Dieser kurze Moment, wenn die letzte Seite eines Buches gelesen ist, der Einband sachte zugeklappt wird und die Augen sich langsam wieder an die Wirklichkeit gewöhnen, dieser Moment hat manchmal etwas Magisches. Es kommt nur auf die Geschichte an. Eine solche Magie erzeugende Erzählung ist Michael Endes "Die unendliche Geschichte". "Es geht um Fantasie, Ängste und Hoffnungen, Träume und Wünsche", sagt Karin Neubauer, die seit zwei Jahren mit den 200 Kindern ihrer Ballettschule daran arbeitet, das Buch auf die Bühne zu bringen.

Jetzt, bei der letzten Probe, arbeitet Neubauer gerade daran, die Kinder auf die Bühne im Kreiskulturraum zu bringen. Es ist der zweite Versuch, der erste kurz zuvor war nicht ganz zur Zufriedenheit der ausgebildeten Tanzpädagogin verlaufen. Den erneuten Treppenaufstieg der Fünf- bis Sechsjährigen versucht sie, mit einem "Sind wir vorher denn schnell genug auf der Bühne gewesen?" anzutreiben. Es trappelt eine Weile, dann ist es still. Auch die letzte Nachwuchs-Ballerina hat ihren Platz auf der Bühne gefunden. Wenn an der Stelle bei der Aufführung dann der Vorhang hoch geht, hat sich die Bühne in das Moor und das Meer Phantasiens verwandelt. "Ihr seid Fische", sagt Neubauer, verteilt bunte Tücher und weist dann die "Grünen" an, für ein Solo nach vorn zu kommen. Ein paar müssen etwas geschubst werden, und Neubauer ermahnt: "Ein Solo, nicht nur rumlaufen. Jeder macht, was ihm einfällt." Schließlich sei die eigene Fantasie das Wesen der Erzählung.

Bei den etwas älteren Kindern der zweiten Trainingsgruppe klappt das Ganze dann schon besser. Ein wenig Optimierung bedarf es aber auch hier. Als sich alle in einem Halbkreis aufstellen, ruft Neubauer schockiert: "Was ist dieses Loch? Lea mach was!" Lea, eine der erwachsenen Tänzerinnen, bugsiert das vor ihr stehende Mädchen ein wenig nach links. Die Lücke ist zu.

Gemeinsam werden die unterschiedlichen Altersgruppen erst bei der Generalprobe am 20. März auf der Bühne stehen. Da alle unter einen Hut zu bringen, sei das Schwerste, sagt Susanne Neubauer, die ihrer Mutter gelegentlich beim Training hilft. Aber geklappt habe es bisher immer. Das nächste Stück ist auch bereits angedacht. Vielleicht "Alice im Wunderland". Das Ende einer Geschichte ist eben immer auch der Beginn einer neuen.