Wer seinen Kleiderschrank ausmistet, der packt die T-Shirts, Hosen und Pullover zumeist in einen Altkleidercontainer. Der Gedanke der guten Tat ist beim Einwurf des Kleidersacks im Hinterkopf. Aber wem und wo hilft man mit seinen alten Kleidungsstücken? Auch im Kronacher Raum ist Container nicht gleich Container.

Neben dem Kolpingwerk, den Maltesern und anderen bekannten gemeinnützigen Organisationen haben auch eine Firma aus Köln oder ein Verein aus dem Schwarzwald mit dem Namen "World-Help", Altkleider-Container aufgestellt. "Rund 30 Organisation, 19 gewerblich und elf gemeinnützige sind im Kronacher Raum tätig, aber nicht alle davon sind aktiv", sagt Thomas Mattes von der Abfallberatung des Landratsamtes.

Denn seit 2012 besteht laut dem Kreislauf-Wirtschaftsgesetz eine Anzeigepflicht für Wertstoffsammlungen, also auch für Kleidersammlungen in Containern oder auch bei Straßensammlungen. Solch eine Anzeige müsse nur einmal gemacht werden. Danach melden die sammelnden Firmen dem Sachgebiet Abfallwirtschaft die Orte, an denen sie Container aufstellen und die Mengen an Altkleidern, die sie sammeln.


Wild aufgestellte Sammelstellen

Und spätestens da hakt es manchmal. Das Aufstellen müsse mit dem Grundstückseigentümer abgestimmt werden. "Ich zweifle daran, dass das immer geschieht", sagt Mattes. Außerdem sei es vielen Grundstückseigentümern egal. In solchen Fällen oder wenn vorher keine Sammlungs-Anzeige gemacht wurde, sprechen die Behörden von wild aufgestellten Container.

Auch Dieter Krapp vom Kronacher Ordnungsamt hat in den vergangenen zwei Jahren Erfahrungen mit solchen Containern gemacht. "Die Besitzer werden angeschrieben und aufgefordert, den Container zu entfernen. Aber das Wegräumen lässt eher zu wünschen übrig", sagt Krapp. Es gebe einige Grauzonen in der Rechtslage. Oft seien diese Container beige und hätten nur einen einfachen Text oder eine Telefonnummer auf ihrer Hülle stehen. Sie kämen von karitativen Organisationen oder gewerblichen Firmen aus ganz Deutschland, hinter denen sich oft ein komplexes Netzwerk verberge, was die Erreichbarkeit erschwere.

Krapp und Mattes betonen aber, dass das Phänomen wild aufgestellter Container im Kronacher Raum eher die Ausnahme sei, es aber vorkomme.


Gewerblich und karitativ

Unter den gemeinnützigen sind kleinere, wie die katholische Jugend Küps, die nur auf ihrem Gemeindegebiet sammelt. Die größte ist eine Arbeitsgemeinschaft aus dem Kolpingwerk, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und des Kreisverbandes des BRK. "Wir haben die Arbeitsgemeinschaft 1990 gegründet, auch damit sich die karitativen untereinander keine Konkurrenz machen", sagt Matthias Simon, der Vorsitzende der Kronacher Kolpingsfamilie. Die Arbeitsgemeinschaft sammelt in orangenen Containern, die flächendeckend im Kronacher Landkreis und der Stadt verteilt sind.

Abfallberater Mattes hat die Zahlen dazu: "Die Arbeitsgemeinschaft hat 100 Container in Stadt und Landkreis aufgestellt und sammelte 2012 rund 400 Tonnen Kleidung", sagt Mattes. Alle anderen haben in 25 angezeigten Containern rund 125 Tonnen gesammelt. Mattes gibt aber zu bedenken, dass die Werte von den Sammlern selbst kommen. Bei den Zahlen für 2013 erwartet er keine großen Schwankungen.

Um es für gewerbliche Sammler unattraktiv zu machen und die karitativen zu schützen, müssen Gewerbliche Gebühren zwischen 100 und 400 Euro, je nach Art und Umfang der Sammlung, für eine Anzeige zahlen. Die karitativen nur die Hälfte, wie Mattes erklärt.


Unglücklich über Entwicklung

Matthias Simon hat in den vergangenen Jahren die Entwicklungen auf dem Altkleidermarkt beobachtet und ist damit nicht ganz glücklich. Er wünscht sich von den Bürgern mehr Bewusstsein bei der Abgabe von Altkleidern: "Es geht mir nicht darum, dass wir weniger haben. Aber bei uns fließt das Geld, das aus den Altkleidern erzielt wird, wieder in den Landkreis."

