Hahn auf, Wasser an: Selbst an heißen Sommertagen läuft in Deutschland das Trinkwasser wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn ins Glas oder sorgt für eine erfrischende Dusche. Viele oberfränkischen Haushalte werden über die Trinkwassertalsperre Mauthaus, die gut 20 Kilometer nordöstlich von Kronach liegt, versorgt. In Rieblich wird das Trinkwasser von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) aufbereitet. Mit der ersten Wasserlieferung nach Bamberg 1975 wurde die Ködeltalsperre in Betrieb genommen.

Selbst nach einem Wochenende wie dem vergangenen herrscht in der Talsperre keine Wasserknappheit. Zum Wochenanfang lag der Wasserstand der Talsperre Mauthaus bei 444,22 Meter über Normalnull (NN). Dass das "überhaupt nicht" auffällig ist, bestätigt Matthias Schrepfermann, Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt. Exakt ein Jahr zuvor wäre der Pegel sogar um einige Meter niedriger gewesen, er lag im Juli 2013 bei 439,31 Meter.

Sogar im Rekordsommer 2003 war der Wasserstand nicht kritisch. Dafür ist der Puffer der Talsperre groß genug. Allerdings war es das zulaufschwächste Sommerhalbjahr - gemessen von 1. Mai bis 31. Oktober - in der Geschichte der Talsperre. "Nur 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser" flossen in diesen Monaten in die Talsperre Mauthaus. Entscheidender als trockene Sommer ist aber die kalte Jahreszeit: "Winterextreme schlagen stärker zu Buche", erklärt Schrepfermann.

Spitzenwerte erzielte der Jahrhundertsommer 2003 in Sachen Trinkwasseraufbereitung: An einem Tag im August 2003 wurden von Rieblich aus über 45 000 Kubikmeter Trinkwasser in die Leitungen des Versorgungsgebietes nach Kleintettau, Küps oder bis nach Bamberg eingespeist. Jetzt, am vergangenen Hitze-Wochenende, kamen die Werte nah an diese Zahl ran: 44 752 Kubikmeter Wasser wurden am Samstag aufbereitet. Nach Markus Rauh, Verbandsdirektor der FWO, waren das rund 30 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt.

Auch die Stromausfälle im Landkreis Kronach am Sonntag hielten den Trinkwasser-Aufbereitungsprozess nicht weiter auf, da die Anlage im Notfall von einem Schiffsmotor betrieben werden kann.

Michael Vokal ist seit sieben Jahren in der Trinkwasser-Aufbereitungsanlage in Rieblich beschäftigt. Als Standortleiter kann er sagen: "Das war schon überdurchschnittlich." Einen Mehr-Bedarf an Trinkwasser in Höhe von 30 Prozent hat er noch nicht erlebt. Dass Trinkwasser rar werden könnte, müssen Oberfranken aber selbst nach mehreren hitzigen Tagen nicht befürchten. In Rieblich könnten rund 62 000 Kubikmeter Wasser tatsächlich jeden Tag gefiltert werden - 72 000 Kubikmeter sogar theoretisch. Wasser genug, um auch autarke Versorger wie die Stadt Kronach zu unterstützen, wenn deren Quellen nicht mehr ausreichend viel hergeben würden.

Trinkwasserbedarf konstant

Ungefähr 20 Prozent des oberfränkischen Trinkwassers stellt die FWO: Zirka 80 Prozent liefert die Talsperre, den Rest decken der Zweckverband Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) um Nürnberg und die Stadtwerke Kulmbach ab. Städte wie Bamberg, Coburg, Bayreuth und Hof zählen zu den kommunalen Kunden. Bis das Wasser aus dem Hahn gut aussieht, riecht und selbstverständlich auch schmeckt, fließt es durch verschiedene Rohre und Becken.

Aus dem Entnahmeturm der Talsperre wird das sogenannte Rohwasser in die Aufbereitungsanlage abgelassen. Bereits in diesem Schritt wird das Wasser über Filter von Stoffen befreit, die größer als einen Zentimeter sind. In sechs weiteren Schritten - ein technisch und chemisch komplexes Verfahren, wie Markus Rauh sagt - wird es nach strengen Vorgaben zu "Trinkwasser".

Über ein knapp 500 Kilometer langes Fernleitungsnetz wird die Flüssigkeit, die wie selbstverständlich dafür sorgt, dass Waschmaschinen angeschlossen und Zähne geputzt werden können, zu den Kunden transportiert beziehungsweise von Einspeisungsstellen übernommen. Aufs Duschen verzichten müssten die Oberfranken aus Sparsamkeit nicht. Seit Jahren liege der Bedarf bei 14 Millionen Kubikmetern im Gesamtjahr der FWO. Ein sorgsamer Umgang sei selbstverständlich ratsam, nur, so Markus Rauh, bringe Wassersparen in Küps oder Bamberg jemandem in Afrika leider auch nichts.