Sie fühlen sich wohl in ihrer neuen Heimat, sie fühlen sich verstanden und angenommen und sie haben schon viele Freundschaften geschlossen. Die Rede ist von den Flüchtlingen, die in Wallenfels eine Wohnung gefunden und sich bereits teilweise in das örtliche Leben integriert haben. Jankiz Abdo aus Syrien ist mit seiner Familie vor acht Monaten in die Stadt gekommen. Eine fremde Stadt, fremde Menschen und eine fremde Kultur. Es war nicht leicht für ihn, seine Frau Nassren sowie die beiden Kinder. "Aber man hat uns gleich gut aufgenommen, wir haben viel Hilfe erfahren - vor allem von den Frauen des Helferkreises", sagt Jankiz Abdo.

Integration wurde von Anfang an groß geschrieben. Und so tanzt seine Tochter Amal mittlerweile bei der kleinen Garde und Sohn Mohammad spielt Fußball. All die Hilfe, die die Familie erfahren hat, gibt sie nun an Neuankömmlinge weiter, sprachlich und materiell: Hilfe bei Arztbesuchen, Behördengängen usw. Für Jankiz Abdo war nur die Wartezeit bis zu einem Deutschkurs zu lange. "Fünf Monate mussten wir warten, bis es Kurse gab. Da war es eine große Chance, dass uns der Helferkreis so geholfen hat", betont der Syrer. Er möchte mit seiner Familie in Wallenfels bleiben, sich eine Arbeit suchen und hier eine Heimat finden. Nur als Schneider wie in Syrien findet er hier nichts. Doch dann mache er eben etwas anderes, sagt er. Er will arbeiten und mit seinem Engagement anderen helfen.


Aufeinander zugehen

So wie die Familie Abdo denken viele der 45 Migranten, die sich zurzeit in Wallenfels befinden. Erst in den vergangenen zehn Tagen kamen 22 weitere neu an . Aus Syrien, dem Irak, Pakistan und Albanien kommen die Menschen auf der Suche nach Frieden und einem Leben ohne Angst. 15 Kinder sind dabei im Alter von zwei bis 15 Jahren. Sie gehen in den Kindergarten und die Schulen, was die Integration fördert.

Hilfe erfahren die Menschen vom "Helferkreis für Migrantenintegration". Rund um den "harten Kern" mit Melissa Müller, Tina Müller-Gei, Christine Müller-Hümmrich, Christine Klotz-Widmayer und Hans-Jochen Vandrey arbeiten noch etliche Personen aktiv mit. Die Hilfe aus der Region sei sehr groß, berichtet Müller-Gei. Egal ob mit Geldspenden, Spenden von Möbeln, Kleidung oder Spiel- und Schulsachen. Jeder gebe, was er kann. "Wir haben hier in Wallenfels keine negativen Meinungen zu den Flüchtlingen und auch keine Schwierigkeiten mit ihnen", erklärt sie. Auch untereinander würden sich die Flüchtlinge, die schon länger in Wallenfels sind, helfen. Genauso wie denen, die die neu hinzukommen. Allen zusammen hilft wiederum der Helferkreis. Dass sich vor allem Frauen engagieren, sei jedoch kein Problem. "Wir wurden voll akzeptiert", sagt Melissa Müller, die seit Anfang an Deutschunterricht gibt.

Mit dem "Treffen der Kulturen" im Pfarrheim sollten nun weitere Verbindungen und Freundschaften aufgebaut werden. "Nur wenn wir aufeinander zugehen, werden wir eine Gemeinschaft" lautete das Motto. Und es war wirklich ein "Aufeinander zugehen" zu spüren. Alle Stühle waren voll besetzt, bunt gemischt mit Wallenfelsern und Migranten. In der Spielecke tummelten sich die einheimischen Kinder und die Flüchtlingskinder. Berührungsängste gab es keine. Das Gespräch miteinander suchen, manchmal mit "Händen und Füßen" reden, miteinander lachen und auch die eine oder andere Träne vergießen. So sollte Integration sein und so war es auch an diesem Nachmittag in Wallenfels.


