Unter souveräner Leitung von Dekanatskantor Marius Popp, der auch den Klavierpart innehatte, wurde dort Golgatha - ein "musikalische Kreuzweg" aus der Feder des Bayreuther Kirchenmusikers Michael Lippert - aufgeführt. Der Komponist ließ sich von den Karfreitagsprozessionen der Semana Santa im spanischen Andalusien anregen, bei denen der Leidensweg Christi als sinnenfrohes Fest gefeiert wird. Davon inspiriert schuf Lippert eine ganz andere Passionsmusik, die in mitreißender spanischer Folklore ebenso wie mit zarten Tönen das Geschehen erfahrbar werden lässt.
Die Kirchenchöre der Christuskirche Kronach und der St.-Michaels-Kirche Marktrodach stellten die Leidensgeschichte Jesu Christi nach dem biblischen Evangelium als groß angelegten Kreuzweg dar. Unterbrochen wurden die vom homogenen Gleichklang dominierten Sätze des textverständlich und sauber intonierenden Chors von Sprecher Ingo Cesaro, der ruhig und ausdrucksstark das Geschehen schilderte. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang dem engagierten und einsatzgenauen Popp-Consortium die dramatische, klangmalerische Umsetzung. Den Tumult, die massive Zustimmung und das Geschrei der sensationslüsternen Menge bei der Verurteilung Jesu meinte man vor seinem geistigen Auge ebenso sehen zu können wie den Leidenswillen, der aushalten will, sich aber dem Druck der Schmerzen beugen muss. Würdevoll und virtuos übernahm Bariton Rainer Grämer den Part des Gesangssolisten in der Rolle von Christus. Zu den wohl musikalisch eindringlichsten Momenten zählten die Kreuzigungs- und Sterbeszene. Ergreifend dabei Grämers - nur von Dekanatskantor Marius Popp begleitete - Auslegung der letzten Christusworte am Kreuz.
Mit dem Halleluja endete die außergewöhnliche, aber zutiefst beeindruckende Aufführung. Sie hatte weite Räume für die Zuhörer geöffnet, die förmlich selbst den mühsamen Gang des Leidenswegs Christi ausgeschritten waren. Voller Ergriffenheit traten ihren Heimweg an.