "Red" hat eine bessere Toleranz zu Wasser vorzuweisen, ist also widerstandsfähiger. Zu Weihnachten sollen die ersten Tilapias vermarktet werden.

Eine kleine Wissenschaft für sich

Während er erzählt, merkt man, die Tilapia sind eine kleine Wissenschaft für sich. Gefüttert werden diese mit "Warmwasserkreislaufanlagenfutter". Dieses setzt sich aus einem hohen Anteil Getreide, Proteinen und etwa zehn Prozent tierischen Nebenprodukten zusammen.

Rund dreißig Kubikmeter Regenwasser sind in einem Mastbecken. Ralf Schmitt spricht von einer Besatzdichte von 20 Kilogramm pro Kubikmeter Wasser. "Das ist großzügig, denn die Fische sollen ja auch Platz haben!"
Demnächst sollen auch in den kleineren Aufzuchtbecken Tilapias eingesetzt werden. Vier bis zehn Gramm schwer werden die Fische sein. Nach etwa sechs Wochen, wenn das entsprechende Gewicht erreicht ist, werden diese in die Mastbecken umgesetzt.

An den Ausführungen wird deutlich: Ralf Schmitt ist mit Herzblut bei der Sache. Etwa 28 Grad warm ist das Wasser in den Mastbecken. Es ist Regenwasser, dass überwiegend mit der Abwärme der Heinz-Glashütte auf etwa 26 bis 28 Grad Grad erwärmt wird, durch einen Bio- und Trommelfilter fließt, im sogenannten "Pumpensumpf" zusammenkommt, mittels Wärmetauscher die erforderlichen zwei Grade Wassertemperatur noch zugeführt werden, bevor es in die Mastbecken gelangt.

Beim Tropenhauskonzept geht es um Umwelt, Nachhaltigkeit, um eine Steigerung der Ertragswerte der Pflanzen und Früchte ohne Verursachung von Umweltbelastungen. Die Tilapia zucht ist ein Teil des Polykultursystems in "Klein Eden", welches einen nahezu geschlossenen Kreislauf bildet, indem es Ressourcen wie Energie, Wasser und Nährstoffe mehrfach nutzt. So dient das Wasser der Fischzucht als Dünger für die Pflanzen.

Tropische Früchte und Speisefisch in Bio-Qualität

Noch in diesem Jahr, so erzählt Ralf Schmitt, will man einen Versuch mit "Rotscherenkrebsen" starten. Diese ernähren sich im Wesentlichen von pflanzlichen Abfallprodukten. Der "geschlossene Kreislauf" wäre somit erreicht. Im Vordergrund des ganzen Systems, so Schmitt, steht die Erforschung und Kultur von subtropischen und tropischen Früchten sowie Speisefischen in Bio-Qualität.

Es geht auch um Fragen, wie "Schmecken tropische Früchte, die im Tropenhaus produziert werden, besser als Importe, im Supermarkt gekaufte? Wie kann der Fruchtertrag und die -qualität gesteigert werden, beispielsweise durch die Wahl der Sorten, den Einsatz geeigneter Insekten als Bestäuber, durch Rückschnitt der Pflanzen?"

Am Montag wird im Bayerischen Fernsehen zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr ein Beitrag über das Tropenhaus ausgestrahlt. Hierbei geht es primär um den Nützlingseinsatz gegen Schädlinge, wie beispielsweise der Woll- und Schmierlaus, welcher einige Zeit in Anspruch nimmt, bis das ganze Konzept funktioniert. Im Tropenhaus wird auf chemischen Pflanzenschutz verzichtet.

Klein-Eden dient als Demonstrationsobjekt für die Industrie und die Betriebe der Region mit ähnlichem Abwärmeaufkommen wie Heinz-Glas. Abwärme soll sinnvoll genutzt, statt ungenutzt an die Umwelt abgegeben werden. Allein die in der Rennsteig-Region zur Verfügung stehende industrielle Abwärme würde aktuellen Berechnungen zufolge für eine Anbaufläche unter Glas von rund 75.000 Quadratmetern ausreichen.

Man geht von einer CO2 -Einsparung von circa 350 Tonnen/pro Jahr aus. Weiterhin entfallen durch die Produktion subtropischer und tropischer Früchte und Speisefische lange Transportwege.

Kooperation mit Uni Bayreuth

Mit dem Ökologisch Botanischen Garten der Universität Bayreuth konnte ein Kooperationspartner gewonnen werden. Ziel ist die Optimierung des Anbaus tropischer Nutzpflanzen. Erforscht werden soll, welche Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas halten und wie es sich mit den Nährstoffen verhält.

Das Projekt soll ferner ökologische Kreisläufe und nachhaltige Wirtschaft für Erwachsene, Jugendliche und Kinder erlebbar machen. Die Erkenntnisse, die mit dem Projektpartner Uni Bayreuth gewonnen werden, sollen in Schulen in naturwissenschaftlichen Leistungskursen kommuniziert werden.
Arbeitsplätze. Mit dem Bau des Tropenhauses sollen auch neue Arbeitsplätze in den Bereichen Anbau, Produktion und Forschung geschaffen werden.

Das Projekt "Klein-Eden" wird gemeinschaftlich von Landkreis, Gemeinden, Unternehmen und Unterstützern der Region getragen. Die rund fünf Millionen Euro Investitionskosten wurden zu 90 Prozent durch Fördermittel des EU-Programms "Ziel 3 - Freistaat Bayern/Tschechische Republik (drei Millionen Euro), den allgemeinen Umweltfond (500 000 Euro) sowie der Oberfrankenstiftung finanziert.

Koperationspartner sind: Rennsteigregion im Frankenwald e.V., Landkreis Kronach, Kommunen Steinbach am Wald, Tettau, Ludwigsstadt, Teuschnitz, Heinz-Glas GmbH & Co. KGaA, Universität Bayreuth/Ökologisch Botanischer Garten), Sklenik Hranice o.p.s /Tschechien, Schottische Hochlandrinder-Zucht Frankenwald GmbH, Chocolate GmbH & Co. KG, Lehrstuhl Biopolymere, Universität Bayreuth.