Nun ist es raus: Der Frankenwald ist in Sachen dritter bayerischer Nationalpark nicht mehr im Rennen. Genauso wie der Spessart. Die Rhön und die Donau-Auen bleiben in der engeren Wahl und sollen in den nächsten Monaten genauer geprüft werden. Das hat das bayerische Kabinett nach einjähriger Diskussion am Dienstag in München entschieden. Wann genau die endgültige Entscheidung fallen soll, ließ das Kabinett offen.


Reaktionen kamen sofort

Die Reaktionen auf die Nachricht ließen nicht lange auf sich warten: Auf der FT-Facebookseite stieg die Anzahl der Gefällt-mir-Angaben stetig. Kommentare wie "Einwandfrei. Des bassd" oder "Die beste Nachricht des Tages" zeigen, wie erleichtert manche Facebook-User über die Nachricht sind.

Auch der Verein "Unser Frankenwald" freut sich über die Entscheidung des Kabinetts und schickt direkt nach Bekanntgabe der Entscheidung eine Pressemitteilung raus. "Damit wurde dem Willen der Bevölkerung vor Ort Rechnung getragen", wird Ludwig Freiherr von Lerchenfeld, der Vorsitzende des Vereins, zitiert. Die Diskussion habe deutlich gemacht, dass die Menschen mit dem Frankenwald verbunden sind. "Jetzt gilt es gemeinsam mit den Menschen vor Ort, an der Entwicklung des Frankenwalds weiterzuarbeiten", so Freiherr von Lerchenfeld. Auch Erwin Schwarz, der stellvertretende Vorsitzende, freut sich: "Damit ist das umstrittene Thema Nationalpark Frankenwald endgültig vom Tisch."

Der Verein ist der Meinung, dass der vorhandene Naturpark gestärkt werden muss, da er in dieser Form Natur- und Artenschutz, nachhaltige Landnutzung, Wirtschaft und Tourismus am besten verbindet und voranbringt. Durch die heutige Entscheidung fange die Weiterentwicklung des Naturparks Frankenwald erst richtig an.
In den vergangenen Wochen hat die Staatsregierung in den verschiedenen Gebieten einen intensiven Dialog geführt, wie ein möglicher Nationalparks aussehen könnte und dabei ermittelt, ob ein grundsätzliches Interesse der jeweiligen Region besteht.

Im Frankenwald machten einige Interessensgruppen gleich zu Beginn klar, was sie von einem möglichen Nationalpark halten. Beim Besuch der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) demonstrierten sie mit Traktoren und Motorsägen. Und der Protest klang auch in den Wochen danach nicht ab. Von den Befürwortern hingegen hörte man in den vergangenen Wochen nicht allzu viel.


Ministerin bedauert das Aus

Nach der Dialogphase zieht die Staatsregierung nun ihr Zwischenfazit und begründet ihre Entscheidung: Wegen den Fichtenbeständen bestehe die Gefahr, dass nach der Stilllegung der Borkenkäfer das komplette Landschaftsbild verändert. Eine Bekämpfung des Borkenkäfers zum Schutz der eng verzahnten Privatwaldflächen könne zudem nicht gewährleistet werden.

Ein Argument, das bereits in der Dialogphase von Nationalparkgegnern immer wieder angeführt wurde und Waldbesitzer die Sorgenfalten auf die Stirn trieb. "Der Frankenwald ist aus dem Rennen, weil die naturschutzfachliche Eignung im Frankenwald deutlich geringer ist als in anderen Regionen", fasst Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) zusammen. Er hat den Frankenwald damals in die Diskussion um einen dritten bayerischen Nationalpark miteingebracht.

Die bayerische Umweltministerin bedauert, dass der Dialog im Frankenwald nicht weitergeführt wird. "Der Frankenwald hätte durch eine Anbindung an das Großprojekt Grünes Band auch einen besonderen Charme gehabt. Außerdem gibt es hier ein deutschlandweit einmaliges Schwarzstorch-Vorkommen", erklärt sie. Aber andere Regionen würden die Kriterien für einen Nationalpark einfach besser erfüllen. Auch der notwendige Rückhalt in der Bevölkerung für einen weiteren Dialog konnte laut Ministerin nicht hergestellt werden. "Es ist also folgerichtig, dass wir den Nationalpark hier nicht weiterverfolgen", so Baumgärtner, der sich in den vergangenen Wochen einiges anhören musste. Ihm ist es wichtig, allen Leuten zu danken, die loyal an seiner Seite standen und in der Diskussion sachlich und fair geblieben sind.


Chancen für die Region

Doch unabhängig von der Nationalpark-Entscheidung wird die Staatsregierung Ideen prüfen, die aus der Region eingebracht wurden. Im Frankenwald soll laut Baumgärtner geprüft werden, ob man nicht eine (Fach-)Hochschule mit Fachrichtung Forst- und Holzwirtschaft etablieren könnte. Eine ähnliche Fakultät gibt es bereits in Weihenstephan. Dort kann man von Biotechnologie über Forstingenieurwesen und Landwirtschaft bis hin zum Management erneuerbarer Technologien alles studieren. Für Nordbayern wäre eine solche Hochschule ein Alleinstellungsmerkmal.

Zudem schaue die Staatsregierung nach einem Programm, das private Waldbesitzer und regionale Waldbesitzervereinigungen im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung fördert. Auch ein Konzept zur naturschutzfachlichen Weiterentwicklung und zum intensiveren Schutz des charakteristischen Naturraums "Frankenwald" werde geprüft. "Die Staatsregierung prüft auch, inwiefern sie die Erarbeitung eines touristischen Gesamtkonzepts unterstützen kann", erklärt Baumgärtner. Dabei wären touristische Highlights und Alleinstellungsmerkmale wie ein Wildgehege oder ein Baumwipfelpfad denkbar.

"Eine Region gewinnt, wenn sie eigene Ideen entwickeln und diese auch durchsetzen kann", erklärt Kreisrat Hans Rebhan (CSU) in einer Pressemitteilung. Darin appelliert er an alle Beteiligten, konstruktiv zusammenzuarbeiten, damit die aufgezeigten Chancen realisiert werden können.