Die Baubranche boomt. Wer derzeit durch die Region fährt, kann es sehen. Es werden Häuser und Wohnungen gebaut, Bürogebäude und Lagerhallen entstehen. Auch auf vielen Straßen zeigt sich der Aufschwung. Sind also für Bauunternehmen goldene Zeiten angebrochen? Wir befragten das Küpser Bauunternehmen Otto Mühlherr Baugesellschaft mbH.


Hohe Nachfrage

"Die Auftragsbücher sind gut gefüllt", so Peter Heinz, der das Familienunternehmen zusammen mit seinem Onkel Eduard Mühlherr in dritter Generation führt. Er spricht von einer guten Konjunktur, von günstigen Zinsen, von Geldern aus staatlichen Fördertöpfen sowie von einer hohen Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt und bei Industriebauten. Dennoch sei es ein Irrglaube, wenn manche meinen, die Bauunternehmen verdienten sich eine goldene Nase. Denn die Bauunternehmen haben die geringste Rendite der am Bau Beteiligten, müssen aber den Großteil der Risiken tragen.

Das Unternehmen Otto Mühlherr hat sich vor allem auf Industrie,- Gewerbe und Ingenieurbauten sowie Tiefbau spezialisiert und erzielt einen Umsatz von circa 25 Millionen Euro. 120 Mitarbeiter sind insgesamt beschäftigt. Peter Heinz spricht von einem guten Miteinander im Unternehmen. Die Geschäftsführung ist bemüht, mit dem Einsatz entsprechender Techniken und Angeboten seinen Mitarbeitern soweit als möglich ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Also rosige Zeiten bei den Mühlherrs, bei der Baubranche insgesamt? Peter Heinz sowie seine beiden technischen Leiter Jörg Eberlein und Peter Mühlherr sind für einen Moment nachdenklich. "Die Auflagen und Vorschriften erschweren die tägliche Arbeit", kommt der Einwand von Peter Heinz.
So hat sich Zahl der Bauvorschriften auf mittlerweile 20 000 seit 1990 mehr als vervierfacht. "Früher entschied der Menschenverstand, heute die Vorschriften".


Der Polier als Kontrolleur

Der bürokratische Aufwand, die Mitarbeiterschulungen, DIN-Vorschriften, Berufsgenossenschaft etc. - alles war noch in den 90-er Jahren anders und einfacher. Ein Polier ist heutzutage nicht mehr derjenige, der auf einer Baustelle kräftig mit anpackt, sondern eher ein Organisator und Kontrolleur.

Hinzu kommt die Produkt- und Materialvielfalt. So ist man beispielsweise vor 20 Jahren mit zehn verschiedenen Sorten Beton ausgekommen, mittlerweile gibt es mindestens 90. Ein Keller entsteht aus einem ganz anderen Bauverfahren und -material als eine Lagerhalle. Auch haben die Auftraggeber höhere Anforderungen, was Geräte und Technik betrifft. Weiterhin spielen Themen wie Arbeitssicherheit und Qualitätsnachweise eine zunehmende Rolle.


Sicherheit ein wichtiges Thema

Deshalb, so erklärt Sabrina Heinz, hat sich Mühlherr auch einer AMS-Zertifizierung unterzogen. Die Umsetzung dieser Zertifizierung "Arbeitsschutz mit System" der Berufsgenossenschaft Bau ist ein freiwilliger Leitfaden zur Einhaltung der gesetzlichen Sicherheitsvorschriften im Baugewerbe. Es geht dabei um elf Arbeitsschritte, die zu einem wirtschaftlichen und sicheren Baubetrieb führen und um Anleitungen zu Prozessoptimierungen, deren oberstes Ziel die Vermeidung von Arbeitsunfällen ist.

So wird die Vielfalt der Vorschriften und gesetzlichen Regelungen gebündelt und systematisch im Unternehmen und auf jeder neuen Baustelle abgearbeitet. Hierbei liegt die Komplexität vor allem in den immer wieder neuen und unterschiedlichen Voraussetzungen und Gegebenheiten eines jeden Bauprojekts. Die BG Bau hat Mühlherr durch Bestehen der Zertifizierung bescheinigt, einen optimalen Betriebsablauf zu leben und die vorgeschriebenen Regelungen vorbildlich einzuhalten.


Fachkräfte machen sich rar

Eine weitere Herausforderung ist für Mühlherr auch die Gewinnung von Fachkräften. "Kaum einer geht mehr freiwillig auf den Bau", so Peter Heinz. Nicht zuletzt aufgrund dessen, arbeitet das Unternehmen verstärkt mit Subunternehmen und auch mit ausländischen Mitarbeitern zusammen.
Gegenüber den Mitarbeitern und künftigen Auszubildenden versucht man, sich als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Dazu gehören neben einer entsprechenden Entlohnung beziehungsweise Ausbildungsvergütung ein betriebliches Gesundheitsmanagement, ein firmeneigenes Konzept für betriebliche Altersvorsorge und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.


Aufträge in Heimatnähe

Es wird Wert auf flache Hierarchien und offene Kommunikation gelegt. Im Unternehmen bekommt jeder engagierte Mitarbeiter die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Zudem gibt es eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten während der Sommermonate an Tagen, an denen es besonders heiß ist. So kann beispielsweise ein Maurer frühmorgens eher mit seiner Arbeit starten, um der großen Hitze zu entgehen. Außerdem legt die Unternehmensführung Wert darauf, Aufträge in Heimatnähe zu bekommen, damit die Mitarbeiter täglich nach Hause können. "95 Prozent der Baustellen sind in Franken!"


Mörtel und Mail

Was die künftige Entwicklung betrifft, so meint Peter Heinz: "Der Bau wird digital!" Die Auslastungen der Maschinen, Betriebsanleitungen, Fristen und Wartung von Maschinen werden zunehmend am Computer oder mit dem Smartphone geregelt. Ein digitales Gerätemanagement verwaltet im Fall von Mühlherr circa 2800 Artikel. Und es ist auch mittlerweile selbstverständlich dass jede größere Baustelle über einen Internetanschluss verfügt und E-mails verschickt werden können.

Vieles hat sich geändert und wird sich ändern, so Peter Heinz. Dabei erinnert er an seinen Großvater Otto Mühlherr, der im Jahre 1951 das Unternehmen gegründet hat. Damals war das Büro im Wohnhaus, mit Schubkarren wurde das Material zur Baustelle gefahren, die Lohntüten wurden wöchentlich an die Mitarbeiter ausgehändigt. Eines ist aber gleichgeblieben: Nämlich die Freude darüber, dass man als Bauunternehmer und auch als Mitarbeiter auf dem Bau etwas schaffen kann, das viele Jahre Bestand hat.