Ein arbeitsfreier Tag zum Durchschnaufen kam Stefan Lutz am Montag gerade recht. Zeit zum Entspannen. Aber auch Zeit, um die vielen Eindrücke vom Sonntag sacken zu lassen. Schließlich erlebt man ein deutsches Spiel bei einer Europameisterschaft im Ausland nicht alle Tage.

"Alles ist gut gelaufen. Alles hat perfekt geklappt", sagt der Wallenfelser nach seiner Rückkehr aus Frankreich. Dennoch ging die lange Fahrt nicht spurlos an Stefan Lutz vorbei. Zwei Nächte hintereinander im Bus - "einen Tag auf der Couch braucht man da schon", stellt der FC-Bayern-Fan mit einem Schmunzeln fest und vertagt die ursprünglich geplante Gartenarbeit. Dem Regen sei Dank.


Fahrt durch die Nacht nach Frankreich

An einer ganzen Reihe von Haltepunkten quer durch die Republik konnten die deutschen Fans in den Bus einsteigen. Lutz stieg in Himmelkron zu. Dort begann sein Trip nach Lille am Samstag gegen 22 Uhr.

Etwas überrascht war er über die Sicherheitsvorkehrungen, als die Deutschen das Nachbarland erreichten. Die Kontrollen fielen wesentlich milder aus, als es den Fans prophezeit worden war. Im Bus gab es nur eine Passkontrolle. Das Fahrzeug musste dann etwas außerhalb abgestellt werden. Der folgende 30-minütige Fußmarsch war für Lutz und seine Weggefährten allerdings keine große Mühe. "Bis zum Stadion wurden wir kein einziges Mal mehr kontrolliert", erinnert er sich. Und auch die Eingangskontrollen haben ihn überrascht: "Das war nicht anders als bei einem Bundesliga-Spiel in München - eher etwas lascher."

Trotz der Terror-Ereignisse im vergangenen Jahr während des Deutschland-Spiels in Paris war Lutz nicht beunruhigt. "Ich hatte von vornherein wenig Angst", stellt der Wallenfelser fest. "Ich dachte schon, dass es sicher ist. Und ich habe nie befürchtet, dass etwas passiert - aber das liegt vielleicht auch an meiner persönlichen Einstellung."


Friedliche Fans

Als sehr friedlich hat Lutz die Gäste aus der Ukraine erlebt. Teilweise seien die beiden Fanlager sogar zusammen in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs gewesen - doch selbst da habe er keine Zwischenfälle wahrgenommen. In seinem Umfeld sei alles ruhig geblieben.

Elf Stunden nach der Abfahrt in Himmelkron war es endlich soweit. Anstoß. "Das ist schon ein besonderes Feeling. Damit kann man ein Freundschafts- oder Qualifikationsspiel nicht vergleichen", schwärmt Lutz von der deutschen Auftaktpartie gegen die Ukrainer (2:0-Sieg). So schön das Flair aber war, will der Wallenfelser doch nicht nur durch die rosafarbene Fanbrille schauen. Er hat nämlich noch Entwicklungspotenzial erspäht. "Die Stimmung war gut", sagt er, "aber sie hätte noch besser sein können". Er spekuliert, dass es den Fans vielleicht genauso ergangen ist wie den Spielern. Sie brauchen eventuell erst mal ein Spiel, um zu Hochform aufzulaufen.
"Aus meiner Sicht waren die Deutschen schon überlegen", schlägt Lutz eine Brücke zum Geschehen auf dem Rasen. Allerdings hat er vor einem starken Manuel Neuer eine noch "ausbaufähige Abwehrleistung" ausgemacht. Dass sie mit dieser Spielweise jedesmal ungeschoren davonkommt, darf sich die Löw-Truppe seiner Ansicht nach nicht einbilden, warnt der Fußball-Fan.

Auch in der Offensive sieht er noch Entwicklungsmöglichkeiten. Von Mesut Özil hatte er sich mehr erhofft. Und Mario Götze sah er recht verlassen im Sturmzentrum agieren.


Dem Gegner ging die Luft aus

Trotzdem spricht er von einem "von beiden Seiten interessanten Spiel". Nur irgendwann sei der Ukraine nach dem Rückstand die Luft ausgegangen - und das 2:0 für Deutschland sei die logische Konsequenz gewesen.
"Für den Auftakt bin ich zufrieden. Die anderen Mannschaften müssen sich auch noch finden", analysiert Lutz die Begegnung am Mittag danach. Jetzt hofft er, dass die Deutschen sich von Spiel zu Spiel steigern und in der Erfolgsspur bleiben. Sollten Schweinsteiger & Co. das Finale erreichen, hegt der Frankenwälder nämlich die Hoffnung, auch wieder vor Ort dabei zu sein. "Ich habe Tickets für zwei Spiele bestellt", erklärt er. "Und die Anfrage für das Endspiel ist noch offen. Ich habe jedenfalls noch keine Absage!"