Wenn es um Politik geht, dann lässt sich Rick Sidley so leicht nichts vormachen. Zum Thema amerikanischer Wahlkampf und zu den Unsummen, die beim Wahlkampf verpulvert werden, sagt er nur: "Es wird zu viel Geld verbraucht. Man könnte auch andere Dinge damit machen. Ich habe schon vor sechs Wochen gewählt", erzählt der Amerikaner. Und er hat auch keine Scheu zu sagen, wen er gewählt hat: Barack Obama.

"Beim ersten Duell war Obama nicht aggressiv, sehr ‚presidential‘, also staatsmännisch", erklärt Rick Sidley, der das Duell in den Medien verfolgt hat. "Er war ein bisschen zu sanft", musste sich Obama Kritik gefallen lassen. Im zweiten Duell ist es für den Favoriten des Friedrichburger Amerikaners dann schon besser gelaufen. Die Menschen konnten eigene Fragen stellen - und Obama antwortete und punktete mit seiner sympathischen Art. "Beim dritten Duell war er auch aggressiv", schätzt Rick Sidley die Situation ein. "Ja, ich denke, dass Barack Obama die Wahlen gewinnen kann, aber es wird knapp", so Sidley.

Er sieht es als seine Pflicht, zu wählen


Er selbst sieht es als seine Pflicht, zu wählen. "Ich genieße als Amerikaner die Freiheit, in Deutschland leben zu können, aber ich sehe es wirklich als Pflicht zu wählen. Denn ich bin immer Amerikaner geblieben. Ich bin 50:50 - auch wenn ich von meinen deutschen Freunden eingebürgert worden bin, bin ich noch immer Amerikaner", erklärt Rick Sidley mit seinem unverwechselbaren Akzent. Und dass er von seinen deutschen Freunden eingebürgert worden ist, beweist eine Urkunde, die Rick Sidley ehrenhalber den Titel "Kroniche Housnkuh" verleiht.
"Ich habe auch vor vier Jahren schon Obama gewählt. Obama war ein Lichtblick nach der Katastrophe Bush. Amerika war innenpolitisch und außenpolitisch schlecht dran", so Sidley. Vor allem die Lügen und Fehlinformationen, die dieser über den Irak und die Ausstattung mit Atomwaffen verbreitete, kann Rick Sidley dem früheren Präsidenten nicht verzeihen.

"Obama kann das Land in die Zukunft führen. Nicht in vier Jahren, aber in den nächsten vier Jahren", sagt Sidley. "Mit Mitt Romney und den Republikanern sehe ich nur Schwarz. Ich denke, Obama kann es besser hinbekommen, aus Amerika ein bisschen einen Sozialstaat, ein Land der Fairness und des Ausgleichs machen", sagt Sidley und findet, dass Amerika einen Schub in diese Richtung bitter nötig hat.

Tatsächlich kann Rick Sidley als Angehöriger der US-Army die politische Situation seines Heimatlands sehr gut einschätzen. Er kam 1967 nach Bayreuth mit der Army und hat damals auch seine Frau Karin kennen gelernt. Doch dann zog er in den Vietnamkrieg. Ein Jahr lang war er dort. "Karin hat mich dann abgeholt und sie hat mich wieder aufgebaut. Ich war kaputt", erzählt Rick Sidley von Traumata, von Ängsten. Trotzdem blieb er der Army treu. Er machte sein Diplom in Geschichte und in National Law, studierte Deutsch und schließlich Psychologie und Psychiatrie. Dann arbeitete er bei einer Firma in Wiesbaden und übersetzte Gesetzestexte. Später nahm er an Programmen für amerikanische Soldaten teil - als Dozent.

Die große Leidenschaft


Und seitdem er in Pension ist - seit 2008 - arbeitet er mit Teenagern in der Kaserne in Bamberg und arbeitet ein Sportprogramm für den Nachwuchs aus. Überhaupt ist Sport die große Leidenschaft von Rick Sidley. Aber auch Themen wie posttraumatische Belastungsstörungen sind in der Army wichtig und auch Probleme wie Alkohol und Drogen müssen angepackt werden, betont Sidley und hat sich in diesen Bereichen immer engagiert.

Doch nicht nur in Amerika gibt es einiges zu tun: Auch für die deutsche Politik hat Rick Sidley noch so manchen Verbesserungsvorschlag. So wäre es glaubwürdiger, wenn Politiker nicht direkt im Anschluss an ihr politisches Amt von der Wirtschaft abgeworben werden können. Und natürlich findet Rick Sidley auch die Sache mit den enormen Nebenverdiensten nicht so gut. Aber im Vergleich zu den Summen, die der amerikanische Wahlkampf verschlingt und die ebenfalls von Lobbyisten und Wirtschaftsunternehmen zur Verfügung gestellt werden, sind die Nebenverdienste in Deutschland nur "peanuts".