Vor fünfzig Jahren, am 12. Juli 1969, lockte die erste Schaufloßfahrt auf der Wilden Rodach in Wallenfels über 4000 Besucher an. Initiator dieses Spektakels war der Verein "Frankenlust" Wallenfels mit Vorsitzendem Bartl Querfurth und Floßherrn Josef Müller-Zeiner, die damals ihr fünfzigjähriges Bestehen feierte und damit den ganz großen "Aufhänger" hatte. Schließlich hält die "Frankenlust" bis heute viel von Tradition und Heimatverbundenheit. Und dies mittlerweile seit kontinuierlich 100 Jahren.

Erinnerung an Geschichte

Insbesondere dem damaligen Schriftführer und Pressewart Richard Vogler ist es mit zu verdanken, dass sich die Wallenfelser wieder an ihre große Geschichte erinnerten. Denn Holz und Wasser beherrschten über sechshundert Jahre die wirtschaftlichen Aktivitäten der Flößergemeinde an der Wilden Rodach.

Ein großer Förderer der Flößerei war aber auch der Wallenfelser Bürgermeister Franz Müller-Zeh sowie Landrat Edgar Emmert, der beim ersten Kreisflößertreffen im Jahre 1969 in Unterrodach seine Unterstützung zu solchen Schaufloßfahrten signalisierte. Für die nachfolgenden Landräte war und ist es bis zum heutigen Tag eine absolute Verpflichtung, diese historische Attraktion zu unterstützen.

Lesen Sie auch: Windheimer Sankt-Nikolaus-Kirche bald wegen Sanierung geschlossen

In der Folgezeit fanden immer wieder an besonderen Tagen oder Ereignissen Floßfahrten statt. Und die Wallenfelser Sägewerke spendeten dazu das Floßholz. Vor fünfzig Jahren hatten die von Wind und Wetter gegerbten Altflößer ihren großen Tag, bauten sie doch unter den neugierigen Augen der Jugend fachgerecht die Kuppeln zusammen. Aktuell kann die Wallenfelser Flößergemeinschaft auf etwa sechzig Aktive zurückgreifen. Zu den Männern der ersten Stunde zählten Josef Müller-Zeiner, Lorenz Köstner, Josef Köstner-Schmied, Andreas Buckreus, Josef Köhlmann-Spezi, Harry Müller und Andreas Müller.

In größerem Rahmen

1977 führten Landrat Heinz Köhler und Bürgermeister Franz Müller-Zeh erste Gespräche, um die Schaufloßfahrten in einem größeren Rahmen einem möglichst breiten Publikum anzubieten. In den folgenden Jahren ging es stetig aufwärts mit der Flößerei. So wurden auf der fünf Kilometer langen Floßstrecke zwischen Schnappenhammer und Wallenfels neue Wehre gebaut und alte instandgesetzt.

Am 27. November 1982 wurde dann die "Flößergemeinschaft Wallenfels" gegründet. In erster Linie war daran gedacht worden, den Beruf der Vorfahren nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Erst in zweiter Linie sah man eine Werbung für den Fremdenverkehr und die Stadt Wallenfels. Mit der Einweihung des Willi-Schreiber-Flößerhauses im November 1983 wurde eine ideale Heimstätte für Flößer und Gäste geschaffen. Staatssekretär Georg von Waldenfels, der schon damals auf das Waldsterben im Frankenwald hinwies, freute sich, dass die Flößertradition so intensiv gepflegt werde. "Die Heimatverbundenheit in Wallenfels ist beispielhaft", so der Staatssekretär.

Stadt Kronach will leerstehendes THW-Gebäude kaufen: Platz für neue Sozialwohnungen

Das Vorhaben verschlang 415 000 Mark und Wallenfels erwies sich im Nachhinein als idealer Ort der Brauchtumspflege. Für die beachtliche Aufwärtsentwicklung der Flößergemeinschaft sorgte der langjährige Vorsitzenden Heinz Ring. Unter seiner Leitung hatte sich diese Interessengemeinschaft zu einem leistungsstarken Verbund entwickelt. Aber auch sein Nachfolger Andreas Buckreus zeigt volle Einsatzbereitschaft.

Schon längst sind die Schaufloßfahrten auf der Wilden Rodach zwischen Mai und September alljährlich die ganz große Attraktion mit bis zu 6000 Gästen aus ganz Deutschland, denn die rasanten Floßfahrten auf der Wilden Rodach sind deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal. Allerdings ist die Durchführung immer wieder ein organisatorischer Kraftakt für Vorstandschaft, Floßmeister, Flößer und Wehrsetzer gemeinsam mit der Stadt Wallenfels und der heimischen Gastronomie.