Selten dürfte der Fund einer abgegriffenen Zwei-Cent-Münze einen größeren Jubel ausgelöst haben. Exakt 31 Sekunden nachdem das Startsignal aus den Lautsprecherboxen ertönte, reckte Andreas Bayer am Samstagmorgen das kupferfarbene Geldstück in die Höhe. Das hatte sich in einem grünen Kinder-Planschbecken zwischen 10 000 gleichfarbigen Ein-Cent-Stücken versteckt.

Damit sorgte der 25-jährige Teuschnitzer nicht nur dafür, dass das Bayern 3-Dorffest am 9. September in seiner Heimatstadt gefeiert wird. Denn die rund 2000 Zuschauer vor dem Teuschnitzer Rathaus schrien ihre Freude lautstark heraus und sorgten so dafür, dass der von ihnen ausgelöste Schallpegel den eines startenden Düsenjets wohl in den Schatten stellte.


"Der Zusammenhalt war sensationell"

Mit dem erlösenden Fund setzte sich die Stadt aus dem Frankenwald im Finale gegen Königstein aus der Oberpfalz durch, wo parallel die gleichen Spiele absolviert wurden. Zum Schluss allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass dort noch munter gesucht wurde, während Teuschnitz bereits feierte. "Ich hatte gehofft, dass wir gewinnen, es aber nicht erwartet", sagte Organisator Martin Sesselmann, der mit seiner Bewerbung erst dafür gesorgt hatte, dass Teuschnitz auf das Dorffest hoffen durfte. "Es wäre jetzt aber auch echt schade gewesen, wenn wir im Finale gescheitert wären."

Ein Gewinn wäre das Finale aber selbst im Falle einer Niederlage gewesen. Weshalb? "Wegen des Zusammenhalts", betont Sesselmann. "Der war sensationell!" Gerade in der ersten Phase des Wettbewerbs habe sein Team großen Zuspruch erfahren. In dieser mussten die teilnehmenden Orte im Internet auf Stimmenfang gehen, um sich fürs Finale zu qualifizieren. Zwar ging Teuschnitz bei der Vergabe von 100 000 Zusatzstimmen, die in Aktions-Spielen verteilt wurden, leer aus, konnte sich das aber leisten, da es keine andere Stadt schaffte, so viele Menschen dazu zu bewegen, für sie zu stimmen.


Im Rathaus versteckt

Den großen Moment im Finale, das live im Vormittagsprogramm des Senders übertragen wurde, bekam Sesselmann allerdings gar nicht mit. "Ich war im Rathaus und habe mich versteckt. Als man mir sagte, dass wir die Münze gefunden haben, wollte ich es erst gar nicht glauben. Das hat im Grunde 15 Minuten gedauert, ehe ich es realisiert hatte", erzählte er (siehe nebenstehendes Interview). Dem 34-Jährigen standen die Tränen in den Augen, nachdem er zu seinen jubelnden Mitstreitern ans Planschbecken eilte - und die Situation langsam realisierte.

Mit 1:0 lag Teuschnitz bereits in Führung, als es darum ging, die gesuchte Münze aus dem Becken zu fischen. In einem zehnsekündigen Hitmix hatte der Radiosender für das erste Spiel zehn Musiktitel versteckt, die es zu erraten galt. Doch sowohl das Teuschnitzer Rate-Team um Lukas Neubauer als auch die Kontrahenten aus Königstein erkannten innerhalb der nur 30 Sekunden langen Bedenkzeit sechs Titel richtig.

Die Folge: ein Stechen. Mit dem besseren Ende für Teuschnitz, das nun bereits einen Matchball hatte - und diesen durch Bayer verwandelte. "Wir hatten eine super Taktik", erklärte der 25-Jährige. Er habe erst auf der Bühne gestanden, doch die fünf jungen Frauen, die das Planschbecken nach dem Zwei-Cent-Stück absuchen sollten, hätten ihn und andere gebeten, sich hinter sie zu stellen und aus der zweiten Reihe bei der Suche zu helfen. "Sie haben die Münzen dann mit der Hand in einzelne Bereiche aufgeteilt und diese gezielt durchsucht", so Bayer. "Ich habe dann nur die ,2' auf der Münze gesehen und laut ,Stopp' gerufen, denn sonst wäre sie ja gleich wieder weg gewesen und zwischen den anderen Münzen verschwunden. Sie ist mir sogar erst noch aus den Fingern gerutscht. Das war von uns eine super Team-Leistung!"


Aufschwung für die Region

Nach einer kurzen Überprüfung der Münze durch Bayern 3-Moderatorin Jacqueline Belle (das Zwei-Cent-Stück war durch drei Kerben markiert) war der Sieg amtlich. "Ich freue mich so sehr auf den 9. September mit euch, und ich würde sagen: Jetzt trinken wir alle erst mal einen Schnaps zusammen", rief Belle den Zuschauern von der Bühne aus freudig zu. Die dürfen jetzt in zwei Wochen die Musiker Alvaro Soler, Beth Ditto und Sarah Connor begrüßen (siehe Infokasten).

Vor der Bühne mitfeiern wird dann auch der Teuschnitzer Peter Horn. Die erste Runde verfolgte er noch aufgeregt im Auto, die Münzsuche schließlich vor Ort. "Das war super spannend", fand Horn. "Jede Sekunde wurde zur Ewigkeit." Er freue sich, dass das Dorffest nun in eine Region komme, die "ohnehin etwas benachteiligt ist. In Oberfranken wird es ihr einen gehörigen Aufschwung verpassen".

Bayern-3-Dorffest

Beginn: Das Dorffest - ein Musikfestival des Radiosenders "Bayern 3" - beginnt am Samstag, 9. September, um 15 Uhr in Teuschnitz. Der Einlass wird etwa eine Stunde früher beginnen.

Programm: Auftreten werden Sarah Connor ("Wie schön du bist"), die ehemalige Gossip-Sängerin Beth Ditto ("We Could Run"), Chartstürmer Álvaro Soler ("El Mismo Sol", "Sofía") sowie die "Bayern 3 Band".

Viele Besucher: Das Festival findet heuer zum neunten Mal statt. Im vergangenen Jahr feierten über 70 000 Menschen in Moosbach in der Oberpfalz. red

Die bisherigen Gewinner-Orte:

2016: Moosbach (Oberpfalz)
2015: Tiefenlesau (Oberfranken)
2014: Altdorf (Niederbayern)
2013: Georgensgmünd (Mittelfranken)
2012: Bad Wiessee (Oberbayern)
2010: Inzell (Oberbayern)
2009: Knetzgau (Unterfranken)
2008: Walkersbach (Oberbayern)