Eine zu hohe Belastung in den Klinik-Notaufnahmen und fehlende Ärzte für den Notdienst auf dem Land - damit soll bald Schluss sein. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) richtet deswegen flächendeckend im Freistaat Bereitschaftspraxen ein. Ende Juni sind die Regionen Coburg-Kronach und Hof-Marktredwitz am Zug.

"Im Rahmen von Pilotprojekten haben wir das neue System bereits in mehreren Regionen, verteilt auf ganz Bayern, getestet", blickt KVB-Pressesprecherin Birgit Grain auf einen intensiven Entwicklungsprozess zurück. Aus dem Blickwinkel der Patienten, Ärzte und beteiligten Kliniken sei das Vorhaben immer wieder geprüft und nachjustiert worden. "Die Ergebnisse dieser Evaluation liegen mittlerweile vor und sind durchweg positiv. Die beteiligten Kliniken sprechen von einer spürbaren Entlastung ihrer Notaufnahmen", fasst sie die Erkenntnisse zusammen. Im Januar wurde mit der Umsetzung des neuen Konzepts begonnen, das nun über den gesamten Freistaat ausgerollt wird. Im November plant die KVB den Abschluss des Projekts.
Auf halbem Weg also kommt Kronach an die Reihe. Am 26. Juni ist es soweit, dass die Bereitschaftspraxis an der Helios-Frankenwaldklinik in der Kreisstadt eröffnet wird. Betrieben wird sie von der KVB. Profitieren sollen von der neuen Einrichtung letztlich alle. In der Notaufnahme der Klinik soll sich der Ansturm von Patienten, die eigentlich gar keine akuten Notfälle haben, spürbar legen. Die Belastung der Ärzte durch den Bereitschaftsdienst soll sinken. Das wiederum soll die manchmal vielleicht abschreckende Situation mildern, die manche Mediziner von der Landarzt-Tätigkeit abhält. Und die Patienten sollen eine sichere, kompetente und wohnortnahe Versorgung gewährleistet bekommen.

Geplant sind für die Kronacher Praxis aktuell folgende Öffnungszeiten: am Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 bis 21 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 16 bis 21 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 9 bis 21 Uhr.


In 30 Minuten in der Praxis

Das Ziel der KVB ist es, die Praxen in der Fläche so anzuordnen, dass 99,9 Prozent der Patienten sie in maximal 30 Minuten erreichen können. Darüber hinaus sind natürlich weiterhin auch Hausbesuche möglich - und sogar effektiver durchführbar, weil hierbei die Belastung für den Arzt gesenkt wird. Dafür sorgt ein medizinisch geschulter Partner im Wagen, der den Arzt chauffiert und zugleich vor Ort unterstützen kann. "Die Ärzte - und vor allem bei Einsätzen zur Nacht die Ärztinnen - müssen nicht mehr alleine los", stellt Birgit Grain einen Vorteil der mit zwei Personen besetzten Fahrzeuge heraus. Zudem falle der Stress weg, erst hinter dem Steuer zu stecken und dann sofort gedanklich auf Behandlung umschalten zu müssen.

Doch wer soll eigentlich die Bereitschaftspraxis aufsuchen? Jeder, der eine akute Versorgung braucht, dessen niedergelassener Arzt allerdings nicht im Dienst ist. "Für lebensbedrohliche Notfälle bleibt hingegen weiter die Rufnummer 112, also das Blaulicht, das Mittel der Wahl", betont Grain.
Aus Sicht der KVB ist das neue System der Bereitschaftspraxen also ein großer Wurf. Doch wie stehen die Menschen dazu, die vielleicht einmal auf eine solche Einrichtung angewiesen sind? Die Kronacherin Christiane Schinzler ist Mutter und weiß, wie es ist, wenn ein Familienmitglied auf die Schnelle medizinische Hilfe braucht. "Grundsätzlich finde ich die Idee toll", freut sie sich daher über eine Entlastung der Notaufnahme und eine fixe Anlaufstelle für die Patienten. Sie wünscht sich nur, dass dort auch der Nachwuchs untersucht wird, nicht nur Erwachsene. "Meistens werden Kinder ja am Wochenende krank", spricht sie aus Erfahrung.

Da kann Birgit Grain die Mutter jedoch beruhigen. Natürlich würden auch Kinder vom Bereitschaftsdienst untersucht werden. Nur wenn die Behandlung das fachliche Spezialwissen des Arztes übersteigen sollte, würde das Kind zum Beispiel an einen Spezialisten oder eine Klinik verwiesen werden.