"Meine Flucht hat zwei Jahre lang gedauert. Ich bin viel zu Fuß gegangen, war aber auch mit dem Auto, dem Schiff und dem Zug unterwegs. Meine Route hat mich von Kenia nach Uganda und weiter in den Sudan geführt, dann weiter nach Libyen, wo ich sechs Monate im Gefängnis war, weil ich illegal war. Anschließend bin ich vier Tage mit dem Schiff nach Italien gefahren, von da aus weiter nach Deutschland" - Mohamed Mussa ist 16 Jahre alt. Er stammt aus Somalia und lebt seit eineinhalb Jahren in Bayreuth.

Das Schicksal von Mohamed und elf weiteren geflüchteten Menschen steht im Mittelpunkt der vom Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) in Bayreuth im Jahr 2015 konzipierten Ausstellung "Ein Stück Heimat im Koffer - Flüchtlingsgeschichten". Die Ausstellung, die ein Jahr lang durch Franken wandert, ist jetzt für rund zwei Wochen im Kaspar-Zeuß-Gymnasium zu sehen.

Die Schüler des Bayreuther Gymnasiums haben Flüchtlinge unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft interviewt und dabei Hintergründe zur aktuellen Situation recherchiert. Die Idee, die Ausstellung nach Kronach zu holen, kam nicht nicht etwa von den Lehrern. Vielmehr war es die Schülermitverantwortung (SMV), die von sich aus auf die Schulleitung zukam und die Ausstellung weitgehend selbstständig initiiert hat.


Schüler wünschten sich Thema

"Wir reden meistens über Flüchtlinge, aber selten mit ihnen. Unsere Informationen über Flüchtlinge - insbesondere auch, warum sie nach Europa kommen - erhalten wir meistens nur aus den Medien", erklärte der zweite Schülersprecher Paul Steinke, der mit dem ersten Schülersprecher Lucas Kotschenreuther und dessen Stellvertreter Marius Bittner in die Ausstellung einführte.

"Wir wurden oft von Schülerseite aus darauf angesprochen, ob wir nicht das Thema Flucht mehr in der Schule behandeln könnten", sagte Marius. Das Thema in den straff geregelten Lehrplan einzubauen, wäre aber schwierig gewesen. Bei einer Bezirksaussprachetagung der SMV sei man schließlich auf das Projekt aus Bayreuth gestoßen. Da dieses von Schule zu Schule wandern könne, haben die Schüler es hierher geholt, wo es etwa zwei Wochen lang zu sehen sein wird.

Lucas freute sich, neben der Ausstellung auch einen vom Ethik-Kurs produzierten Film-Beitrag - ebenfalls zum Thema Flüchtlinge - vorstellen zu können. Hierzu hatten sie unter anderem ihren aus Damaskus stammenden Mitschüler Abood interviewt, der über sieben Länder schließlich in den Landkreis Kronach kam.


Gegen Vorurteile ankämpfen

"Ich bin sehr stolz, dass wir an unserer Schule so viele junge Leute haben, die sich nicht bange machen lassen, sondern Schwierigkeiten ansprechen und nicht nur die Probleme sehen, sondern auch die sich dadurch ergebenden Chancen", sagte Schulleiterin Renate Leive.

Sehr beeindruckt zeigte sie sich auch vom Filmbeitrag: "Das alles sind sehr gutes Beispiele dafür, wie das Schulleben sozusagen von unten wachsen kann." Am Allerwichtigsten sei es, wie man Tag für Tag miteinander umgehe. Man könne sich streiten und unterschiedlicher Ansicht sein. Aber es sei wichtig, dabei immer offen zu bleiben.

An alle Anwesenden appellierte sie, Flagge zu zeigen gegenüber Ansichten, die Vorurteile transportieren und menschenverachtend sind und auch dementsprechend Überzeugungsarbeit zu leisten. "Wenn die Ausstellung hierzu einen kleinen Beitrag leisten kann, haben wir schon viel erreicht", meinte die Direktorin.