Am Freitagnachmittag wurde am Rennsteig an der Schildwiese ein länderübergreifender Wirtschafts- und Radweg offiziell für die Bevölkerung freigegeben. Damit wurde auf dem geschichtsträchtigen Areal, das Bayern und Thüringen miteinander verbindet, auch ein Lückenschluss des überörtlichen Lions-Main-Radweges geschaffen.

Der 819 Meter lange Weg, im Volksmund auch "Promilleweg" genannt, liegt mit 449 Metern auf bayersicher Seite, 370 Meter gehören zur thüringischen Gemarkung Lichtenhain. Der Erholungsweg führt durch eine naturbelassene Landschaft und verbindet den Markt Tettau mit Thüringen. Insgesamt wurden rund 220 000 Euro in den Ausbau investiert. Der für die bayerische Seite erforderliche Betrag in Höhe von 160 000 Euro wurde zu 65 Prozent durch das Amt für ländliche Entwicklung gefördert. Auf thüringischer Seite gab es Zuschüsse vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera.

Angebracht wurden eine drei Meter breite Fahrbahn und eine acht Zentimeter dicke Asphaltschicht. Mit dem Ausbau soll die Verkehrssicherheit für alle Nutzer erhöht und der Tourismus gestärkt werden, so Bürgermeister Peter Ebertsch. Genutzt wird diese überwiegend von Wanderern und Familien mit Kindern.

Viele bürokratische Hürden

"Dieser Weg war kein leichter", erinnerte der Bürgermeister. Obwohl sich seit der Grenzöffnung im Jahre 1989 vieles zum Positiven gewandelt habe, sei die Realisierung dieses Projekts mit vielen bürokratischen Hürden verbunden gewesen. Der Markt Tettau habe einen eigenständigen Ausbau nicht tragen können. Das Förderverfahren sei wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten recht schwierig gewesen. Erst nach zahlreichen Rückschlägen sei es dem Markt Tettau gelungen, in den Besitz des kompletten Weges zu kommen.

Sein Dank galt MdL Jürgen Baumgärtner, der sich tatkräftig für dieses Projekt eingesetzt habe. Und dieser erklärte, dass er mehrmals wegen dieses Weges in Thüringen gewesen sei. Und er meinte: "Ich habe nicht geglaubt, dass dies so eine schwieriges Projekt wird und das obwohl unser Raum schon längst zusammengewachsen ist." Es klang fast wie eine Entschuldigung, als Friedrich Bihler vom Amt für ländliche Entwicklung erläuterte, dass Fördermittel aus Bayern auch nur für Bayern ausgegeben werden können. Er bezeichnete die Freigabe als einen weiteren Mosaikstein im Hinblick dessen, was im Markt Tettau in den letzten Jahren geschaffen wurde.

"Weg" - ein Wort das gleichgeschrieben, aber eine unterschiedliche Bedeutung habe, so der Kirchenpfleger Hans Kaufmann, der zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Kristine Wachter den kirchlichen Segen gab. Er erinnerte daran, dass dieser Weg vor dem Krieg von vielen Menschen genutzt wurde, die ihren Lebensunterhalt im Markt Tettau verdienten. Und nun führe dieser Weg wieder Menschen zusammen.

Bürgermeister Ebertsch bedankte sich bei allen Anliegern, die für dieses Projekt ihre Grundstücke zur Verfügung gestellt haben, insbesondere galt dies den Bayerischen Staatsforsten für die Überlassung ihres Wegstücks und dem Bund Naturschutz Thüringen für den Grundstückstausch.

Jetzt hofft Ebertsch auf den südlichen Lückenschluss, nämlich auf den Ausbau der Strecke zwischen Alexanderhütte und Schauberg. Auch diese führt durch die beiden Bundesländer.