Ab 1. Oktober greifen die gesetzlichen Änderungen zum Bereitschaftsdienst. Für den Landkreis Kronach bedeutet dies, dass die bisherigen Bereitschaftsgruppen Kronach, Ludwigsstadt/Steinbach am Wald, Nordhalben, Pressig und Weißenbrunn zum 30. September aufgelöst werden. Der Landkreis ist dann ein Dienstgebiet, ausgenommen die Rennsteig-Region.

"Für die Menschen in der Rennsteig-Region wird es keine Änderung geben", sagt der Tettauer Arzt Michael Müller. Er wird - wie bisher - zusammen mit acht Kollegen den Bereitschaftsdienst abwechselnd übernehmen. Das sei nicht immer einfach, so Müller, da alle diese Dienste zusätzlich neben dem eigenen Praxisbetrieb durchgeführt werden müssten. Aber: "Wir machen es den Bürgern zuliebe."

Größere Einheiten

Wie er ausführt, wurden im Bayerischen Rettungsdienstgesetz bezüglich der ärztlichen Versorgung größere Einheiten eingeführt. Während noch vor wenigen Monaten acht bis zwölf Kollegen zur Sicherstellung des Bereitschaftsdienstes eine Dienstgruppe gebildet haben, müssen sich jetzt mindestens - um die Ärzte zu entlasten - laut Bereitschaftsdienstordnung 15 Mediziner in einer Bereitschaftsgruppe zusammenfinden. Diese bilden einen so genannten Fahr- und Sitzdienst (einer ist in der Praxis, einer unterwegs).

Die Probleme seien zum einen der Ärztemangel in strukturschwachen Gebieten und zum anderen der demografische Wandel, ergänzt Ines Pechtold. Ab dem Alter von 62 Jahren könne sich ein Arzt von der Ausübung des Bereitschaftsdienstes befreien lassen. Und so mancher Hausarzt nehme dies aus Alters- oder auch aus gesundheitlichen Gründen in Anspruch. Mittlerweile üben von den rund 50 niedergelassenen Ärzten im Landkreis nur noch 33 Bereitschaftsdienste aus.

Vermittlungsstelle in Regensburg

Die neuen Regelungen bedeuten für einen Patienten, der außerhalb der Sprechzeiten seines Hausarztes Hilfe benötigt, dass er über die kassenärztliche Vermittlungsstelle in Regensburg anfragt.

Der Anrufer schildert dann der Vermittlungs- und Beratungszentrale seine Beschwerden, anschließend bekommt er den Dienst habenden Arzt im Landkreis Kronach vermittelt. Die Behandlung erfolgt in der Regel in dessen Arztpraxis. "Es kann also vorkommen, dass ein Patient von Weißenbrunn in den Norden fahren muss. Für schwere Erkrankungsfälle wird ein Fahrdienst zugeteilt. Und das kann dauern!", stellt Ines Pechtold fest. Denn wer die Geo grafie kenne, der wisse, wie lange man im Landkreis unterwegs zu seinem Patienten sein könne. So könne wertvolle Zeit verstreichen.

"Deshalb und auch wegen der Menschen haben wir uns im Norden darauf geeinigt, den Bereitschaftsdienst mit dem Notdienst zu kombinieren und eine kleine Dienstgruppe mit acht Kollegen zu bilden." Das bedeute für den Patienten, dass immer ein Arzt im oberen Frankenwald im Einsatz und im Notfall schneller am Einsatzort sei.

Weitere Schwierigkeiten

Schwieriger wird es noch bei der Sicherstellung des Notarztdienstes, der auf freiwilliger Basis von Ärzten ausgeführt werden kann. Neben den drei Notärzten in der Rennsteig-Region sind lediglich im Kronacher Raum, aus der Frankenwaldklinik und in Küps Notärzte im Einsatz, erklärt Pechtold. Und da kommt es eben auch vor, dass "wir drei im Süden und im benachbarten Thüringen unterwegs sind, um Menschen zu helfen". Für Michael Müller, Ines Pechtold und Nora Kindl bedeutet dies neben der Führung ihrer Arztpraxen, jede dritte Woche Notarzt- und Bereitschaftsdienst.