Ende Juli beginnen in Bayern die Sommerferien. Für die Schüler verheißt dies sechs Wochen ohne Stress und Verpflichtung. Doch was fängt man mit der Freizeit an? Viele Schüler und auch Studenten machen einen Ferienjob, um sich ein wenig Taschengeld dazuzuverdienen.

Nancy Gruß und Isabelle Hein kommen aus dem benachbarten Thüringen, wo bereits Ferien sind. Beide verdienen sich derzeit bei der Firma Rösler Ceramtec in Schauberg einige Euro hinzu. Für die beiden 15-Jährigen, die für zwei beziehungsweise drei Wochen Verpackungs- und Sortierarbeiten übernehmen, ist es eine ungewohnte Situation, von früh am Morgen bis zum Nachmittag in der Fabrik zu stehen - und draußen scheint auch noch die Sonne. Und dennoch gewinnen sie dem Ganzen Positives ab: "Ich sammele neue Erfahrungen und gewinne einen Einblick ins Arbeitsleben", erklärt Isabelle Hein. Sie vertritt die Auffassung, dass es nicht verkehrt sei, sich als Schülerin um einen Ferienjob zu bemühen. "Man lernt neue Menschen kennen, knüpft Kontakte zu einem Betrieb und verdient etwas Geld", betont sie und freut sich darauf, sich für ihr verdientes Geld vielleicht auch einmal etwas Außergewöhnliches leisten zu können.

Aber wie kommt man an einen Ferienjob? "Am wichtigsten ist die Eigeninitiative. Hilfe bei ihrer Suche finden die Jugendlichen auf unserer Internetseite bei der Jobbörse", erklärt Hermann Zeis, Sprecher der Agentur für Arbeit. Dort können sich sowohl Jobinteressierte als auch Firmen registrieren lassen. Auch im Bekannten- sowie Freundeskreis könnten sich die Schüler informieren, weil Ferienjobs oft unter der Hand vergeben würden. "Studenten arbeiten häufig in der Gastronomie. Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass Briefzusteller gefragt sind. Dabei ist ein gutes Gedächtnis durchaus von Vorteil", fügt Zeis hinzu.

Unterschiedliche Altersgrenzen
Auch die Firma Wiegand-Glas in Steinbach am Wald sucht in der Jobbörse eine Hilfskraft als Sortierer und Verpacker. Die Unternehmensgruppe Heinz-Glas in Kleintettau beschäftigt die Leute ebenfalls in dem Bereich. "Bei der Nachsortierung können Schüler ab 16 Jahren eingestellt werden, da dort nur Frühschicht gearbeitet wird. Im Schichtsystem hingegen liegt die Altersgrenze bei 18", berichtet Nadja Zipfel, Mitarbeiterin in der Personalabteilung bei Heinz-Glas.

Matthias Fröba, Personalchef von Wiegand-Glas, ergänzt: "Die Bandbreite reicht über sämtliche Helfertätigkeiten - von Rasenmähen, Kasteneinstellen bis hin zu Saubermachen ist alles dabei." Jedoch werden Schüler unter 15 Jahren nicht beschäftigt. "Drei- bis fünfwöchige Aufenthalte sind bei uns die Regel, wobei manche Jugendliche regelmäßig wiederkommen", erklärt Fröba.

Die Beliebtheit des Unternehmens spiegelt sich in den 15 bis 20 Ferienarbeitern pro Jahr, meist während der Sommermonate, wider. Bei Heinz-Glas werden zu dieser Jahreszeit ebenfalls gerne Interessenten angenommen. "Dieses Jahr gibt es sogar noch freie Stellen, für die lediglich eine schriftliche Bewerbung an die Personalleiterin Elke Zipfel nötig ist", erzählt Nadja Zipfel.

Der Keramikhersteller Rauschert in Steinbach am Wald beschäftigt die Ferienarbeiter vor allem in der Produktion - dies ungern für weniger als vier Wochen. Der Betriebsleiter merkt an: "Allerdings müssen die Schüler oder Studenten mindestens 16 Jahre alt sein, da sie Maschinen bedienen." Eine schriftliche Bewerbung an die Firma reiche aus.

Die Lage im Handwerk
Was ist mit Malern, Bäckern oder Friseuren? Ist ein Ferienjob im Handwerk überhaupt möglich? "Bei den meisten schon. Beim Handwerk schnuppern die jungen Leute in den Beruf hinein und begleiten die Arbeiter bei Kundenbesuchen", erklärt Kreishandwerksmeister Heinrich Schneider. Bei ihm helfen die Ferienarbeiter beim Hobeln oder Sägen, wobei es sich in der Regel um motivierte Leute handele. "Jedoch sehen manche Jugendliche die Arbeit im Betrieb nur als Pflichtaufgabe. Die Schuld dafür liegt häufig in nicht-intakten Elternhäusern", so Heinrich Schneider. Zur Kronacher Schützenfestzeit gebe es nur wenig Ferienarbeiter. Das Freischießen bietet jedoch viele Möglichkeiten, um sich etwas Geld nebenbei zu verdienen.

Thomas Kaiser von der Brauerei Kaiserhof sagt: "Wir erhalten ab Anfang Juli oder während des Schützenfests Bewerbungen für den Posten als Bedienung. Meist handelt es sich dabei um Studenten, da die Arbeiter 18 Jahre alt sein müssen, weil sie schwere Maßkrüge schleppen müssen."

Auch Robert Bayerkuhnlein von der Metzgerei Höring beschäftigt während des Freischießens Ferienarbeiter. "In der Regel wechseln wir die Beschäftigten vom Vorjahr nicht aus. Wenn bei den über 35 Arbeitern einer ausfällt, muss natürlich jemand Neues her." Kontaktieren könne man ihn telefonisch oder auf Facebook. "Zu den Aufgabenfeldern gehören der Verkauf, das Braten von Steaks und Bratwürsten, das Aufschneiden von Semmeln, das Auffüllen von Ketchup oder Senf sowie das Aufstreichen von Kräuterbutter." Die Einsatzzeit variiert, wobei manche Ferienarbeiter nur wenige Tage dabei sind.

Mindestlohn
Ab Januar 2015 wird in Deutschland der gesetzlich festgelegte Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt. Ausgenommen sind Jugendliche unter 18 Jahren sowie Praktikanten, die ein Praktikum von bis zu drei Monaten absolvieren. Heinrich Schneider fordert, dass diese Mindestlohn-Altersgrenze für das Handwerk auf 23 oder 25 Jahre hoch gesetzt wird, weil ein Mindestlohn von 8,50 Euro für Ferienarbeiter im Handwerk nicht zu bezahlen sei.