"Wir brauchen euch alle"

Die syrischen Familien hatten viele Spezialitäten aus ihrer Heimat zubereitet, die deutschen Freunde Kaffee und Kuchen. Bürgermeister Jens Korn war sichtlich stolz auf den Helferkreis, der schon so viel bewegt hat. Diesem gelte seine ganze Anerkennung. Das ehrenamtliche Engagement - besonders des "harten Kerns" - gehe weit über das normale Maß hinaus.

Deshalb bat Korn darum, dass sich noch mehr Bürger für dieses Thema engagieren. "Wir brauchen euch alle, bringt eure Stärken mit ein", sagte der Bürgermeister. "Egal ob ihr bei Arztbesuchen, auf dem Amt oder für einen Fahrdienst zur Verfügung stehen könnt, es ist mit allem geholfen. Nur wenn wir alle zusammen helfen, können wir es auf die Dauer schaffen."

Auch Pater Jan Poja war gerne der Einladung gefolgt und begrüßte die Flüchtlinge im Namen der katholischen Christen. Er bat um Verständnis für die, die Schutz suchen und erinnerte daran, dass auch Jesus als kleines Kind Schutz in einem anderen Land suchen musste.

"Es war es vor allen Dingen auch wichtig, den Flüchtlingen auf nette Weise gleich von Anfang an zu sagen, wie es in unserer Kultur so ist, gerade beim Verhältnis von Mann und Frau", erklärte Elisabeth Westhäuser von der Diakonie Asylsozialberatung. Da sind so Sachen wie Badeanzug im Schwimmbad oder die Rechte der Frau in der Gesellschaft sehr wichtig.

Die Strukturen in der Gesellschaft erklären, Hilfe bei Busfahrten und vieles mehr musste am Anfang sein. "Die Menschen brauchen aber nicht nur ein Dach über den Kopf, sondern auch Verständnis, Menschlichkeit und Herzlichkeit und natürlich Hilfe zur Selbsthilfe", sagte Westhäuser. Damit auch alle die Worte der Redner verstehen konnten, übersetzte Haidar Flaih Hassan alles ins Arabische und so ernteten Jens Korn, Pater Jan und Elisabeth Westhäuser auch von Seiten der Flüchtlinge viel Applaus

Solche Treffen sollen auch in Zukunft stattfinden, denn immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland und damit auch in den Frankenwald und nach Wallenfels. Doch bei so viel Herzlichkeit, die sie hier von den Menschen erfahren, darf ihnen nicht bange sein. Und wenn jeder nur einen kleinen Schritt auf den anderen zugeht, dann können auch die größten Schwierigkeiten überwunden werden.


Kommentar von Susanne Deuerling:

Die Menschlichkeit darf nicht auf der Strecke bleiben

Warum schaffen kleine Orte die Integration von Flüchtlingen? Warum gibt es dort keine großen Probleme, die nicht zu lösen wären? Warum können diese Vorgehensweisen nicht richtungsweisend für die große Politik sein? Es nutzt nichts, nur Pläne zu machen.

Der Einzelne handelt unbürokratisch, er handelt aus seinem Gefühl heraus. Er sieht, wo die Not am Größten ist, wo schnell gehandelt werden muss. Wer würde nicht das Brot mit dem teilen, der nebenan steht und hungert? Wer würde nicht nach warmer Kleidung suchen, wenn das Kind auf der Straße friert? Diese Dinge werden gerade in kleinen Orten gelebt. Sie werden einfach gemacht, ohne viele Fragen zu stellen.

Natürlich muss alles seine Ordnung haben, es muss geprüft werden und dem Missbrauch und der Kriminalität ein Riegel vorgeschoben werden. Aber die Menschlichkeit darf dafür nicht auf der Strecke bleiben.
In Wallenfels wird diese Menschlichkeit, dieses Verständnis umgesetzt. Hier gibt es ein Miteinander, nicht ein Gegeneinander. Hier gibt es ein "Wir" und nicht nur ein "Geht mich nichts an". Deshalb kann die Initiative Vorbild für viele sein. Im Landkreis Kronach gibt es etliche solcher Helferkreise, die sich für die Menschen einsetzen, die Frieden und eine Heimat suchen. Helfen wir alle dabei mit, dass dieses Denken auch ganz nach oben durchdringt.