Die Gefäße verengen sich, die Versorgung im Gehirn und in den Organen wird schlechter, die Durchblutung stockt. Es kommt zu Kreislaufproblemen, im schlimmsten Fall zum Kreislaufstillstand. So mancher Jugendliche verbrachte in diesem Zustand das Ende der Party in der Notaufnahme.

Mit einem Glas zu viel ist es da schon lange nicht mehr getan. Einer aktuellen Erhebung der DAK-Gesundheit zufolge ist die Zahl jugendlicher "Komasäufer" im Landkreis Kronach um 8,3 Prozent gestiegen. 26 Jugendliche im Alter von zehn bis unter zwanzig kamen demnach mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.

Ungleiche Geschlechterverteilung

"Grundsätzlich sind mehr männliche Jugendliche zu verzeichnen als Mädchen", sagt Caroline Reiner, Sozialpädagogin im Kreisjugendamt. Von den 26 eingelieferten Fällen waren zehn Mädchen und 16 Jungen. Mindestens zehn Jugendliche im Alter von 13 bis 17 erreicht Caroline Reiner mit dem "Halt-Projekt", einem bundesweiten Suchtpräventionsprojekt für Jugendliche, jährlich im Kreis Kronach.

In einem sogenannten Brückengespräch, werden die Jugendlichen noch in der Klinik angesprochen. Außerdem werden Elterngespräche veranstaltet, in acht- bis zwölfstündigen Gruppensitzungen die Risiken des Konsumverhaltens besprochen sowie ein Risikocheck durchgeführt. Letzteres wird sechsmal im Jahr veranstaltet, mit den Jugendlichen aus den Landkreisen Kronach, Coburg und Lichtenfels.

Es werden Extremsituationen gesucht, beispielsweise ein Klettergarten, in denen die Jugendlichen merken, welcher Risikotyp sie sind. "Die Jugendlichen sollen lernen, sich einzuschätzen, selbstbewusster werden und wissen, wann sie das nächste Mal Stopp sagen müssen", sagt Caroline Reiner vom Kreisjugendamt.

Schließlich ließen sich die Gründe für den Alkoholexzess nicht selten auf ähnliche Probleme mit der Selbsteinschätzung zurückführen. Oft werde von den Jugendlichen genannt, dass sie auf einer Party in der Gruppe mitgetrunken hätten weil sie nicht uncool sein wollten. Oder sie hätten den verbotenen Alkohol ausprobieren wollen, um mitreden zu können oder gegen Regeln zu verstoßen.

Malen statt saufen

"Wenn Jugendliche im Kampf gegen Alkoholmissbrauch selbst Farbe bekennen, ist das besonders glaubwürdig", sagt Dieter Weinig von der DAK in Kronach. "Bunt statt blau - Kunst gegen Komasaufen" heißt der Plakatwettbewerb, zu dem die Krankenkasse die Jugendlichen aufruft. Zum fünften Mal findet der Wettbewerb in diesem Jahr statt, 52 000 Schüler haben sich in den vergangenen Jahren daran beteiligt. Bis Ende März können sich die Schulen für den diesjährigen Wettbewerb noch auf der Homepage der DAK bewerben.

1,3 Millionen Menschen gelten in Deutschland als alkoholabhängig. An den direkten und indirekten Folgen übermäßigen Alkoholkonsums versterben pro Jahr etwa 74 000 Menschen.