Die Gemeinde Marktrodach will etwas für die Verkehrssicherheit tun. Die Gefährdung von Fußgängern soll innerorts minimiert, der Verkehr künftig langsamer fließen. Darüber waren sich am Montagabend die Mandatsträger in der Gemeinderatssitzung einig.

Weil der Polizei aber Personal fehlt, trägt sich die Gemeinde mit dem Gedanken, im Rahmen einer kommunalen Verkehrsüberwachung selbst Kontrollen durchzuführen. An gewissen bekannten Schwerpunkten sollen die Einhaltung der innerörtlichen Geschwindigkeit gemessen und Verstöße geahndet werden. Das Ganze soll dem Schutz der übrigen Verkehrsteilnehmer dienen.

Entscheidung vertagt

Um dies zu realisieren, strebt Marktrodach eine Zweckvereinbarung mit Zapfendorf an. Die endgültige Entscheidung wird aber erst in einer der nächsten Sitzungen getroffen.

Der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit, Martin Bischof, machte deutlich, dass in Marktrodach an einigen Stellen durchaus Handlungsbedarf besteht. Dies hätten Testmessungen ergeben.

Ein Schwerpunkt ist auf der Bundesstraße 173 im Bereich Tankstelle Holzmann/Einfahrt Dennewill. Rund 12 000 Fahrzeuge wurden dort im November 2018 gezählt - an einem Tag. Dabei gab es 4457 Geschwindigkeitsüberschreitungen, mancher Verkehrsteilnehmer hatte mehr als 100 Sachen auf dem Tacho. Kurz vor dem Jahreswechsel ist es dort zu einem schweren Unfall gekommen, als ein Fußgänger von einem VW-Bus erfasst wurde.

70 Prozent fuhren zu schnell

In Zeyern wurde auf der Höhe des Gewerbebetriebs Stöhr rund 10 500 Fahrzeuge gezählt. Über 2100 Fahrzeuge hielten sich dort nicht an Tempo 50. Viele Raser waren auch in Großvichtach/Langendorf und in der Kreuzbergstraße/Anwesen 15 unterwegs. Hier sind 30 Stundenkilometer erlaubt. Die Verstoßquote lag bei 70, 2 Prozent.

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Keinen Handlungsbedarf sah Bischof im Bereich der Schule. 96 Prozent der Verkehrsteilnehmer hielten sich in diesem Bereich an die ausgewiesene Geschwindigkeit.

Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) wies darauf hin, dass seit einigen Jahren immer wieder Beschwerden an die Gemeinden herangetragen werden. Deshalb sei man an den Markt Zapfendorf herangetreten, der seit Jahren kommunale Geschwindigkeitsmessungen vornehme.

Wie die Sachgebietsleiterin für kommunale Verkehrsüberwachung, Angelika Wießmeier, ausführte, könnte der Markt Zapfendorf für Marktrodach die Verkehrsüberwachung übernehmen. Computer und Personal stünden zur Verfügung.

Die Einnahmen würden in der Kommune bleiben

Es müsste eine Zweckvereinbarung mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren geschlossen werden. Marktrodach würde dabei in Absprache mit der Polizei die Messstunden, die Örtlichkeiten und den Zeitraum festlegen. Der Markt Zapfendorf würde alle Verwaltungsaufgaben übernehmen. "Marktrodach wäre dann eine Bußgeldstelle, die Einahmen würden in der Kommune bleiben", so Wießmeier.

Die Expertin betonte, dass man sich bei allen Maßnahmen an die gesetzlichen Vorgabenhalten werde. Es würden keine Verfahren eingestellt, auch wenn man sich persönlich gut kenne, betonte sie. "Es können keine persönlichen Belange berücksichtigt werden."

Was die Kosten betrifft, so meinte Wießmeier, dass man durchschnittlich pro Verstoß mit 8,50 Euro rechnen müsse. Für eine Messstunde müsse man 134,50 Euro berappen. Eine Kostendeckung sei bei zehn Geschwindigkeitsverstößen pro Messstunde möglich.

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