"Wir machen Maschinen für die Glasindustrie. Das ist eine Nische, die wir schon viele Jahre bedienen", sagt geschäftsführende Gesellschafterin Britta Höfer (42), die sich nie etwas anderes vorstellen konnte, als eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters Dieter Rose zu treten. "Mich haben die Maschinen und deren Funktionsweise schon immer fasziniert", erklärt die 42-Jährige, die Maschinenbau studiert hat.

Britta Höfer hat in der Firma, die ihr Vater von 1983 bis 2010 leitete, zunächst Praktika gemacht, hat dort gearbeitet und schließlich gemeinsam mit ihrem Vater die Firma von einer kanadischen Besitzerfamilie gekauft. "Ich hab mich schon immer mehr für Lego-Technik interessiert, und Mathe und Physik waren meine Lieblingsfächer. Auch heute befasse ich mich lieber mit Konstruktion als mit den kaufmännischen Sachen", gibt sie offen zu.

Der zweite Geschäftsführer im Bunde ist Ulrich Zirfas (58), ein erfahrener Kenner der Glasbranche. Er war in der Glasbranche tätig und ist dann zum Maschinenhersteller gewechselt, von dem er jahrelang gekauft hat. Darüber muss er jetzt noch lachen. "Ich komme aus dem Westerwald, war in Hannover und überall", erzählt Zirfas. Seit sechs Jahren ist er in Oberfranken - und hier will er auch bleiben.

Traditionen und Werte
"Die oberfränkische Mentalität ist genial für unsere Branche", schwärmt Zirfas. Es sind die Zuverlässigkeit, die Genauigkeit und das Engagement der Menschen. "Wenn man in Frankfurt einen Euro mehr pro Stunde bietet, dann ist er doch weg. Das ist in Oberfranken nicht so. Hier zählen noch Traditionen und Werte. Es gibt in der ganzen Firma nicht einen Mitarbeiter, dem das Unternehmen egal ist. Jeder sieht die Firma ein bisschen als sein Eigentum und ist mit dem Herzen dabei", lobt Zirfas.

90 Prozent der Waltec-Maschinen werden exportiert, davon 95 Prozent ins nicht-europäische Ausland. In mehr als 100 Länder hat Waltec schon Maschinen geliefert. Dabei bietet das Unternehmen von der Entwicklung einer Maschine über die Montage bis zur Inbetriebnahme und Wartung alles aus einer Hand. "Wir übernehmen nicht nur den Produktionsstart, sondern auch die Schulung der Kundenmitarbeiter sowie die Vermittlung des erforderlichen Know-hows", betont Zierfas. Eine Entwicklung der High-Tech-Maschinen dauert vier bis acht Monate. Und die Maschinen kosten je nach Größe und Anforderung zwischen 800 000 und acht Millionen Euro.

Unterschiedliche Anforderungen
Dabei haben die verschiedenen Länder durchaus unterschiedliche Anforderungen. So sind im Iran noch immer verspielte Gläser mit vielen Verzierungen im Trend. In Indien wird Opalglas, das milchweiß scheint, als besonders modern empfunden. Und in Russland ist noch immer Bleikristall nicht zu überbieten. "In Mitteleuropa geht der Trend eher zu schlichten Sachen", erklärt Zierfas. Doch eigentlich ist das Enddesign nicht das Thema von Waltec. Vielmehr konzentriert sich das Unternehmen auf alle Prozesse, die nach der Glasschmelze vonstatten gehen - bis zur Verpackung der fertigen Produkte. Dabei werden immer neue Optimierungsverfahren entwickelt.

Außerdem entwirft Waltec unter anderem Laser-Schneid-, Schleif- und Feuerpoliturmaschinen. Meistens werden damit in großem Stil Kelch-, Wein- oder auch Wasser- und Caipirinha-Gläser hergestellt. Aber auch mit der Entwicklung von Maschinen für die Herstellung von Waschmaschinen-Bullaugen, Glasbausteinen und Hochspannungsisolatoren befasst sich das Traditionsunternehmen, das in Breslau seinen Anfang nahm.
"In Europa ist Energie ein Thema, aber in Russland oder im Nahen Osten ist das kein bisschen ausschlaggebend", sagt Zirfas über die Herausforderungen der Zukunft. Trotzdem versucht Waltec, die Antriebssysteme immer effizienter und genauer zu machen. Die Maschinen müssten vielseitig einsetzbar und leicht umrüstbar sein. China, Südamerika, Asien und Russland sowie der Mittlere Osten seien die Länder mit hohem Zukunftspotenzial.

Immer wieder Innovationen
"Aber unsere Stärke ist die Tatsache, dass wir nicht stehen bleiben, sondern immer wieder Innovationen entwickeln. Wenn die Chinesen Maschinen nachbauen, haben wir schon die nächste Generation", betont Zirfas. Auf der Messe Glasstec in Düsseldorf möchte das Steinberger Unternehmen im Oktober eine Maschine aus dem Bereich der Pressblastechnologie präsentieren, die noch flexibler, anpassungsfähiger und dabei wesentlich störungsunempfindlicher und wirtschaftlicher ist.

Kein Unterschied
Und die Innovation des nächsten Jahres hat Waltec ebenfalls bereits vor Augen: So soll eine Stilglas-Produktionslinie für die Herstellung von Weingläsern entwickelt werden. Diese Gläser sollen mit bloßem Auge nicht mehr von den mundgeblasenen Gläsern zu unterscheiden sein. Doch für den Erfolg des Unternehmens sind laut Zirfas nicht nur die Ingenieure verantwortlich, sondern jeder Einzelne der 85 Mitarbeiter. Noch hat Waltec keine Probleme, Fachkräfte oder Auszubildende zu finden. Erst in diesem Jahr haben fünf neue Azubis angefangen, erklärt Britta Höfer. "Wir haben auch immer sehr gute Azubis, die Preise holen und sehr gut abschneiden. Aber bei den Bewerbungen merken wir natürlich auch schon, dass die Qualität teilweise nachlässt."