Am Montag drehte sich im Landratsamt alles um eine Frage: Wie kann das Bayerische Wirtschaftsministerium dabei helfen, Unternehmen in die Region Kronach zu locken oder an bereits bestehenden Standorten zu investieren? Zu diesem Zweck gibt es eigens eine Ansiedlungsagentur, die den Namen "Invest in Bavaria" trägt, und vom Ministerium sowie der Bayern International GmbH betrieben wird.

"Das Thema Ansiedlung ist bei uns Chefsache, alle bayerischen Wirtschaftsminister haben dieses Thema immer sehr ernst genommen", versichert Ulrike Wolf, Leiterin der Abteilung Außenwirtschaft und Standortmarketing im Wirtschaftsministerium. "Der Kunde ist das Unternehmen, das durch unser Standortmarketing auf Bayern aufmerksam werden soll", sagt Wolf. "Invest in Bayern" hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, von allen Wirtschaftsregionen ein Portfolio zu erstellen, damit potenzielle Investoren auf einen Blick die Vorzüge einer Region erkennen können.

In Sachen Wirtschaftsförderung rümpft so mancher Franke die Nase. Der Vorwurf: Sämtliches Geld werde nach Oberbayern und dort vor allem nach München gepumpt. Der strukturschwache Norden Bayerns werde hingegen kaum unterstützt. Ulrike Wolf möchte dieser Meinung nicht zustimmen. Durch die die Investitionen von "Invest in Bavaria" im Jahr 2011 seien 30 Prozent aller dadurch entstandenen Arbeitsplätze auf Franken entfallen. Generell gehe es "Invest in Bavaria" darum, auch Standorte außerhalb der Ballungsräume schmackhaft zu machen.

"Wir müssen den Unternehmen erst einmal nahe bringen, welche Standorte in das Anforderungsprofil der Unternehmen passt." Und diese könnten eben auch außerhalb der großen Städte liegen. Als Beispiel nennt sie das Amazon-Logistikzentrum, das kürzlich in Graben bei Augsburg angesiedelt wurde. Das Wirtschaftsministerium wolle die "bayerische Zukunfstsfähigkeit durch die Ansiedlung von Unternehmen stärken". Damit das nicht nur im Süden Bayerns funktioniert, wurde eigens "ein zweites Standbein in Nürnberg" der Ansiedlungsagentur "Invest in Bayern" geschaffen, wie Wolf es ausdrückt. So seien die Wege einfach kürzer.

"Mittelstand könnte noch innovativer sein"

Im Landkreis Kronach sieht Ulrike Wolf Handlungsbedarf. Die Alleinstellungsmerkmale, oder genauer gesagt: die Stärken, will "Invest in Bayern" gemeinsam mit Kronachs Wirtschaftsförderer Wolfgang Puff von der Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft des Landkreises Kronachs herausarbeiten. Ulrike Wolf sieht die Stärken der Region Kronach vor allem im "sehr starken Mittelstand, der aber noch innovativer sein könnte". Wolf meint damit die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und den Hochschulen. "Ich möchte daran erinnern, dass man den Informationsaustausch verstärken könnte", sagte sie. Wolfgang Puff betonte, dass der Landkreis mit dem Innovationszentrum Kronach in diesem Bereich bereits tätig geworden sei.

Das "Kompetenzprofil" des Kreises Kronach umfasse laut Ulrike Wolf vor allem die Bereiche "neue Materialien und Automotive". Mit dem Portfolio für die Region Kronach, das bereits Ende März vorliegen soll, könne "Invest in Bavaria", "vertieft auf diese Kompetenzfelder des Standorts Kronach hinweisen, wenn Anfragen kommen".
FDP-Landtagsabgeordneter Thomas Hacker begrüßt den Einsatz der Ansiedlungsagentur. Sie schaffe einen Mehrwert für ganz Bayern. "Wir haben hier geringe Lebenshaltungskosten und gut ausgebildete, junge Menschen", verwies er auf Kronachs Standortvorteile. Die Ingenieursausbildung müsse allerdings verstärkt betrieben werden.

"Weiche Standortfaktoren" müssen berücksichtigt werden

MdL Alexander König (CSU) sieht in der Verkehrserschließung "das allergrößte Problem". Eine Autobahn sei das A und O eines jeden Wirtschaftsstandorts. "Die politischen Kräfte müssen alles daran setzen, dass Kronach zu einem Autobahnanschluss kommt." Landrat Oswald Marr (SPD) betonte: "Alle Akteure sind bei uns stark vernetzt, das ist nicht überall so." Er verwies darauf, dass ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort auch die kommunale Infrastruktur vorhalten müsse, um attraktiv zu sein. "Die Kommunen müssen auch das Geld haben, sonst funktioniert das alles nicht." MdL Christa Steiger (SPD) stimmte Marr zu, dass auch die "weichen Standortfaktoren" wichtig seien. "Wenn ich das nötige Geld auf kommunaler Ebene nicht habe, um ein Schwimmbad zu sanieren, fehlen mir diese weichen Standortfaktoren", sagte sie. Trotzdem müsse sich die Region auch im Vergleich zu München nicht verstecken. Nebst Kronach gebe es sowohl in Coburg als auch Bamberg ein breites kulturelles Angebot.

Wirtschaftsförderer Wolfgang Puff begrüßt das Engagement von "Invest in Bavaria": "Ich finde es toll, dass das Ministerium jetzt in die Region vorstößt, um sie wahrnehmbarer für Investoren zu machen."