Als Staatssekretärin Iris Gleicke in Kronach zu Besuch war, stellte der damalige Bürgermeister Manfred Raum (SPD) eines klar. Der Ausbau Kronach-Johannisthal der B 173 dürfe nicht mit dem südlich davon gelegenen Abschnitt gekoppelt werden. Zu groß waren seine Bedenken, dass es, sollte dort die Lerchenhoftrasse gewählt werden, zu Verzögerungen für das Reststück der Bundesstraße kommen könnte. Wir schreiben bei dieser Aussage das Jahr 2004. Raums Worte sollten sich bewahrheiten. Doch nun könnte endlich eine Klärung des Streitfalls bevorstehen. Am 17. Juli um 10 Uhr wird am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München die Verhandlung zur Lerchenhoftrasse eröffnet. 14 Jahre nach Raums Vorhersage.
Christina Schnölzer von der VGH-Pressestelle erklärt, dass sich das Gericht auf eine sehr komplexe, vielfältige Thematik einstellt. Momentan sei nur ein Verhandlungstag angesetzt, es lasse sich aber nicht garantieren, dass das Verfahren am Ende nicht doch zeitlich ausgeweitet werden muss. Die mündliche Verhandlung um den Neubau der Trasse zwischen Küps, Johannisthal und Schmölz als Anbindung der B 303 an die B 173 stellt die erste Instanz dar. Ob nach dem Urteil eine Revision möglich sein wird, lasse sich laut Schnölzer vorab nicht sagen. Falls die Möglichkeit dazu bestehen und auch ergriffen werden sollte, wäre das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig als nächste Instanz zuständig.

"Ich erhoffe mir schon, dass es mal ein Weg weisendes Urteil gibt, das eine weniger Flächen fressende Lösung zur Folge hat", unterstreicht Elisabeth Hoffmann. Die Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) - der Kläger in diesem Verfahren - tut sich schwer, die Chancen vor dem Münchner Gericht abzuwägen. Ihrer Erfahrung nach sei gerade bei Klagen gegen staatlich getragene Projekte selten gegen die Vorhaben entschieden worden. Wenn, dann nur, falls deutlich erkennbare Fehler vorlagen. Damit kommt Hoffmann zum Knackpunkt. Bei der Planfeststellung zur Lerchenhoftrasse gibt es ihrer Ansicht nach eben solche eklatanten Fehler.


Ist Trasse überhaupt notwendig?

Eine Pressemitteilung auf der BN-Homepage zitiert Regionalreferent Tom Konopka entsprechend: "Wir halten den vierspurigen Ausbau der B 173 zwischen Lichtenfels und Kronach für völlig verfehlt. Er ist angesichts der zurückgehenden Bevölkerungszahlen und des abnehmenden Kfz-Verkehrs in Zeiten des Klimawandels das falsche Signal. Die dreispurig geplante Lerchenhoftrasse ist noch unnötiger, weil es mit der bestehenden Staatsstraße zwischen Beikheim und dem Anschluss nördlich Johannisthal bereits eine Straße gibt, die umweltverträglich ausgebaut werden könnte."

Hoffmann glaubt an die Stichhaltigkeit der Klage und stellt deshalb fest: "So lange die Bagger nicht rollen, ist die Hoffnung am Leben." Sollte das Gericht die Klage jedoch abweisen, allerdings eine Revision zulassen, müsste sie sich erst noch mit dem Landesverband über das weitere Vorgehen absprechen.


"Wichtiges Projekt für Landkreis Kronach"

Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) ist derweil sehr zuversichtlich, dass der VGH gegen die Klage entscheiden wird. "Die Lerchenhoftrasse ist in Fragen des Verkehrsflusses als auch der Sicherheit die beste Variante und deshalb zu favorisieren", betont er. Diese Streckenführung habe sicher auch Nachteile, wie zum Beispiel den Flächenverbrauch, den die Frankenwald-CSU grundsätzlich einschränken wolle. In diesem Fall sei es jedoch nach objektiver wie subjektiver Wahrnehmung am vernünftigsten, die Lerchenhoftrasse umzusetzen.

Darauf hofft auch Uwe Zeuschel, der stellvertretende Leiter des staatlichen Bauamts Bamberg. "Ich würde mir wünschen, dass wir auf ganzer Linie gewinnen und dann auch Baurecht haben. Das wäre für uns ganz wichtig", unterstreicht er. Denn erst dann dürften Grundstücksbegehungen vorgenommen werden. Vorher liege vieles an Planung und Vorarbeiten auf Eis. Sollte der Klage stattgegeben und somit der der Planfeststellungsbeschluss aufgehoben werden, "würden wir wieder bei null anfangen", prognostiziert Zeuschel. Da er das "rund 40 Millionen Euro teure und für Kronach wichtige Verkehrsprojekt" endlich angehen möchte, hofft er jedoch auf eine Entscheidung für das vorliegende Konzept.


Aus der FT-Berichterstattung zur Lerchenhoftrasse

8. Dezember 2004: Die Entscheidung über die Trassenführung - Ausbau der bestehenden Strecke durch Theisenort oder Lerchenhoftrasse - wird für 2005 angekündigt.

28. November 2005: Die Bürgerinitiative Johannisthal protestiert gegen beide Varianten und fordert ein neues Raumordnungsverfahren.

29. Juni 2012: Dem damaligen Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning werden 1287 Bürger-Einwendungen vorgelegt.

12. Februar 2013: Jürgen Woll, damals Servicestellenleiter des Staatlichen Bauamts, erklärt, dass sich die Lerchenhoftrasse im Planfeststellungsverfahren befindet. Mit einem Planfeststellungsbeschluss rechnet er für 2014, wenn alle Einwände geprüft sind. Ein Baubeginn sei frühestens 2015 denkbar.

10. Juli 2013: Die BN-Ortsgruppen der Kreise Kronach und Lichtenfels fordern den Markt Küps und den Landkreis Kronach zum Handeln gegen den vierspurigen B 173-Ausbau und die Lerchenhoftrasse auf.

19. September 2014: Uwe Zeuschel erklärt, dass die Realisierung des Projekts auf Grund von Unwägbarkeiten nicht kalkulierbar sei. Verzögerungen würden sich jedoch auf die Kostenentwicklung auswirken. Zu dieser Zeit werden die Kosten auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt.

5. November 2015: MdB Hans Michelbach (CSU) spricht von einer weit vorangeschrittenen Planung bezüglich der Lerchenhoftrasse.

24. November 2015: Die Bürger konnten die Unterlagen zur Umweltverträglichkeit der Lerchenhoftrasse einsehen. 20 Einwendungen wurden gegen das Projekt eingereicht.

25. Mai 2016: Die Regierung von Oberfranken gibt den Planfeststellungsbeschluss bekannt.

28. Mai 2016: Der BN denkt über eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss nach.

28. Juni 2016: Der BN reicht die Klage gegen die geplante Lerchenhoftrasse ein. Einen Tag später wird über eine Klage des Marktes Küps berichtet. Im Juli 2017 zieht die Marktgemeinde ihre Klage zurück.