Der leere Gastraum sieht aus, als wollten die Hotelangestellten hier gleich fürs Mittagessen eindecken. Gläser, Geschirr und Besteck liegen gestapelt auf den Tischen, die Pfeffer- und Salzstreuer stehen aufgereiht nebeneinander, weiße Tischdecken sind akkurat gefaltet. Doch in diesem Hotel hat seit Jahren kein Gast mehr übernachtet. Der verlassene Ort ist einer von vielen Leerständen, in denen die Zeit stillzustehen scheint.
 
"Lost Places Franken" heißt die Seite auf Facebook, auf der mehrere Fotos des ehemaligen Hotels unter dem Titel "Hotel und Gaststätte S." zu finden sind. Hier und auf der Partnerseite "Lost Places pic.RIOT" werden regelmäßig eindrucksvolle Aufnahmen von verlassenen Fabriken, Gasthäusern, Kliniken oder Schullandheimen veröffentlicht. Manche Aufnahmen zeigen Zimmer, in denen das Bett noch bezogen ist, Fabrikräume, in denen immer noch mehrere hundert Fußbälle lagern oder einen Klinikraum, in dem noch die kompletten Operationsgeräte stehen.

Eine Gruppe von Hobbyfotografen aus dem Landkreis Kronach ist für die Fotos verantwortlich. Die fünf Jungs machen sich alle zwei Wochen auf, um verlassene Orte mit ihren Kameras zu entdecken und deren Verfall zu dokumentieren. Dass ihre Fotos eine besondere Stimmung vermitteln, hat sich herumgesprochen. Die Fangemeinde im Internet wächst rasant. "Wir sind seit ein paar Monaten auf Facebook unterwegs und hätten niemals mit so einer Resonanz gerechnet", freut sich Mitbegründer Chris.
 


Den Verfall dokumentieren

Neue Objekte findet die Gruppe im Internet, in der Zeitung oder sie bekommen einen Tipp. Wo es möglich ist, nehmen sie zuvor Kontakt mit dem Besitzer auf. "Meist finden sie die Idee gut wenn sie merken, dass wir nichts kaputt machen." Ein Kontakt sei aber natürlich nicht immer möglich. "Aber uns geht es nicht darum, irgendwo illegal einzudringen. Wir wollen definitiv nichts zerstören, sondern nur den Verfall dokumentieren. Uns interessiert die besondere Geschichte der Orte."

Weil die rechtliche Lage trotzdem nicht immer geklärt ist, geben sich die Jungs auf Facebook nicht eindeutig zu erkennen. Und weil es ihnen definitiv nur um das reizvolle Foto-Erlebnis geht, veröffentlichen sie auch nie, wo die Bilder aufgenommen wurden. "Wir wollen nicht, dass irgendwelche Idioten dorthin fahren und alles kaputt machen."

Knapp 80 Gebäude haben sie mit der Kamera bereits durchleuchtet. Ein Ende der Aktion ist nicht in Sicht. Das liegt auch daran, dass die Reaktionen der mittlerweile knapp 5000 Facebook-Fans durchweg positiv sind. "Das hat uns echt umgehauen. Es schreiben uns wildfremde Leute an und loben uns für die Bilder. Das motiviert einen natürlich. Für uns alle ist das ein richtiges Hobby geworden."