Zwei Sitzungen, eine Pressemitteilung, keine Antworten, viele Fragezeichen - so könnte man den Stand der Diskussion um die FOS am Rennsteig aus journalistischer Sicht zusammenfassen.

In unserer Ausgabe vom Donnerstag hatte unsere Mitarbeiterin Veronika Schadeck ausführlich darüber berichtet, dass der Standort Ludwigsstadt und das Konzept der Bildungseinrichtung auf dem Prüfstand stehen. Hintergrund der Berichterstattung war, dass für Montagabend eine nichtöffentliche Sitzung im Kronacher Landratsamt anberaumt war, in der alle Beteiligten für Klarheit sorgen wollten, wie der weitere Weg der FOS am Rennsteig aussehen soll beziehungsweise kann. Geheimnisse, was zu besprechen war, gab es eigentlich nicht mehr. Der Standort Ludwigsstadt steht in Frage, die momentan niedrigen Anmeldezahlen bieten Gesprächsstoff, andererseits weckt die heuer in Aussicht stehende staatliche Anerkennung Hoffnungen. Es gibt also einiges zu tun, aber es ist auch nicht alles so schlecht, wie es die Medien - wenigstens nach Meinung einzelner Beteiligter - angeblich darstellen.

Was ergab nun die auch auf der Homepage der FOS am Rennsteig groß angekündigte Besprechung? Nichts!? Zumindest offenbar nichts, was die Beteiligten der Öffentlichkeit als Zwischenstand an die Hand geben konnten - oder wollten.


Dünne Informationen

"Auf Einladung und unter der Leitung von Landrat Klaus Löffler fand am gestrigen Montag im Landratsamt ein gemeinsames Gespräch aller Verantwortlichen zum Thema FOS am Rennsteig - Ist-Stand und Perspektiven - statt", hieß es am Dienstag in einer Presseerklärung aus dem Landratsamt. "Neben den Vertretern der Stiftung Sabel Schulen, den Mitgliedern der Projektgruppe und MdL Jürgen Baumgärtner waren auch die Fraktionsvorsitzenden aus dem Kreistag Kronach vertreten. Ergebnisoffen wurde ein weiteres Treffen für Montag, 6. März 2017, vereinbart." Mehr Informationen gab es nicht.

Aus den Reihen der Diskussionsbeteiligten war von einer Einigung auf Stillschweigen über die etwa dreistündige Sitzung zu hören. "Wir haben vereinbart, dass das über das Landratsamt gemacht wird", stellte der Ludwigsstädter Bürgermeister und Projektleiter Timo Ehrhardt (SPD) am Dienstag auf unsere Nachfrage fest, woher die Informationen kommen sollen. Es werde keinen weiteren Kommentar von ihm zur Besprechung am Montagabend geben.

Ins gleiche Horn stieß SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Rauh. "Ich sage nichts über ungelegte Eier", betonte er, keine Ansatzpunkte für Rückschlüsse auf die Diskussion liefern zu wollen. MdL Baumgärtner (CSU) zeigte sich zwar nicht glücklich über den (kaum vorhandenen) Inhalt der Pressemitteilung, wollte aber ebenfalls nicht über die Köpfe der anderen hinweg Stellung beziehen. "Ich bin nicht der Herr des Verfahrens", erklärte er.
Stellungnahmen - auch ganz wertneutral -, welche Themen, Ideen oder Forderungen überhaupt besprochen wurden, gibt es also nicht. Ebenso wenig eine Antwort darauf, was eine zweite Sitzung im März erforderlich macht oder worauf sie konkret abzielt. "Ich will nichts dazu sagen", stellte Ehrhardt auch hierzu fest.


Ein Stochern im Nebel

Somit kann nur gemutmaßt werden, dass ein klares Konzept für die FOS am Rennsteig schwieriger zu erarbeiten ist, als es sich manch ein Beteiligter vorab vielleicht vorgestellt hatte. Gleichzeitig lässt der zweite Sitzungstermin und ein Lesen zwischen den Zeilen jedoch vermuten, dass das Projekt noch nicht gestorben ist. Sonst würden sich die Beteiligten wohl nicht die Mühe machen, noch einmal im großen Kreis eine vermutlich mehrstündige Zusammenkunft auf die Beine zu stellen.



Chronik der FOS

Dank der Bereitstellung eines Startkapitals in Höhe von 400 000 Euro durch die Unternehmer Carl-August Heinz und Nikolaus Wiegand sowie der Bereitschaft des Landkreises, die FOS mit 300 000 Euro zu unterstützen, fiel zum Schuljahr 2012/13 der Startschuss für die Private Fachoberschule am Rennsteig.

Die staatliche Anerkennung wurde in Aussicht gestellt, wenn zuvor in zwei aufeinander folgenden Jahren zwei Drittel der Schüler das Fachabitur erreichen. Turbulenzen gab es, als 2014 dieses Ziel verpasst wurde. 2016 glückte es. Sollte 2017 der gleiche Erfolg erzielt werden, würde die Schule die staatliche Anerkennung erhalten. vs



Kommentar von Marco Meißner


Wenn eine Mitteilung nichts mitteilt


Die Spannung war groß, mit der in der Redaktion auf die angekündigte Stellungnahme zur FOS gewartet wurde. Die Ernüchterung war noch größer. Am Dienstagmorgen trudelte die E-Mail ein. Magere acht Zeilen Text. Eine Pressemitteilung, die nichts mitteilte.

Die Gesprächsteilnehmer hatten sich auf diese Vorgehensweise geeinigt. Doch warum? Genau diese Frage ist das Problem, das diese Mail erst hervorruft. Wollte man sich mit den (eventuell unbefriedigenden) Ergebnissen der Aussprache oder Konflikten zwischen den Beteiligten nicht zu weit aus dem Fenster lehnen? Sollte den Medien nicht zu viel Futter gegeben werden - oder in diesem Fall gar keines? Und sollte der Ball in der Öffentlichkeit flach gehalten werden? Alles spekulative Überlegungen. Doch genau die ruft das gezeigte Vorgehen hervor.

Eine sachliche Information bleibt aus, obwohl die Bürger und Medien von der Besprechung wussten. Da beginnt die Gerüchteküche zu brodeln. Die Journalisten werden an der kurzen Leine gehalten, aber eben das fordert sie heraus, einem Thema nachzugehen und eventuell Spekulationen anzustellen. Dabei sollte doch gerade bei einem sensiblen Thema wie der FOS einem Stochern im Nebel vorgebaut werden. Am besten hätten die Gesprächsteilnehmer das wohl erreicht, wenn sie offen und ohne Polemik zu Sachfragen Stellung genommen hätten. Doch möglicherweise ist diese These aus ihrer Sicht auch nur eine Spekulation von Journalisten.