Die biologische Vielfalt schwindet weltweit dramatisch. Dabei ist sie unsere Existenzgrundlage. Doch nicht nur die Arten verschwinden, auch das Wissen um sie geht verloren. "Kaum einer kennt noch Namen unserer Wiesenblumen", sagt André Maslo, Leiter der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken (ÖBO) in Mitwitz. Gegen dieses Wissensdefizit geht die ÖBO seit drei Jahren mit einem vom bayerischen Umweltministerium geförderten Projekt vor. In den Artenkenner-Seminaren lernen Anfänger die heimischen Pflanzen, Vögel und Insekten kennen, Fortgeschrittene vertiefen ihre Kenntnisse. Für Kinder gibt es ein spannendes Programm in der Erlebnisreihe "Natur für Entdecker".

Nach einem zähen Anlauf stand das Artenkenner-Projekt mangels Teilnehmerzahlen auf der Kippe. Die Wende brachte im dritten Jahr die Kooperation mit der Arnika-Akademie Teuschnitz. Die schickte nicht nur die Teilnehmerinnen ihres Fortbildungsangebots zum IHK-zertifizierten TEH-Praktiker in den Unterricht in Flur, Feld und Wald, sondern stellt mittlerweile selbst Referentinnen zu einzelnen Themengebieten. Damit verfolgen die Bildungsinstitutionen ein Prinzip, das sich auch in der Natur als Erfolgsmodell durchgesetzt hat: im Verbund ist man stärker, jeder profitiert vom anderen.

Das Wissen über die Kreisläufe im Ökosystem zu vertiefen und dabei alle berechtigten Perspektiven vom Naturschützer, über den Landwirt bis hin zu Mitarbeitern in Bauplanungsbüros einzubeziehen, das ist das Ziel der Projektreihe. "Artenkenntnis ist eine gesellschaftliche Angelegenheit, die auch gewollt werden muss." Geld lässt sich nämlich nicht damit verdienen, wenn man eine Goldammer von einem Girlitz unterscheiden kann. Im Gegenteil. Oft wird Artenschutz als Bremsklotz insbesondere bei Bauvorhaben wahrgenommen, man denke nur an den berühmten Juchtenkäfer, der das Mammutprojekt Stuttgart 21 kurzzeitig zum Erliegen brachte.

Insgesamt waren die Kurse im laufenden Jahr so gut besucht, dass André Maslo guter Dinge ist, auch im nächsten Jahr die erforderliche Förderung zu erhalten. "Wenn etwas läuft, sollte man es nicht nach zwei oder drei Jahren wieder absägen", meint er. Und appelliert an Geduld und Nachhaltigkeit und gegenseitiges Verständnis als Grundvoraussetzungen für gelingende Naturschutzprojekte. Auch hier lohnt sich ein Blick nach draußen: Wenn ein Kiebitzpaar in Ruhe auf einem Acker brüten und die Jungen aufziehen konnte, kommt es wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder. Logisch, dass der Landwirt für seinen Ernteausfall entschädigt werden muss.

Daher betrachtet die Seminarreihe den Naturschutz aus allen Perspektiven, damit am Ende alle an einem Strang ziehen. Zusätzlich zu den sogenannten Basisseminaren über Vögel, Pflanzen, Schmetterlinge, Schrecken und Libellen und Fledermäuse wird jedes Jahr ein Sonderprogramm angeboten. Unter dem etwas sperrigen Namen "Citizen Science - zusammen kartieren, gemeinsam schützen" ging es in diesem Jahr um die Dokumentation verschiedener Biotope wie Feuchtwiesen, Heckenlandschaften oder Ackerfluren und ihrer Bewohner.

Fokus Landwirtschaft

Die Pläne für 2019 liegen bereits in der Schublade. Sobald der positive Förderbescheid erteilt ist, legen ÖBO und Arnika-Akademie wieder los. Neben der Auflage Artenkenner 4.0 richtet sich der Fokus auf den Naturschutz in der Landwirtschaft. Die Teilnehmer erleben vier Betriebsformen - ein Milchviehbetrieb, ein Getreideproduzent, ein Bio-Energieerzeuger und ein Biobetrieb - und lernen auch die Bedürfnisse der Landwirte besser kennen. Voraussichtlich liegt das neue Seminarprogramm im Februar 2019 vor.