Die Empörung ist riesig. Noch größer sind die Sorgen um die Besatzung der "Arctic Sunrise". Das Greenpeace-Schiff wurde von russischen Sicherheitskräften beschlagnahmt, die Besatzung unter Androhung von Waffengewalt verhaftet und das Schiff nach Murmansk gebracht.

"Den jetzt inhaftierten Greenpeace-Kapitän Pete Wilcox kenne ich noch aus meiner Zeit auf der Rainbow Warrior II", erläutert Greenpeace-Aktivist Helmut Wesolek aus Gehülz. Dessen Sorgen sind groß, schließlich müssen die Greenpeace-Aktivisten mit einer Anklage wegen Piraterie rechnen. Dafür sehen russische Gesetze bis zu 15 Jahre Haft vor. 20 der 30 Aktivisten befinden sich derzeit in zweimonatiger Untersuchungshaft. Gegen das Vorgehen der Behörden demonstriert Greenpeace weltweit vor russischen Botschaften - auch in Berlin.

"Das ist schon heftig", zeigt sich Wesolek von den Geschehnissen tief berührt. Zumal es eine Aktion in internationalen Gewässern war. Natürlich weiß Wesolek, dass zwei Greenpeace-Aktivisten auf den Bohrturm und dort für den Schutz der Arktis demonstrieren wollten. Als diese die Plattform hochzuklettern versuchten, habe die russische Küstenwache scharf an den Aktivisten vorbei ins Meer geschossen, knapp neben die Greenpeace-Schlauchboote. "Die Umweltschützer hätten nur friedlich auf die Gefahr von Ölbohrungen in der ökologisch sensiblen Arktis und die Folgen des Klimawandels hinweisen wollen", erklärt Wesolek.

Der Gehülzer befindet sich derzeit in Hamburg in der deutschen Greenpeace-Zentrale. In einem Gespräch mit Timo Liebe, der die Arktis-Kampagne für Deutschland leitet, erfuhr er, dass von den 30 Crewmitgliedern acht russische Staatsbürger sind, die anderen kommen aus neun verschiedenen Ländern, darunter Frankreich und den USA.

Hochsensibles Gebiet

Die Arktis sei ein hochsensibles Gebiet, das sich in Gefahr befindet, betont Wesolek. Zwei Erdgasunternehmen wollen in den eisigen Gewässern nach Öl bohren. Greenpeace setze sich allerdings für den Schutz der Arktis ein. Mögliche Ölunfälle hätten dort katastrophale Folgen. Wegen der niedrigen Temperaturen gebe es dort kaum Bakterien, die Öl abbauen könnten. "Im arktischen Meer wären Folgen wirklich unabsehbar."
Greenpeace-Aktivisten richten keinen Schaden an, wollen nur demonstrieren und Zeichen setzen, verteidigt Wesolek die Aktion: "Damit an die Öffentlichkeit kommt, was dort geschieht". Würde sich Greenpeace nicht darum kümmern könnten solche Erdgasunternehmen tun und lassen, was sie wollen - und andere würden nachziehen, ist sich Wesolek sicher.

Die Antarktis ist beispielsweise zum internationalen Schutzgebiet erklärt worden. Für 50 Jahre wird dort garantiert, keine Bodenschätze zu heben. Greenpeace möchte nun Gleiches für die Arktis erreichen.
Die russische Reaktion auf die Aktion von Greenpeace ist für Wesolek nun völlig unverhältnismäßig. "Damit wird wohl versucht, jeden weiteren möglichen Protest abzuwürgen." Es werde Angst geschürt, Demonstranten könnten auf Jahre hinter Gittern verschwinden.

Weltweit finden nun Mahnwachen vor russischen Botschaften statt. Mehr als 150 000 Menschen haben bereits E-Mails an russische Botschafter gesendet. Wesolek hat dem russischen Botschafter in Deutschland persönlich geschrieben. Den russischen Botschafter und die russische Regierung bat er deshalb zu bedenken, dass er nicht gegen Russland sei, jedoch nachdrücklich für internationalen Umweltschutz eintrete.

Von deutschen und europäischen Politikern erwartet Wesolek, sich engagiert dafür einzusetzen, dass dieser Übergriff in internationalen Gewässern verurteilt wird und dass die Aktivisten nicht in sibirischen Straflagern enden. "Wir wissen nie, wie wir in solchen Ländern behandelt werden. Ich möchte nicht in deren Haut stecken", erklärt der Gehülzer. Immer wieder geschehe es, dass mit völlig überzogenen Reaktionen gerechnet werden muss, erinnert sich Wesolek an Geschehnisse etwa in Kanada.
Der Aktivist bittet nun darum, die Greenpeace-Petition zu unterzeichnen. "Je mehr Menschen sich dafür einsetzen, umso mehr wird darauf reagiert", betont Wesolek.