Das Stühlerücken an der Helios-Frankenwaldklinik geht weiter: Nachdem schon in den vergangenen Jahren mehrere Mediziner die Klinik verließen, muss sich die Geschäftsführung nun nach neuem Personal für die Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie für die Gastroenterologie umsehen.

Wann genau Frank Fischer (bisher Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie) und Klaus Mönkemüller (Leiter des "Departments Gastroenterologie") die Klinik genau verlassen werden, steht aber noch nicht fest, erklärte Stephan Zeidler, der Pressesprecher der Helios-Frankenwaldklinik. Vermutlich aber gegen Sommer.


Familiärer Hintergrund

Mönkemüller, der als Experte für die Behandlung von Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes gilt, übernahm die Leitung des Teilgebiets der Inneren Medizin erst im vergangenen November. "Dass er geht, hat einen familiären Hintergrund", so Zeidler. "Es gab keine fachlichen Differenzen und wir hätten ihn auch gerne behalten. Seine Entscheidung müssen wir aber akzeptieren." Offenbar zieht es den 51-Jährigen zurück in seine norddeutsche Heimat.

Weniger harmonisch dürfte hingegen die Trennung von Frank Fischer abgelaufen sein. Bei ihm habe es eine "unterschiedliche Auffassung über die Zukunft des Fachbereichs" gegeben, räumte Zeidler ein. Beide Seiten hätten sich daher darauf verständigt, künftig getrennte Wege zu gehen. Fischer übernahm die Chefarztstelle 2008 von Thorolf Hager, der sich nach 25 Jahren in den Ruhestand verabschiedet hatte.
Dem derzeit kursierenden Gerücht, dem Chefarzt der Notaufnahme sei gekündigt worden, widerspricht der Klinik-Pressesprecher: "Das stimmt nicht. Vielleicht wird es in dem Bereich Umstrukturierungen geben, aber dazu kann ich noch nichts sagen."

Derzeit übe der Chefarzt die Stelle nach wie vor aus. Zwischen den Zeilen klingt das aber dann doch, als ob aus einem Gerücht schnell auch Realität werden kann.

Ohnehin scheinen die Worte Um- beziehungsweise Restrukturierung an der Frankenwaldklink momentan ziemlich beliebt zu sein. Denn nach dem Weggang von Mönkemüller soll die Gastroenterologie - die bereits mit der Kardiologie zusammengefasst wurde - nun der Allgemeinchirurgie angegliedert werden. "Durch die noch engere Zusammenarbeit von Internisten und Chirurgen wollen wir die Patientenversorgung in der Region unter sich verändernden Bedingungen sicherstellen", erklärt Zeidler.


"Das ist doch Schwachsinn"

Dies komme vor allem den Patienten zugute, wenn Ärzte beider Fachrichtungen beispielsweise die Diagnostik und Therapie bei Darmkrebserkrankungen und generell bei Erkrankungen im Bauchraum vornehmen. Was die Gastroenterologen machen, würden zum Teil auch die Chirurgen erledigen können. "Etwa die Entfernung von Darmpolypen", sagt Zeidler. Beide Bereiche hätten bisher schon eng zusammengearbeitet, dieser Austausch solle nun intensiviert werden.

"Das ist doch Schwachsinn", echauffiert sich ein Klinik-Insider, der gerne anonym bleiben möchte. Sein Name ist der Redaktion jedoch bekannt. Die Frankenwaldklinik breche die Gastroenterologie auf ein diagnostisches Umfeld für die Chirurgie herunter. "Aber das ist so nicht. Beide Bereiche haben nicht viel miteinander zu tun." Er verweist auf die umliegenden Krankenhäuser, bei denen Chirurgie und Gastroenterologie jeweils zwei unabhängige Abteilungen sind.

Die Zusammenlegung sei entweder eine Verzweiflungstat der Klinik oder mit ihr solle schlicht Geld gespart werden: "Es heißt immer, es ist eine Verbesserung für die Patienten, aber es wird eigentlich immer schlimmer." Medizinische Basisuntersuchungen wie bei Leberreizungen oder Magenblutungen könnten nicht einfach von Chirurgen durchgeführt werden. Da Mönkemüller nur an drei Tagen die Woche gearbeitet habe, sei es schon zuletzt so gewesen, dass etwa Untersuchungen bei Magenblutungen an bestimmten Tagen nicht mehr durchgeführt werden konnten. Die Patienten hätten dafür in andere Krankenhäuser gemusst.


Nachfolgesuche läuft

Dass die Qualität leidet, sieht die Klinik freilich nicht so. "Kein Patient muss die Sorge haben, nicht mehr chirurgisch behandelt werden zu können", betont Zeidler. "Es steht auch weiterhin sehr qualifiziertes Personal zur Verfügung." Mit Frank Rainer Schlund gebe es zudem im Medizinischen Versorgungszentrum Kronach (MVZ) für die ambulanten Patienten einen erfahrener Gastroenterologen. Gespräche mit möglichen Nachfolgern für Mönkemüller würden bereits geführt.

Da die beiden Abteilungen zusammengelegt werden sollen, wird die Stelle aber wohl nicht eins zu eins besetzt. "Wahrscheinlich wird sein Nachfolger als Leitender Oberarzt eingestellt", so Zeidler.

Die Allgemeinchirurgie soll hingegen einen neuen Chefarzt erhalten - der dann vermutlich auch die Gastroenterologie führen wird.