Im Wald bei Häusles findet man einen Stein mit einem eingemeißelten Kreuz und dem eigentümlichen Namen "Wolf die Mad". Dieser Stein stand im Mittelpunkt einer Tour, die der Heimatpflege-Verein Gehülz/Seelach/Ziegelerden und die Nordic-Walking-Abteilung des TVE Gehülz im Rahmen des Landkreisprogramms zum Denkmaltag von Gehülz-Zollbrunn aus durchführten. An vier Stationen bot Bernd Graf interessante Informationen rund um "Wolf die Mad" und das Verhältnis von Mensch und Wolf.

In Bezug auf den Stein bei Häusles schrieb bereits der Heimatforscher Emil Herold in der Zeitung "Bayerische Ostmark" vom 28. Februar 1936: "Wir haben etwas sehr Seltenes entdeckt". "Wolf die Mad" heißt auch eine in leicht variierenden Fassungen vorkommende Sage, deren Kern sich so zusammenfassen lässt: Eine Magd oder ein Mädchen aus der Nähe von Schmölz besucht eine Spinn- oder Lichterstube in Häusles. Unterwegs wird sie von einem Wolf angefallen und zerrissen. In Erinnerung an den furchtbaren Tod der Magd bzw. des Mädchens wird der Gedenkstein gesetzt.

Der jetzige "Wolf-die-Mad"-Stein hatte einen mit mehreren Motiven gestalteten Vorgänger: Unter anderem sollen darin ein Fuß und eine Hand eingemeißelt gewesen sein, die im Allgemeinen als das gedeutet wurden, was der Wolf von seinem Opfer übrig gelassen hatte.

Doch taucht in der Literatur auch eine andere Erklärung auf: Bei dem alten Stein könnte es sich um einen Forst- und Jagdstein für den landesherrlichen Forstbann gehandelt haben, auf dem Hand und Fuß für die angedrohten Leibesstrafen bei Übertretung der Banngewalt standen.

Was steckt hinter der Sage "Wolf die Mad"? Nicht nur das Auftreten von Wölfen, sondern auch durch sie angerichtete Schäden sind für den fränkisch-thüringischen Raum die Jahrhunderte hindurch mehrfach bezeugt. Der Wald um Häusles, ehemals Eigentum des Zisterzienserinnenklosters Sonnefeld, war nach 1525 durch Säkularisation als Teil des gleichnamigen Klosteramts an den Landesherrn, den Kurfürsten von Sachsen, übergegangen. Vom historischen Kern der Sage zeugt ein Brief vom 22. Juli 1528, den Kurfürst Johannes der Beständige an den Coburger Steuererheber Arnold von Falkenstein schrieb. Darin war die Rede von Unglücksfällen, denen unter anderem ein Mädchen zum Opfer gefallen war. Es war aber nicht von wilden Tieren, etwa Wölfen, zerrissen worden, sondern in eine Wildgrube gestürzt und darin elendiglich ertrunken. Der Herzog ordnete an, für die Einebnung oder Sicherung der Wolfsgruben zu sorgen. In der Welt der Sagen sei es schöner, "ein Mägdlein von dem bösen Wolf auffressen, als prosaisch in einer Wolfsgrube ertrinken zu lassen", merkte Emil Herold 1936 an.

Warum der Wolf in Mitteleuropa - zugespitzt formuliert - von einem verehrten und vergötterten zu einem verfluchten und verteufelten Lebewesen wurde, wurde bei der Denkmaltags-Tour ebenfalls thematisiert.