Er hatte zahlreiche Frauen und mit manchen von ihnen gleichzeitig eine sexuelle Beziehung. Schnell aufbrausend und laut konnte er werden. Beim Anbandeln machte er sich auch seine Position als Polizeibeamter zu nutzen, mindestens zwei seiner ehemaligen Freundinnen lernte der 55-Jährige Polizist aus Kronach bei der Ermittlung von Einbruchsdiebstählen kennen. Diese Tatsachen kristallisierten sich am mittlerweile dritten Verhandlungstag durch Zeugenaussagen ehemaliger Freundinnen heraus. Das alleine ist jedoch nicht strafbar.

Strafbar ist allerdings, was Staatsanwältin Jana Huber dem Mann vorwirft: Körperliche oder sexuelle Übergriffe auf seine damalige Frau, deren Sohn und eine ehemalige Freundin, die als Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung Gegenstand des umfangreichen Prozesses sind.
Der Mann schweigt weiterhin zu den Vorwürfen und so ist eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig - bis hin zu pikanten intimen Details. Die Zeugenbefragungen der Ex-Freundinnen des Angeklagten nahmen viel Zeit in Anspruch, vor allem auch deshalb, weil die Frauen sich untereinander getroffen, sich persönlich, telefonisch und über Handynachrichten ausgetauscht und auch gegen den Angeklagten und untereinander intrigiert hatten. Eine Zeugin bezeichnete das als "riesen Gezicke".
In diesen Verflechtungen von Eifersucht, Sex und Liebe ist es nicht leicht, die Wahrheit herauszufinden. Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, ermahnte die Zeuginnen deshalb immer wieder, so zu berichten, wie es sich wirklich abgespielt hat. Dabei kamen auch die Medien ins Spiel: Laut Aussage einer der Zeuginnen soll die Ehefrau und Nebenklägerin einer deutschlandweiten Tageszeitung ein Interview gegeben haben, in dem der Mann dann prompt als "Sexmonster" tituliert worden sei. Dies stieß der Zeugin sauer auf: "Das ist eine absolute Frechheit."

Die Frau betonte, stets ein gutes Verhältnis zu dem 55-Jährigen gehabt zu haben. "Ich habe ihn als fürsorglichen Mann kennengelernt, der sich um meine Belange kümmerte", erklärte sie. Ihr Kontakt zu einem Prozessbeobachter wurde nicht nur vom Vorsitzenden Richter, sondern auch von der Staatsanwältin und den beiden Nebenklägervertretern argwöhnisch beobachtet und war Gegenstand intensiver Befragungen. Angeblich soll der Mann ein Freund des Angeklagten sein und könnte die Zeugin eventuell in ihrer Aussage beeinflusst haben.
Um weiteren Anfeindungen und Begegnungen mit den Frauen aus dem Weg zu gehen, habe die Zeugin ihren Lebensmittelpunkt mittlerweile von Kronach in den Landkreis Coburg verlegt. Sie berichtete von einer Drohung: Erst vor kurzem habe sie nachts einen Anruf erhalten. Der Anrufer, der mit verzerrter Stimme gesprochen habe, habe ihr mitgeteilt, sie solle auf ihre Kinder aufpassen und aufpassen, was sie in der Verhandlung erzähle.

"Er kann laut werden..., er kann aufbrausend sein", sagte die Zeugin über den Angeklagten. "Aber mir gegenüber hat er nie die Hand erhoben." Sie habe auch nie Angst vor ihm gehabt. "So wie ihn seine Frau dargestellt hat, so kenne ich ihn nicht", erklärte sie, "ich glaube nicht, dass er sie vergewaltigt hat." Als sie einer weiteren Freundin des Angeklagten verrät, dass sie ebenfalls ein Verhältnis mit ihm hat, habe sie diese mit einem Anruf gewarnt: Der 55-Jährige sei richtig sauer, käme gleich zu ihr gefahren und sie solle vorsorglich die Türen zusperren. "Da habe ich die Polizei gerufen." Ihre sich widersprechenden Angaben, ob die Zeugin nun Angst vor dem 55-Jährigen gehabt habe oder nicht, waren Gegenstand vieler Nachfragen. Die Frau blieb dabei: "Mich selber hat er nie bedroht." Eine Aussage des Angeklagten: "Du Schlampe, dich mache ich fertig", sah sie deshalb auch nicht als Drohung an. Dass der 55-Jährige ihre polizeiliche Zeugenaussage jedoch zu Gesicht bekommen könnte, davor habe sie allerdings Angst gehabt: "Denn er kann einem das Leben wirklich zur Hölle machen."
So recht über den Weg getraut hat dem Angeklagten wohl auch eine weitere Zeugin nicht, auch wenn sie während ihrer Vernehmung immer wieder betonte: "Mir hat er nichts gemacht. Wir sind alle schuld, weil wir mitgemacht haben." Als eine der Freundinnen die Zeugin vor dem Angeklagten warnte, nahm sie die Treffen heimlich auf. Und ganz grün sollen sich die Damen, trotz aller Treffen und Aussprachen, wohl auch nie gewesen sein, so habe beispielsweise die Ehefrau die Zeugin der Körperverletzung bezichtigt. Im Laufe der Vernehmung wurde die Staatsanwältin auch einmal laut auf der Suche nach der Wahrheit, zu stark war die Diskrepanz zwischen den Aussage vor Gericht und vor der Polizei.

Einen Journalisten habe sie belogen, gab die Zeugin schließlich zu, und auch ihre Aussage vor der Polizei habe damals nicht der Wahrheit entsprochen. Heute sage sie allerdings die Wahrheit, bekräftigte sie, der Angeklagte habe ihr nie etwas getan. Später gab sie zu, dass der 55-Jährige sie zumindest einmal verbal bedroht habe, weil sie sich immer wieder in seine Beziehungen eingemischt habe. "Ich brech' dir das Genick", soll er geäußert haben.

Gillot ließ sie daraufhin wissen, dass sich ihre Anwältin in einem Schreiben an das Gericht gewandt habe. Inhalt: Es bestünde der Verdacht, dass der 55-Jährige die Zeugin zu sexuellen Kontakten genötigt habe. Daraufhin entband die Zeugin ihre Anwältin von der Schweigepflicht. Sie wird wohl noch vorgeladen werden. Der Prozess wird fortgeführt.