Es war ein Schock, als am 12. November vergangenen Jahres in einem Haus in Wallenfels acht Babyleichen gefunden wurden. Die toten Säuglinge waren versteckt - in einem Abstellraum, in Plastiktüten und Handtücher eingewickelt. Aufgrund der starken Verwesung konnte die Obduktion nicht einmal mehr klären, wann die Neugeborenen genau starben.


Mutter räumte ein, mehrere Säuglinge getötet zu haben

Die Rechtsmediziner fanden jedoch heraus: Sechs der Säuglinge wären von ihrer Entwicklung her lebensfähig gewesen. Nur einen Tag später kam die Mutter der Babys in Untersuchungshaft. Die 45-Jährige hatte in ersten Vernehmungen eingeräumt, einige Säuglinge lebend geboren und umgebracht zu haben. Von ihren Schwangerschaften soll niemand etwas mitbekommen haben.

"Annähernd 40 Vernehmungen und umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen sowie die Auswertung der rund 100 gesicherten Spuren dauerten mehrere Wochen an", sagt Sprecherin Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken. Jetzt hat die Soko "Schlossberg" ihre Ermittlungen abgeschlossen. Dabei habe sich der dringende Tatverdacht gegen die Mutter der Babys wegen Mordes in einer Vielzahl von Fällen erhärtet.


Wie komplex so ein Fall - gerade wegen des Zustands der Leichen - sein kann, bewies ein Babyleichen-Fund aus Bad Alexandersbad (Landkreis Wunsiedel) im Jahr 2013. Im späteren Prozess war die Strafkammer zunächst sicher, dass die angeklagte Mutter ihre zwei Säuglinge sterben ließ. Mord konnte ihr dennoch nicht nachgewiesen werden. Die Kammer bewertete die Taten damals als Totschlag - aber der war juristisch bereits verjährt. So wurde die Angeklagte freigesprochen.


Verjährung kommt nicht in Betracht

Eine Verjährung komme aber bei den Wallenfelser Babyleichen nicht in Betracht - weil die Taten dafür nicht lange genug zurück liegen würden, wie die Mutter gegenüber Ermittlern einräumte. Dennoch bleiben Fragen offen: Welche Rolle spielte der Ehemann der 45-Jährigen, von dem sie sich im Herbst getrennt hatte?

Er ist, das ergaben DNA-Tests, der Vater der toten Kinder. Bei ihm prüfe die Staatsanwaltschaft weiter eine Beteiligung an den Taten. "Ein Tatverdacht gegen den derzeitigen Lebensgefährten der 45-Jährigen hat sich nicht ergeben", fügt Höfer an. Er lebt weiter mit mehreren Kindern in dem Haus. Unklar bleibt das Motiv der mutmaßlichen Täterin: In ihren ersten Aussagen - ohne einen Verteidiger an ihrer Seite - soll sie darüber gesprochen haben. Aber die Ermittler schweigen, was die Frau genau erklärte.

Ein psychiatrisches Gutachten der Beschuldigten wurde von Experten erstellt, ein Ergebnis liege noch nicht vor, so Polizeisprecherin Höfer. Das Gutachten wird eine wichtige Rolle spielen, inwieweit die Frau überhaupt als schuldfähig gilt. Das bestätigt der Kronacher Pflichtverteidiger der Mutter, Till Wagler. Er rechnet damit, dass die Anklage gegen seine Mandantin in der zweiten Februarhälfte fertig sein wird.


Großes Entsetzen in Wallenfels

Das Entsetzen in Wallenfels war groß, als die Babyleichen entdeckt wurden. "Jeder versucht, den Weg zurück in die Normalität zu finden", erklärte damals Bürgermeister Jens Korn (CSU). Es wird ein schwerer Prozess vor dem Schwurgericht Coburg. Erst dann wird es Antworten auf die Fragen geben, die viele Menschen beunruhigen.