"Mein Zahn", brüllt Lucie, "Hilfe, er ist weg! Mein Zahn ist da reingefallen!" Wie gebannt lauschen die Jungen und Mädchen der Geschichte von der Zahnfee. Das zauberhafte Fabelwesen, das zu allen Kindern kommt, die einen Milchzahn verloren haben, ließ sich am Freitag im katholischen Kindergarten St. Josef Wilhelmsthal zwar leider nicht selbst blicken - wohl aber Christian Grebner und Theresa Kestel, die unter anderem auch den "Brief von der Zahnfee" im Vorlese-Gepäck hatten.

Der bundesweite Vorlesetag, eine Initiative von "Die Zeit", der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn Stiftung, findet seit 2004 jedes Jahr im November statt. Das Konzept ist einfach: Jeder, der Spaß am Vorlesen hat, liest an diesem Tag anderen vor - zum Beispiel in öffentlichen Einrichtungen, aber auch an ungewöhnlichen Orten. Auch die AOK beteiligt sich daran, in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Dabei lasen im Landkreis Kronach der Coburger AOK-Direktor Christian Grebner und die Kronacher Auszubildende Theresa Kestel in den beiden Gruppen im Wilhelmsthaler Kindergarten vor.

Die meisten ihrer jungen Zuhörer hatten es sich auf dem warmen Teppich auf dem Boden ihres Gruppenraums gemütlich gemacht. Andere wiederum nahmen auf den Stühlen neben den beiden Vorlesern Platz, um dabei den einen oder anderen neugierigen Blick in deren Manuskripte vom "Brief von der Zahnfee", "Eine Nacht im Kindergarten", "Ab in der Dschungel" und "Der verlorene Gummistiefel" zu werfen. Christian Grebner und Theresa Kestel lasen dabei aber nicht nur "einfach" vor, sondern bezogen auch immer wieder geschickt ihr Publikum in die Handlung der Kurzgeschichten ein. Grebner fragte zum Beispiel: "Kennt Ihr die Zahnfee, habt ihr die schon einmal gesehen?", während Theresa unter anderem von ihnen wissen wollte, welche Tiere denn im Dschungel leben oder was dort für Früchte wachsen.


Faszination für Literatur

Ziel des Vorlesetages ist es, die Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken und Kinder bereits früh mit dem geschriebenen und erzählten Wort in Kontakt zu bringen. Werde den Kleinen regelmäßig vorgelesen, wächst der Wortschatz und ihre Fantasie wird angeregt, so die Intention. Zudem machten Vorlesestunden dem Nachwuchs Lust, selbst zu lesen. "Regelmäßiges Vorlesen trägt viel dazu bei, dass Kinder gut lesen und schreiben lernen, selbstbewusst werden und gesund aufwachsen", sagte Grebner.

Die AOK - Mitglied im Stifterrat der Stiftung Lesen - unterstützt die Aktion, da Bildung und gesundheitliche Zukunftschancen nachweislich zusammenhängen. In ganz Deutschland waren am Vorlesetag Mitarbeiter unterwegs, um Kinder mit Geschichten in ihren Bann zu ziehen - etwa in Schulen, Kliniken oder eben auch Kindergärten wie in Wilhelmsthal.

Dort zeigte die Aktion, dass man mit der Vermittlung von Lesekompetenz gar nicht früh genug anfangen kann. Dass sie mit der Auswahl ihrer Geschichten voll ins Schwarze getroffen hatten, belegten die positiven Rückmeldungen ihrer jungen Zuhörer: Sie fanden das Gehörte "lustig", "spannend" und "cool".
Das Team rund um die Kita-Leiterin Johanna Höfner zeigte sich dankbar, dass heuer ihre Einrichtung für die Vorlesestunde ausgewählt worden war. Und auch sie waren begeistert vom lustigen Vormittag, mit dem man schon die Jüngsten ans Lesen heranführen und die Lust auf Bücher wecken möchte. Bekanntermaßen lernen Kinder gerade in diesem Alter viel. Vorlesen fördere die Sprachentwicklung und das Gefühl für Rhythmus und Sprachklang, hieß es. Am Ende waren sich die Kinder wie das Personal einig: "Die von der AOK könnten ruhig öfters kommen."