Drei Jahrzehnte Kronacher Stadtgeschichte wurden und werden von nur zwei Bürgermeistern geprägt. 18 Jahre hielt Manfred Raum (1990 bis 2008) das Ruder in der Hand, seitdem ist Wolfgang Beiergrößlein (FW) der Steuermann in der Kreisstadt. Nach dessen zwölftem Dienstjahr soll 2020 Schluss sein. Doch wer wird in knapp über einem Jahr die Nachfolge des heute 63-Jährigen antreten? Es wird schon spekuliert.

Bei der CSU scheinen die Weichen gestellt zu sein, obwohl Fraktionsvorsitzender Jonas Geissler die Nominierung erst für Herbst 2019 ankündigt. Bei den Christsozialen lässt sich schon seit Monaten aus Gesprächen herauslesen, dass der Weg zu einer Kandidatur nur über Angela Hofmann führen kann. Die Zweite Bürgermeisterin hat schon während Vertretungsphasen gezeigt, dass sie sich den nächsten Schritt zutrauen darf.

Klare Vorstellung

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"Ich gehe fest davon aus, dass Angela kandidieren wird und dass es niemanden in der CSU geben wird, der gegen sie antritt", stellt Geissler fest. Dabei hätte die CSU-Fraktion sicher weitere Alternativen in ihren Reihen; Geissler selbst, Bernd Liebhardt (Vorsitzender Kreistagsfraktion) oder Markus Wich (Dritter Bürgermeister) sind alle noch recht jung an Jahren und haben dennoch schon politische Funktionen übernommen. Trotzdem wird wohl keiner von ihnen Ansprüche anmelden.

Für Geissler ist das leicht zu begründen: "Angela ist Zweite Bürgermeisterin, sie wird geschätzt und kommt auch über die Parteigrenzen hinweg gut an." Außerdem habe sie das richtige Alter, um zwei oder gar drei Amtszeiten für diesen Posten zur Verfügung zu stehen.

Ferner konnte sie 2014 beweisen, dass sie in der Wählergunst sehr gut dasteht. Hinter Stadtoberhaupt Beiergrößlein (8990 Stimmen) war sie - obwohl keine Bürgermeister-Anwärterin - die klare Nummer 2 auf den Listen mit 8636 Stimmen. Dahinter klaffte eine Lücke von 3767 Stimmen zum Drittbesten.

Während die CSU auf ihr Zugpferd der vergangenen Wahl setzen will, geht den Freien Wählern ihres verloren. Wegen des Abschieds von Beiergrößlein als Bürgermeister müssen sich die FW ein Stück weit neu erfinden. Nach seiner Landtagskandidatur könnte Fraktionsvorsitzender Michael Zwingmann eine große Rolle spielen. Hinter den Kulissen gilt er als Favorit auf die Kandidatur. Er selbst versichert: "Wir haben noch keinen Kandidaten." Zu seiner eigenen Person meint er, dass er sich noch keine abschließenden Gedanken über eine mögliche Bewerbung gemacht habe.

Gleiches gilt für Stefan Wicklein. Der derzeitige Hauptamtsleiter der Stadt und Vorsitzende der FW-Kreistagsfraktion wird ebenfalls regelmäßig als ein möglicher Nachfolger seines heutigen Chefs genannt. Immerhin kennt er die Kronacher Verwaltung wie kein anderer (potenzieller) Kandidat. Auf Nachfrage erklärt Wicklein jedoch, sich mit dem Thema "Bürgermeister-Wahl" noch gar nicht auseinandergesetzt zu haben.

Klarheit herrscht bei den FW längst in einer anderen Frage. Die erste Dekade, in der sie das Kronacher Stadtoberhaupt stellen, macht ihnen Lust auf mehr. "Wolfgang Beiergrößlein macht für Kronach einen guten Job", stellt Zwingmann fest. "Uns Freien Wählern steht das Amt des Bürgermeisters sehr gut." Von daher wird es sicher das Bestreben der FW sein, 2020 wieder einen Kandidaten zu stellen.