Bei den gewerblichen Sammlern oder gemeinnützigen Organisationen, von denen viele aus dem Ruhrgebiet kämen, sei dies nicht der Fall. "Besonders ärgert es mich, wenn eine Gemeinnützigkeit fragwürdig ist", sagt Simon. Er wünscht sich, dass sich die Menschen folgende Fragen stellen: Was macht eine solche Organisation? Wo geht das Geld aus den Altkleidern hin? Und will ich einen solchen Verein unterstützen?

Unter den Unternehmen, von denen immer mehr auf den Markt drängten, seien eben auch einige zwielichtige, sagt Simon. Aber er will niemandem ein unseriöses Handeln vorwerfen, sondern sieht die Leute in der Pflicht, sich zu informieren.

Die Kölner Firma, die im Kronacher Landkreis an mindestens einer Stelle sammelt, hat keine offizielle Internetseite und eine E-Mail-Adresse, die auf einen allgemeinen Internetanbieter endet. Was Seriosität und Transparenz der Firma fragwürdig erscheinen lassen.

Das der Altkleidermarkt umkämpft ist, zeigt auch ein Schild auf dem beigen Container der Kölner. Darauf wird eine Belohnung von 1000 Euro, für Hinweise zu unerlaubten Lehrungen von "Konkurrenten aus der Region", ausgeschrieben.


Wem möchte man helfen?

Gemeinnützige Sammler sind auch nicht automatisch vertrauenswürdig. Der Dachverband "FairWertung" warnt auf seiner Internetseite ausdrücklich vor Organisationen, die einen karitativen Zweck durch emotionale Namen und Bilder nur vortäuschen.

Der "World-Help"-Verein, der auch in Kronach mindestens einen Container stehen hat, informiert auf seiner Internetseite umfassend und transparent über die Verwendung der Spenden. Die fließen aber ausschließlich in Projekte im Ausland. Auch dort wird Hilfe gebraucht, aber da kommt wieder das Argument von Matthias Simon zum Tragen, dass sich der Kleiderspender Gedanken machen sollte, wem er helfen möchte.


Preise haben sich stark erhöht

Dass der Wettbewerb auf dem Altkleidermarkt in den vergangenen zwei Jahren so stark zugenommen hat, erklärt Abfallberater Mattes so: "Der Preis hat sich in dieser Zeit wahrscheinlich verdoppelt oder verdreifacht."
Die Preise für Altkleider sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Sie schwanken je nach Marktlage und Qualität . Im Jahr 2012 lagen sie etwa zwischen 250 und 1000 Euro je Tonne.


Das Sortieren machen andere

Von der Vorstellung, dass Hosen oder Pullover, die karitativen Einrichtungen gespendet werden, ausschließlich und direkt anderen Menschen als Kleidung dienen, müssen sich die Spender verabschieden. Fast alle großen gemeinnützigen Organisationen in Deutschland arbeiten mit gewerblichen Firmen zusammen. Und das aus gutem Grund, wie Matthias Simon von der Kolpingsfamilie erklärt: "Ein Eigenbetrieb der Container ist sinnvoll betrachtet einfach nicht möglich." Denn Altkleider würden in über 20 Kategorien sortiert und auf unterschiedlichste Art, zum Beispiel in der Autoindustrie, verwertet.

Auch die Kronacher Arbeitsgemeinschaft aus Kolping BDJK und BRK arbeitet seit Jahren mit einem großen Unternehmen zusammen, das im ganzen Bundesgebiet Niederlassungen hat. "Die Firma FWS aus Bremen übernimmt das Sortieren, die Leerung und Verwertung. Sie hält auch die Container und den umliegenden Bereich sauber", sagt Simon. Das Unternehmen sei zertifiziert und arbeite transparent, betont er. "Wir haben auch schon Betriebsbesichtigungen gemacht." Die Arbeitsgemeinschaft bekomme von FWS eine Grundgebühr pro Container und einen Anteil an der Tonnage.

"Bei der Abrechnung für 2012 konnten wir einen durchschnittlichen Erlös von 50 Euro pro Tonne erwirtschaften", sagt Simon. Das Geld werde in der Arbeitsgemeinschaft gedrittelt und fließe in Arbeit und Projekte in Kronach und dem Landkreis. "Wir sind zufrieden mit FWS, die haben ein gutes Konzept. Die achten auf Seriosität."