"Eine kleinere Leiter hätte es auch getan", sagt Hans Karst mit einem Lachen, als er in den Korb der Drehleiter der Feuerwehr Kronach steigt. In der Rosenau herrscht nicht erst zu diesem Zeitpunkt Aufregung, sondern schon seit gut einer Stunde.

Am Dienstagnachmittag hatte sich ein riesiger Bienenschwarm regelrecht zwischen dem Gebäude von Foto Thron und einem der gegenüberliegenden Bäume an den Parkbuchten gespannt. Und was wenige Minuten später aussah wie ein dicker Ast an dem Baum, waren etwa 15.000 Bienen. Zumindest schätzt Hans Karst die Anzahl so hoch.

Hans Karst ist Imker und spritzt Wasser in Richtung des Bienenschwarms, damit die Tiere zusammenbleiben, wie er erklärt. Kurz darauf wird er im Korb der Drehleiter nach oben in Richtung des Astes gefahren. Und dann geht alles ganz schnell: Etwas Rauch zur Beruhigung für die Bienen, ein Schnitt mit einer Baumschere und schon hat Hans Karst den Ast mit den vielen tausenden Bienen in der Hand.

Die Bienen sind einem Imker scheinbar "ausgebrochen". Karst erklärt auch, warum: "Es ist im Moment Brutzeit. Die letzten Tage waren sehr kalt, jetzt, wo es wärmer wird, ist das ganz normal, dass sich die Bienen fortpflanzen." Und bei der Fortpflanzung teilt sich ein Bienenvolk, das in der Regel etwa 30 000 Bienen umfasst. Die eine Hälfte samt der alten Königin verlässt dabei den Stock - im gestrigen Fall in Richtung des Baumes in der Rosenau.


Varroamilben als Gefahr

Lange bleiben diese Bienen aber nicht in dem Baum, weiß Karst. 50 bis 100 sogenannte Spürbienen fliegen von dort aus und suchen innerhalb von wenigen Stunden nach einer neuen Bleibe.

Warum er sie dann vom Baum holt? "Die Bienen haben Varroa milben und die können ein Invasionsherd für Krankheiten bei gesunden Bienenvölkern sein." Wenn ein Imker dieses Bienenvolk übernimmt, muss er es gegen Varroamilben behandeln. Doch Karst ist Bioimker und als solcher dürfen maximal zehn Prozent aller Bienen solch "ausgebüxte" sein. Im Fall von Karst heißt das, er dürfte lediglich zwei solcher Völker aufnehmen.

Karst steckt den Ast mit den vielen Bienen daran in eine Holzkiste. "Ich hoffe, dass die Königin mit in der Kiste ist, dann gehen alle anderen auch rein", sagt er in Bezug auf diejenigen, die noch herumschwirren. Und er hat Glück, nach und nach wird der Schwarm kleiner, die Bienen in der Kiste dafür immer mehr. Ein bis zwei Tage bleiben die Tiere nun in der Holzkiste bis die Honigreste aufgebraucht sind. Karst wird die Bienen mit Milchsäure behandeln und sie dann vielleicht an einen Imker abgeben, der sie gebrauchen kann.

Für den Imker, dem die Bienen sozusagen ausgebüxt sind, kann das, wenn er Pech hat, schlimme Folgen haben, weiß Karst: "Wenn die junge unbegattete Königin beim Begattungsflug verloren geht, geht das verblieben Volk zugrunde."