Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner freut sich über ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Das größte Präsent unter seinem politischen Christbaum dürfte freilich sein, dass die Ortsumgehung Zeyern in greifbare Nähe rückt. Daneben liegt aber ein zweites Geschenk, dass er den Marktrodachern nicht vorenthalten will: Die Kreuzung am im Bau befindlichen Gewerbegebiet Gries II. Belastet hat das den Haushalt der Marktgemeinde nämlich kaum. Die vorläufigen Baukosten betragen rund 265.000 Euro und die Ablösekosten, die für den Unterhalt der Kreuzung ans Straßenbauamt gehen, belaufen sich auf 80.000 Euro, sagt Investor Jens Stuck, Geschäftsführer von Trio-Bau. Das Geld werde von den drei Investoren Trio-Bau und Vamak, beide aus Dortmund, sowie Ratisbona aus Regensburg bezahlt, sagt Bürgermeister Gräbner. Er und sein Kämmerer bekommen also eine neue Kreuzung, die es nahezu umsonst gab.

Über dieses Weihnachtsgeschenk könnten sich auch die Marktrodacher und die anderen Menschen im Landkreis freuen. Doch die Freude fiel bislang verhalten aus. So konnten zumindest die Gesichter der Autofahrer interpretiert werden, die früh und abends an der Kreuzung warten mussten. Denn egal aus welcher Richtung der B 173 oder aus dem Gewerbegebiet selbst sie kamen: Es stockte. Auch nachts blockierte die Ampel auf der Bundesstraße den Weg, selbst wenn das Gewerbegebiet Gries I wie ausgestorben war. Für viele Pendler ist die Kreuzung in den vergangenen Wochen so zum Hindernis geworden.

Eigentlich sollte die Ampel mitdenken und flexibel entscheiden, wann sie Grün sein muss, damit sie nicht zum Nadelöhr wird. Das konnte sie, bis die Kreuzung umgebaut wurde, weil das Gewerbegebiet Gries II eine eigene Ein- und Ausfahrt braucht. Die Ampel muss jetzt nicht mehr nur den Verkehr aus drei Richtungen am Fließen halten, sondern inzwischen sind es vier. "Auch die Ampel im neuen Gewerbegebiet läuft mit, schließlich wird dort bereits gebaut und es fahren Baustellenfahrzeuge", sagt Jürgen Woll, Leiter der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg.

Induktionsschleifen fehlten

Aus drei mach vier: Was die Straßenarme anbelangt, ist die Kreuzung den Kinderschuhen entwachsen. Schlau hat sie das nicht gemacht. Im Gegenteil: Statt darauf zu achten, wann wie viele Autos aus welcher Richtung kommen und die Grünphasen entsprechend anzupassen, hat sie auf stur gestellt. Genauer gesagt, wurde sie auf stur gestellt. "Jetzt kann es noch zu Verzögerungen kommen, weil die Ampel noch auf eine fest vorgegebene Zeit eingestellt ist und eben noch nicht bedarfsgerecht reagieren kann", sagte Woll vergangene Woche. Das lag an den fehlenden Induktionsschleifen, die in den Asphalt eingelassen werden müssen, was bis vor Kurzem nicht möglich war, weil dafür Plusgrade nötig sind und die Firma Stührenberg aus Gera verfügbar sein müsse. Wärmer wurde es und das Bauamt habe mehrmals nachgehakt, sagt ein Stührenberg-Mitarbeiter. Vergangenen Montag war es dann so weit und die Firma hat die Schleifen verlegt. Ob die Ampel schon wieder mitdenkt, konnte der Stührenberg-Mitarbeiter nicht sagen.

Bald also grüne Welle durch Oberrodach und allzeit freie Fahrt? Nein, betont Jürgen Woll: "Dann wird es besser, aber eine Lichtsignalanlage ist immer ein Störfaktor in der bevorrechtigten Straße", sagt er. Es würde die Situation verbessern, wenn die Ampelanlage am Gries mit der an der rund 300 Meter entfernten Kreuzung in Richtung Kronach verbunden würde. "Technisch ist das möglich", sagt Woll, winkt aber sofort ab, weil es in diesem Fall keinen Sinn ergebe. Eine grüne Welle funktioniere nur, wenn alle Fahrzeuge zusammen ankämen. Genau dies sei in Unterrodach aber nicht so, weil Autos und Lastwagen unterschiedlich schnell sind.

Funktionsweise Verkehrsabhängige Ampelsteuerungen schalten die betreffende Fahrtrichtung frei, wenn mittels der Induktionsschleife ein Fahrzeug gemeldet wird. Zusätzlich kann, je nach Bauweise, die Freigabe nach Bedarf verlängert werden, bis die Anlage eine Lücke erkennt.

Einsatzfahrzeuge Durch Auslegung der Empfangsempfindlichkeit auf bestimmte Frequenzen können beispielsweise Krankenwagen mit entsprechenden Signaleinrichtungen die Ampelsignale für ihre Fahrtrichtung bevorzugt auf Grün stellen.

Kontrolle Mit einer Doppelschleife (zwei hintereinander verlegte Induktionsschleifen) kann die Geschwindigkeit bestimmt werden.