Die Erfassung und Verwertung von Bioabfall stand im Mittelpunkt einer Informationsfahrt der Mitglieder des Umweltausschusses. Schon in der nächsten Sitzung Ende Mai muss das Gremium eine Entscheidung über das weitere Vorgehen in Sachen Biomüll treffen.


Gesetzgeber fordert getrennte Sammlung


Hintergrund der Diskussion ist die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, wonach grundsätzlich ab 2015 eine getrennte Sammlung von Bioabfällen vorzusehen ist. Der Gesetzgeber hat aber nicht klar geregelt, ob dafür zwingend die Biotonne im Holsystem eingeführt werden muss oder ob eine Anlieferung am Wertstoffhof im Bringsystem genügen würde.

Erstes Ziel war die Kompostieranlage in Katschenreuth im Landkreis Kulmbach. Sachgebietsleiter Günter Söllner und Abfallberater Detlef Zenk erläuterten die Bioabfallerfassung und -verwertung im Nachbarlandkreis. 1993 hatte der Kreistag Kulmbach grünes Licht für die flächendeckende Einführung der Biotonne gegeben.

Mittlerweile sind mehr als ein Drittel aller Haushalte an das Sammelsystem angeschlossen, die restlichen haben sich dazu verpflichtet, den Bioabfall auf dem eigenen Grundstück zu kompostieren. Über die Biotonnen werden in Kulmbach jährlich etwa 3000 Tonnen erfasst, auf zwei Kompostierungsanlagen verarbeitet und letztendlich dem Stoffkreislauf wieder zugeführt.


Hochwertiger Kompost entsteht


Heike Gunsenheimer, Betreiberin der Kompostieranlage Katschenreuth, erklärte die erforderlichen Arbeitsschritte, die zur Erzeugung eines hochwertigen Kompostes notwendig sind. Der angelieferte, feuchte Bioabfall wird unter Beimischung von gehäckselten Gartenabfällen zu Mieten aufgesetzt. Das tägliche Umsetzen der Miete während der Phase der Heißrotte gewährleistet eine für den Kompostierverlauf optimale Versorgung mit Sauerstoff. Krankheitskeime und Unkrautsamen werden unschädlich gemacht. Nach etwa zwölf Wochen ist dann ein Reifekompost entstanden, der nach der Absiebung als wertvoller Bodenverbesserer Verwendung findet.

Das Bioenergiezentrum in Rehau war die zweite Station des Ausschusses. Eric Priller erläuterte die Entwicklung des Konzepts für die Vergärung von Gerbereinebenprodukten. Aus Biomüll werde Biogas gewonnen. Zwei Anlagen seien in Betrieb und würden verschiedene Abnehmer im Stadtgebiet mit Biogas versorgen. In Blockheizkraftwerken werde damit gezielt Wärme und Strom erzeugt.


Aus Abfall wird Biogas erzeugt


Reinhard Dietel, Geschäftsführer der Bioverwertung Hochfranken GmbH, erklärte den Mitgliedern des Kreisgremiums bei einer Betriebsführung die Funktionsweise der Biogasanlage.

In der abschließenden Diskussion standen die verschiedenen Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung einer Bioabfallerfassung im Landkreis Kronach im Mittelpunkt. Die Ziele, die sich die Mitglieder des Abfallwirtschafts- und Umweltausschuss gesetzt haben, sind sehr hoch: das System soll bürgernah und bürgerfreundlich sein, ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar, aber auch die Vermeidung von Bioabfällen und ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln sollen eine zentrale Rolle spielen.