Beim Blättern in alten Zeitungsbänden stößt man immer wieder auf seltene Begebenheiten und vor allem auf außergewöhnliche Unglücksfälle. So einer ereignete sich vor 120 Jahren in der Frankenwaldgemeinde Posseck, jetzt Gemeindeteil von Pressig.

Georg Heinlein aus Haßlach entdeckte in der Ausgabe Nr. 142, Donnerstag, 23. Juni 1898, in der seinerzeitigen Zeitung "Fränkischer Wald" folgende Notiz:
Am 22. Juni 1898 tobte ein schweres Gewitter über Posseck. Während eines Gottesdienstes schlug ein Blitz in das Gotteshaus ein und hätte um ein Haar den Geistlichen getötet. Aus der Zeitungsmeldung vor 120 Jahren kann man die Dramatik, die die Naturgewalten entfacht haben, sehr gut nachvollziehen.

Dazu die Meldung: "Mittwoch, den 22. Juni 1898. Ein schweres Gewitter, das heute früh 6 ¼ Uhr über unseren Ort zog, versetzte die hiesige Einwohnerschaft in gewaltigen Schrecken, indem ein Blitzstrahl in die Kirche schlug, als gerade Gottesdienst abgehalten wurde. Der Blitz fuhr in den Kirchthurm, Schiefer und Bretter von diesem reißend, von da auf das Kirchendach und von hier aus auf den Hochaltar. Der das hl. Messopfer celebrierende Geistliche wurde in dem Augenblick, als er das Pater noster sang, vom Altar weg zu Boden geschleudert, wo er, die Hände noch erhoben und gefaltet, wie bei der hl. Handlung, leblos und starr liegen blieb.

Der Blitzstrahl durchlochte die Kelchdecke und das Altartuch, brachte die Patene (das Kelchschüsselchen) zum Schmelzen, prallte sodann am Altarstein ab und nahm seinen Ausgang vorne beim linken Seitenaltar durchs Fenster, das ohne jeden Sprung ein rundes Loch zeigt. Die Mauer wurde innen und außen beschädigt. Unser lieber Pfarrherr, der Gott sei Dank am Leben ist und für das auch keine Gefahr bestehen dürfte, erhielt an der rechten Seite einen Brandflecken. Auch wurde der Strumpf des linken Fußes versengt.

Zum Danke gegen den Allmächtigen, dass unser allverehrter Geistlicher soweit glücklich verschont blieb und die Naturgewalt auch sonst keinen weiteren Schaden anrichtete, lässt die hiesige Pfarrgemeinde am nächsten Sonntag feierlichen Dankgottesdienst mit nachfolgenden Betstunden abhalten."