Lachende jugendliche Flüchtlinge, die viel Spaß haben - sei es bei der Teilnahme an einem Musik-Workshop, bei ihrem Praktikum im Karibu-Weltladen, beim Erstellen einer großen Fotowand, beim gemeinsamen Kochen landestypischer Gerichte oder im Gespräch mit Marktbesuchern - Entstanden sind all diese schönen, mutmachenden Bilder im Rahmen des Förderprojekts "Faire Integration - unbegleitete jugendliche Flüchtlinge im Karibu Weltladen", initiiert vom Verein zur Förderung des Fairen Handels in Kronach.

Vertreten wird dieser durch Silke Fischer Petersohn als Vorsitzende, die für die Planung des Projekts sowie die Betreuung der Jugendlichen während der Veranstaltungen verantwortlich war. "Wir haben im September innerhalb des Teams überlegt, welchen Beitrag wir zur Integration von Flüchtlingen leisten und wie wir mit gutem Beispiel vorangehen könnten", erinnert sie sich. Da in Kronach zu jener Zeit viele Märkte anstanden, an denen der Weltladen teilnehmen wollte, hatte man die Idee, hierbei die im ehemaligen Kronacher Spital lebenden 16 unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge einzubinden.


Verschiedene Ziele

Mit dem Projekt verfolgte man verschiedene Ziele - zunächst einmal, die Idee des Fairen Handels mit der Integration von Flüchtlingen zusammenzubringen. "Durch den Fairen Handel erhalten die Menschen eine faire Chance, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und ihren Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten", erklärt Projektverantwortliche Ute Fischer Petersohn. Diese Grundidee habe man auch mit dem Projekt verfolgt, nämlich den jugendlichen Flüchtlingen eine faire Chance zu geben, gleichwertiger Teil unserer Gesellschaft zu sein. Zudem wollte man die Aktivitäten der jugendlichen Flüchtlinge, die im ehemaligen Spital von Mitarbeitern der Rummelsberger Diakonie betreut werden, aufzeigen und den Erfolg dieser Arbeit sichtbar machen.

"Als Karibu Weltladen wollten wir die Jugendlichen in unsere Arbeit integrieren. Sie sollten dadurch die Möglichkeit erhalten, einen Beitrag zu unserem Wirken zu leisten und dabei auch mit anderen Menschen in der Region in Kontakt zu kommen", sind sie sich einig. Durch ihr Praktikum im Weltladen und bei Verkaufsaktionen hätten die Jugendlichen Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen gemacht und dabei ihre individuellen Stärken eingesetzt. Im Rahmen des Projekts konnten sie ihre bereits erworbenen Sprachkenntnisse in der Praxis anwenden und erweitern. Für die Erleichterung der Kommunikation setzte man zwei Tablets ein, die im Rahmen des Projekts beschafft wurden und den jungen Leuten auch für weitere Aktivitäten zur Verfügung stehen.

Zu den regionalen Veranstaltungen, an denen der Karibu Weltladen teilnahm, zählten die Kunstvolle Weihnacht in der Kühlenzpassage oder auch die Gesundheitstage in Teuschnitz. Die Jugendlichen brachten sich dabei beispielsweise beim Aufbau, beim Verkauf und beim Abbau mit ein. Sie verteilten GiveAways für die Faire Woche und auch - im Rahmen der Klimakonferenz - selbst gebackene vegane Plätzchen an die Marktbesucher der Kunstvollen Weihnacht, wobei sie von dem Projekt erzählten.


Gemeinsames Kochen

Sie nahmen auch an einem von einem Peruaner geleiteten Musik-Workshop im Weltladen teil. Den Abschluss des Projekts bildete um die Weihnachtszeit ein gemeinsames Kochen der Jugendlichen sowie ehrenamtlichen Mitarbeiter. "Dabei waren rund 30 Personen anwesend. Hand in Hand wurde gekocht, erzählt und es wurden Weihnachtslieder gesungen", erinnert sich Ute Fischer Petersohn an diese schöne Aktion. Im Rahmen des Projekts entstand auch eine Plakatwand aus Postern und Fotos, die im Rahmen der Kochaktion zu sehen war. Diese verstand man als Ort der Begegnung, um den Besuchern der Stände die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen sowie den Jugendlichen, ihre Geschichten zu erzählen. "Die Fotowand kann auch beispielsweise im Landratsamt beziehungsweise in der Stadtverwaltung ausgestellt werden oder auch für andere Aktionen ausgeliehen werden", so die beiden, die auf Nachahmer des Projekts hoffen.

Gefördert wurde dieses im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In Kronach sind hierfür Bernd Pflaum seitens des Landratsamts sowie Annegret Kestler seitens der VHS verantwortlich.


Integriertes Miteinander

Dass die Förderung mit einem gewissen Aufwand - so für die Erstellung eines Antrags, Planungen, Kalkulationen und Abrechnungen - verbunden ist, verhehlen die Projektbeteiligten nicht. Hierzu zählen seitens des Karibu Weltladens - neben Ute und Silke Fischer Petersohn und Christina Walther vom Karibu Weltladen auch Florian Bätz von der Rummelsberger Diakonie. Das Karibu Weltladen-Team war tief bewegt von den Begegnungen mit den jungen Flüchtlingen.

"Wir möchten zeigen, wie ein integriertes Miteinander mit Menschen aus anderen Ländern möglich ist - und dass ihre aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für alle Beteiligten ein Zugewinn ist", so Ute und Silke Fischer Petersohn, die appellieren, Flüchtlinge als Menschen zu sehen - nicht als Bedrohung oder Kostenfaktor. Dabei sind sie sich sicher: "Das sind Menschen, die aufgrund von Kriegen und unerträglichen Zuständen in ihren Heimatländern die Flucht angetreten haben und bei uns nur in Frieden leben wollen."