"Wo bist du? Kannst Du mir nicht sagen, wo du bist? Denn ehrlich gesagt, manchmal seh' ich dich nicht. Ich wach schon mal am Morgen auf und bin mir nicht mal sicher, ob und wenn ja, was ich überhaupt noch glaub." Es waren ungewöhnliche "Töne", die der Chor Spirit Voices am Sonntagabend in seinem neu einstudierte gleichnamigen Lied "Wo bist du, Gott?" anschlug.
Geradezu "anklagende" Worte, die man nicht unbedingt bei einem vorweihnachtlichen, kostenlosen Konzert erwarten würde - und doch so "verständlich", angesichts der aktuellen Weltlage: "Wo bist du an geschlossenen Grenzen, wo Menschen vor Kämpfen fliehen und in Wellen der Ablehnung ertrinken. Du sagst, du bist der gute Hirte - bist du dann da in Krisenherden und Kriegsgebieten. Wo bist du zwischen Granaten und Landminen und in dem Land mit Minen, in denen Kinderhände unseren Luxus garantieren. Wo bist Du?"


Musikalisches Bekenntnis

Wo immer die Spirit Voices auftreten, berühren sie die Menschen mit ihrer Musik, die sich auf das Wesentliche konzentriert, die keine Requisiten, keine Lichtershow braucht! Das Konzert am Sonntag war ein musikalisches Glaubensbekenntnis in allen Facetten, auf das sich das Publikum gerne einließ. Dieses war bereit, sich selbst und die Musik und alles um sich herum zu spüren. Wie gebannt hörten die rund 300 Gäste in der Pfarrkirche den bekannten, teilweise neu arrangierten Liedern zu, aber auch den neuen Stücken, die die Sängerinnen und Sänger mit der Chorleitung - Andrea Hart und Georg Kestel - einstudiert hatten. Mit wunderbaren Liedern betätigte sich der Chor - inklusive seiner großartigen Solisten Diana Löffler, Monika Urban, Andrea Hart und Georg Kestel - einmal mehr als Seelenstreichler, aber auch als Stimmungsmacher. Der musikalische Reigen reichte vom nachdenklich-melancholischen Lied bis zum flotten Mitklatsch-Song.
Es erklangen sehr stimmungsvoll zusammengestellte Lieder zu den großen Menschenthemen Glaube, Hoffnung und Liebe - wie "Komm herein", "Mensch - wo bist du", "Wo bist du, Gott?", "A spaceman came travelling" (Chris de Burgh), "When a child is born", "Ich glaube" (Udo Jürgens), "Halleluja" (Leonard Cohen mit deutschem Text), das gälische Volkslied "Amazing grace", "Ein Licht in dir geborgen", "Gott macht sich ganz klein", "A star is shining tonight", "Menschen auf dem Weg", "Frieden in der Welt" oder auch "Shining light". Abgerundet wurde das tief berührende Programm durch Gospels wie "Amen", "Go tell it to the mountain" oder "Good news". Zwischen den Stücken brachten sich die Mitglieder immer wieder mit tiefgehenden Texten zu den großen Fragen unserer Zeit ein und griffen das Thema des Abends in Geschichten und Gedanken auf.
Der Chor, der heuer sein 25.  Jubiläum feiern konnte, traf dabei auf offene Augen und Herzen seiner Zuhörer, die die stimmige Musik förmlich in sich aufsaugten. Lieder mit Herz und Seele, originalgetreu und trotzdem mit ganz eigener Note! Lieder, die Emotionen wecken und von Kraft und Hoffnung zeugen. Lieder, die - gerade in unserer jetzigen Zeit mit so viel Leid und Tränen - auch einmal "unbequem" sein dürfen, die zweifeln, anklagen dürfen - so wie eben auch "Wo bist du, Gott?" - Eine Frage, die nicht stehen bleibt, sondern die Sehnsucht im Advent aufgreift.