Intern oder extern?

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Die SPD schickte vor vier Jahren mit Sven Schuster einen Anwärter aufs Bürgermeisteramt ins Rennen, der zuvor nicht im Stadtrat vertreten war. Auch dieses Mal wollen die Sozialdemokraten Flagge zeigen. Spätestens bis zur Sommerpause, idealerweise bis Mai, wollen sie über die Kandidatur entscheiden. So schildert Fraktionsvorsitzender Ralf Völkl den Fahrplan. Ob es einen Bewerber aus den eigenen Reihen geben wird oder vielleicht wieder eine externe Lösung, lässt er offen. Völkl sieht seine Fraktion in beide Richtungen gut aufgestellt: "Wir hätten innerhalb der Fraktion gute Möglichkeiten, wie zum Beispiel Marina Schmitt, oder auch außerhalb, wie Sabine Gross."

Der Name Gross fiel hinter den Kulissen zuletzt erstaunlich oft. Die Rechtsanwältin, die noch nicht im Ratsgremium sitzt, fühlt sich dadurch geehrt. Sie möchte sich gerne intensiver in der Kommunalpolitik engagieren und würde sich zumindest für eine Stadtratskandidatur interessieren, wie sie selbst feststellt. Vorher muss sie jedoch noch wichtige Entwicklungen im privaten Bereich abwarten. "Davon hängt ab, was ich kommunalpolitisch tue", sagt sie.

Und was ist mit Völkl selbst? Er stand bereits 2008 auf dem Wahlzettel und gilt mit all seiner seither gesammelten Erfahrung als ein passender Kandidat. Doch er winkt ab. Seine beruflichen Verpflichtungen stünden einer erneuten Bewerbung entgegen.

Bei der Frauenliste zeichnet sich bis jetzt noch keine Kandidatin ab. Stadträtin Martina Zwosta bestätigt, dass "wir uns bis jetzt noch nicht mit dem Gedanken beschäftigt haben". Erst Anfang kommenden Jahres will sich die FL damit befassen, ob eine Bewerberin gestellt wird.

Bei den Grünen ist die Lage ebenfalls ruhig. Stadtrat Peter Witton denkt nur darüber nach, ob er selbst noch einmal für die Wahl ins Gremium antreten soll. Mit der Frage, ob seine Partei einen Bürgermeister-Kandidaten stellen wird, hat man sich bisher überhaupt noch nicht befasst. "Das wird sich erst nächstes Jahr herausstellen", erklärt Witton.

Eine Unbekannte in der Rechnung

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Eine andere Wahl hat zunächst die große Unbekannte für 2020 im Visier: die AfD. Laut dem Kreisvorsitzenden Martin Böhm, "haben wir in Coburg eine Landratswahl vor der Brust, der momentan die ganze kommunalpolitische Energie gehört". Nach der kürzlichen Gründung eines Ortsverbands Kronach Stadt und Land liegt es aber nahe, dass sich die Gruppierung für den Rat der Kreisstadt in Position bringen wird.

Das bestätigt Böhm. Ob das gleich mit einem eigenen Bürgermeister-Kandidaten passieren wird, lässt er offen: "Da wage ich noch nicht, eine Prognose abzugeben." Sollte es dazu kommen, wird aber spannend sein, ob noch einmal das Thema "Besuch in Neustadt" aufkochen wird. Damals sollen angeblich amtierende Ratsmitglieder die AfD im Nachbarkreis besucht haben. Schnell machte das Gerücht die Runde, die AfD strecke ihre Fühler zu möglichen "Überläufern" (und Kandidaten fürs Gremium) aus. Ob an diesem Gerücht etwas dran ist? Bis jetzt hat es sich nicht bestätigt. Endgültige Klarheit dürfte der Wahlkampf bringen.