"Spannend", "voll cool", "witzig". Solche "Superlative" hört man von Schülern nach Autorenlesungen nicht oft. Solche Veranstaltungen können bisweilen tatsächlich eine etwas steife Angelegenheit sein: Einer liest vor, alle anderen hören zu. Doch bei Thilo ist alles ein wenig anders.

Thilo reibt sich die Hände, stößt einen markerschütternden "Wickinger-Schrei" aus und schaut erst einmal in reichlich verblüffte Kindergesichter. "Keine Angst, ich bin ganz friedlich", besänftigt er die Kinder und setzt sich frech auf das Pult in der Aula.

Thilo hat in seiner Tasche einen echten Schatz - sein Buch "Wickie auf großer Fahrt". Warum es sein ganz persönlicher Schatz ist, verrät er erst später, jetzt ist zunächst "Wickie-Zeit" angesagt. Er lässt die Beine baumeln und steigt ohne langes "Blabla" sofort in die Geschichte ein: "Der Morgen graut. Etwas Schreckliches stand bevor ..."

Ein Buch aufschlagen und monoton vorlesen? So etwas gibt es bei Thilo (eigentlich Thilo Petry-Lassak) nicht. Der derzeit durch die Region tourende Schriftsteller hält jährlich rund 200 Lesungen, darunter viele in Schulen. Damit ist er ein echter Profi - aber "auswendig gelernt" oder "emotionslos" hört sich das bei ihm nicht an.

Im Gegenteil: Seine Lesungen in Wilhelmsthal waren witzig, kurzweilig - gespickt mit viel Humor und Spontanität sowie gekonnt eingesetzter Mimik und Gestik. Das Buch zum Film "Wickie und die starken Männer" ist sein bisher größter Erfolg. Es geht darin um den kleinen Wickie, der endlich ein richtiger Wikinger werden soll.

"Ohren ausschütteln"

Zwischen den einzelnen Szenen machte Thilo immer wieder Pausen - einerseits "zum Ohren ausschütteln, damit die alten Sätze rausfallen", andererseits um von seiner Arbeit als Schriftsteller zu berichten.

Bei seinem Buch "Wickie auf großer Fahrt" sei es anders als sonst gewesen. Sein Freund - ein Filmemacher - wollte den ursprünglichen Zeichentrickfilm als Film mit echten Menschen drehen. Hierfür benötigte er ein Drehbuch, das Thilo schließlich schrieb. "Ich habe mir die Geschichte vorgestellt und sie dann aufgeschrieben", erzählte Thilo.

Zwei Wochen vor der Premiere habe der Filmemacher das größte Kino in ganz München gemietet und seine ganzen Freunde eingeladen - lauter Promis, darunter auch Jonas Hämmerle, der den Wickie spielt. "Er hat mir ein Autogramm in mein Buch gegeben, deswegen ist es jetzt für mich ein Schatz", erklärte Thilo, der mit seiner Frau und vier Kindern in Mainz wohnt.

Mit dem Schreiben fing er vor zwölf Jahren an, davor war er "rasender Reporter". Bis jetzt hat er 150 Bücher geschrieben. Für ein Buch braucht er vier Wochen. Zwei Wochen lang denkt er über den Inhalt nach. Wenn er dann den Anfang, die Mitte und das Ende im Kopf hat, müsse er es nur noch aufschreiben.

Thilo ist nicht nur einer der bekanntesten, sondern sicher auch einer der fleißigsten Kinderbuchautoren des Landes. Seit 2003 ist im Schnitt ein Buch pro Monat von ihm erschienen. Als Drehbuchautor schrieb er im gleichen Zeitraum 30 Folgen "Schloss Einstein", 35 Folgen "1, 2 oder 3", 20 Folgen "Sesamstraße", drei Zeichentrickfilme für "Bibi Blocksberg" und zwei Folgen für "Siebenstein".

Am Ende waren die Schüler restlos begeistert von der ungewöhnlichen Lesestunde. Da bei Thilo alles ein wenig anders ist, klatschten sie nicht nur in die Hände, sondern durften sie fest auf den Boden stapfen - genauso wie echte Wikinger.

Eva bekommt Tipps vom Profi

Eva Wagner ist eine richtige Leseratte und hat "natürlich" auch ein Buch von Thilo zuhause. Das Schreiben von selbst erdachten Geschichten ist eines ihrer Hobbies. Im Religionsunterricht hätten sie die Legenden von der Heiligen Barbara und der Heiligen Lucia gehört, erzählt sie. Das habe ihr so gut gefallen, dass sie darüber schrieb.

"Außerdem schreibe ich an einer Geschichte, die Schlosswolf heißt. Es ist eine Geschichte für Kinder, in der es um einen Prinzen und einen Wolf geht. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht", sagt die Siebenjährige und verrät, dass sie später vielleicht auch einmal Autorin werden möchte.

Deutsch ist eines ihrer Lieblingsfächer. Sie mag aber auch Mathematik sehr. Die Lesung hat ihr auch deshalb so gut gefallen, weil Thilo so viel über seine Arbeit und sich als Schriftsteller erzählt hat.