"Die Feuchtwiesen und Auwälder entlang der Flüsse Steinach, Föritz und Rodach bieten seltenen und geschützten Arten einen optimalen Lebensraum", schwärmte Herbert Rebhan von der Regierung von Oberfranken am Mittwoch von den rund 600 Hektar fast unberührter Natur. Dieses Band an den Ufern der Gewässer zwischen Fürth am Berg (Stadt Neustadt bei Coburg) und Marktzeuln (Kreis Lichtenfels) soll bestmöglich für die Nachwelt erhalten werden - als europäisches Naturerbe.

Deshalb übergab Herbert Rebhan, Leiter des Sachgebiets Naturschutz an der Regierung, dicke Leitz-Ordner mit einem Managementplan an die Bürgermeister und Landräte der Kommunen im Bereich der drei Flüsse. Darin sind Maßnahmen beschrieben, um dieses "Natura-2000-Gebiet" in seinem guten Zustand zu erhalten.

Im Managementplan würden Schutzgebiete kartiert und Verbesserungsvorschläge gemacht, informierte Rebhan. Die wertvollen Lebensräume des Steinachtals zwischen dem Grünen Band der Landesgrenze nach Thüringen und der Mündung der Steinach in die Rodach bei Redwitz seien dokumentiert worden. Außerdem der direkt anschließende Bereich der Rodach bis nach Marktzeuln. Auch der Föritzgrund von der Landesgrenze bis nach Neundorf bei Mitwitz sei Bestandteil des Natura-2000-Gebiets. "Das Gebiet stellt somit ein relativ breites, langgestrecktes, weitgehend offenes Flusstalsystem dar, das zum südlich gelegenen Obermaintal entwässert", informierte Rebhan. Eine Hauptaufgabe bestehe darin, die blütenreichen Auwiesen zu erhalten. Zudem würden auch für bedrohte Vogelarten bedeutende Lebens- und Rückzugsräume geboten.

Aber auch der Auwald mit einer Größe von 84 Hektar im benannten Bereich stelle eine Vernetzungsachse dar, merkte Klaus Stangl, der das Kartierteam Wald leitete, an. Es gebe viele Galeriewälder entlang der Flüsse. "Wir haben eine der Perlen in Oberfranken hier", lobte Stangl. Die Auwälder gehörten zu den hochwertigsten in Oberfranken. Man habe ein hohes Maß an Biotopbäumen gefunden, doch es fehle etwas das Totholz.


Wissenswertes zu Natura 2000

Ziel Das Biotopverbundsystem soll dazu beitragen, den drastischen Rückgang der Artenvielfalt zu bremsen. Selten gewordene Lebensräume und gefährdete Tier- und Pflanzenarten sollen damit geschützt werden.

Fläche In Europa gibt es rund 25 000 Gebiete, die zusammen so groß wie Frankreich und Deutschland sind. 7,2 Prozent der Fläche des Bezirks Oberfranken mit 114 FFH-Gebieten und zehn Vogelschutzgebieten sind gemeldet. Bayernweit sind es 745 Gebiete, die 11,4 Prozent der Landesfläche entsprechen.

Gebiete Mit dem neuesten Plan für die Strecke Fürth am Berg bis Marktzeuln liegen für 70 Natura-2000-Gebiete in Oberfranken Managementpläne vor. Die Grundeigentümer haben damit mehr Planungssicherheit, sind aber nicht zur Umsetzung der darin beschriebenen Maßnahmen verpflichtet.

Verbot Unabhängig vom Managementplan gilt in Natura-2000-Gebieten ein gesetzliches Verschlechterungsverbot. Das heißt, es ist alles verboten, was zu einer erheblichen Verschlechterung führt. Dazu muss jeder Einzelfall beurteilt werden. Hierzu, wie auch zu den Förderprogrammen, beraten die Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter sowie der Natura-2000-Sachbearbeiter am Amt für Landwirtschaft.