Ein Arzt aus dem östlichen Landkreis Kronach ist angeklagt, die Krankenkassen in erheblichem Umfang um ihr Geld gebracht zu haben. 23 Fälle des Abrechnungsbetrugs mit einem Gesamtvolumen von 700.000 Euro stehen im Raum. Auf unsere Nachfrage konnten weder die Staatsanwaltschaft noch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) am Freitag nähere Angaben zum Hergang der vierjährigen Ermittlungen machen, da die zuständigen Sachbearbeiter nicht erreichbar waren.

KVB brachte Stein ins Rollen

Aus kommunalpolitischen Kreisen verlautete jedoch, dass die jetzige Anklage nicht überraschend gekommen sei. Auch hieß es, dass die Kassenärztliche Vereinigung die Ermittlungen im Jahr 2010 ins Rollen gebracht habe. Der betroffene Arzt sei inzwischen umgezogen und lebe nicht mehr im Frankenwald. Während der Ermittlungen sei es für die Patienten und die dann behandelnden Ärzte zeitweise schwierig gewesen, an die Patientenakten heranzukommen. Diese seien ja von der Polizei konfisziert worden.

Eine Patientin erinnerte sich noch gut daran, dass die Situation mit der Praxisschließung damals etwas seltsam gewirkt habe. Als sie nach einer Behandlung bei einem auswärtigen Arzt wieder zum inzwischen angeklagten Mediziner habe gehen wollen, sei dieser spurlos verschwunden gewesen. "Unter seiner Telefonnummer war er auch nicht mehr zu erreichen", blickt die Frau zurück. Daraufhin habe die Gerüchteküche im Ort gebrodelt.