Am Heiligen Abend 1924 erklangen zum ersten Mal Weihnachtslieder durch den frisch gegründeten Posaunenchor Burggrub. Dieser feiert nun am Sonntag, 19. Oktober, sein 90-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird es im Rahmen des Festgottesdienstes in der Laurentiuskirche um 10 Uhr eine Chorehrung durch den Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern geben.

Die Gründungsmitglieder des Posaunenchores waren damals Pfarrer Ludwig Unger, Max Ehrsam, August Langbein, Konrad Schultheiß, Hans Göppner, August Körner und Hans Franz. Sie legten den Grundstein für eine langjährige Erfolgsgeschichte.

1939 zählte der Posaunenchor bereits 19 Bläser. Nach den guten Anfangsjahren gab es einen schweren Schlag für den Posaunenchor: Von zwölf Bläsern, die in den Zweiten Weltkrieg ziehen mussten, kamen 1945 nur vier wieder zurück. Die Aktivitäten des Chors mussten während der Kriegsjahre vorübergehend eingestellt werden. Durch die treibenden Kräfte von Pfarrer Gerhard Hertzsch, Georg Walther und August Langbein konnte der Posaunenchor im Jahre 1949 das 25-jährige Bestehen allerdings wieder mit alter Freude begehen.

In den folgenden Jahren blühte das Chorleben in Burggrub wieder auf. In der Blütezeit des Chors konnten bis zu 28 Bläser und Bläserinnen gezählt werden, die nicht nur regional agierten. Die Landesposaunentage in Bayreuth, Regensburg und Gunzenhausen sowie die Kirchentage 1959 in München waren nur einige Highlights der Vereinsgeschichte.

Durch die "internationale Jugendbegegnung" im Jahre 1992 konnte der Posaunenchor Burggrub seinen ersten internationalen Auftritt verbuchen. So spielten die Bläser in Luban (Polen) ein Konzert in der dortigen Dreifaltigkeitskirche zusammen mit der "Lubaner Estrade".

Nach fast einem ganzen Jahrhundert hat sich aber natürlich so einiges im Posaunenchor geändert. Der Burggruber Chor hat als einer der ältesten Posaunenchöre des Landkreises - wie so viele andere auch - mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Chorobmann Christian Wöhner erklärt, dass es immer schwieriger wird, junge Leute für ein Ehrenamt zu begeistern.

"Das frühe Aufstehen am Sonntag zu den Gottesdiensten, die stressigen Festtage wie Ostern oder Weihnachten, all das schreckt viele Jugendliche vielleicht auch ab. Zumal wir hier alle ehrenamtlich tätig sind und solche Festlichkeiten natürlich auch nicht ohne vorheriges Üben auskommen", so Wöhner. Dabei versucht der Chor entgegen aller Vorurteile eben nicht als "altbacken" oder "verstaubt" zu gelten.

Klassische evangelische Weihnachtslieder wie "Vom Himmel hoch da komm ich her" wären inzwischen von gestern. "Wir werden immer moderner, gehen mit der Zeit", erklärt Wöhner. "Neue Richtungen wie Swing, Jazz oder spirituelle Musik spielen wir immer häufiger."

Im Großen und Ganzen wolle der Posaunenchor Burggrub weltlicher, moderner und etwas abgelöster von der christlichen Tradition werden, erklärt der Obmann. Der Posaunenchor ist mittlerweile aus dem dörflichen Leben in Burggrub nicht mehr wegzudenken und zählt heute 16 Mitglieder.