"Wä nije blaude ko wie a Kroniche, is ka Kroniche und denn möing die Mala nije - owe deff'n na nije möing, walls die Alt´n nije leidn", erklärt der Geselle Görch (Rüdiger Baierlipp) dem verdatterten "Reigschlaaftn", Wilhelm Gerhard (Dietmar Schneider). Der Kaufmannssohn aus Mainz versteht die Welt nicht mehr, wird er doch von den Kronachern noch immer "allaa wejche seine Sprouch" abgelehnt und wie "aa Auslände" behandelt - genau wie damals, als er sich vor 25 Jahren in die Rosa, die Schwester seines Kronacher Freundes Melchior, verguckt hatte. Alte Liebe rostet bekanntlich nicht, und so mischt das rheinländische "Lümpla" bei seinem jetzigen Besuch - 25 Jahre später - erneut "des schöne Kronich" noch einmal gewaltig auf.


Stück vom Bauern-Andres

Theaterspielen und gerade die Stücke vom Bauern-Andres haben in Steinberg lange Tradition. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 90er Jahre wurden immer wieder Theaterstücke insbesondere des Kronacher Heimat- und Mundartdichters aufgeführt. Unter der Regie sowie Organisation von Michael Hammer, Gertrud Schubert und Norbert Schülein präsentierten die Mimen der Theatergruppe Steinberg am Freitag und Samstag in der Kronachtalhalle das Lustspiel "Dä Reigschlaaft".

Das Theaterstück spielt in der guten Stube beim Bäckermeister Weiß um das Jahr 1900. Dort taucht unvermutet eben der "reigschlaafte Dunnekeil" wieder beim Witwer und Bäckermeister Melchior Weiß (Marcus Reißig) auf, der mit seiner zauberhaften Tochter Rosl (Barbara Lang), seiner "elenden, langbaanichen Gewittergoschn"-Schwester Rosa (Gertrud Schubert) und seinem tüchtigen Gesellen Görch eine Bäckerei in Kronach betreibt.


Wo die Liebe hinfällt

Liebesgefühle und Erinnerungen werden wach; scheint doch der "Kaufmannsbuu" damals nicht nur Rosa den Kopf verdreht zu haben. Das Liebeskarussell dreht sich also gewaltig - auch an anderer Stelle: Melchiors drei Basen, die drei alten "Schreckschrauben" Trees, Lena und Kätl (Miriam Weiß, Simone Porzig und Lotte Weber), beschließen in ihrem Kriegsrat, dass der Witwer wieder heiraten soll - und zwar Lena. Auch der Witwer Jakob Flöhlein (Günter Schülein) - ebenfalls Geschäftsmann aus Kronach - bräuchte eine Frau für sein Geschäft und möchte daher die Rosa für sich gewinnen, während er für seinen dumpfbackigen Sohn Willibald (Andreas Schmuck) die Rosl ausgewählt hat. "Des Lausmaala" wiederum ist in den Gesellen Görch verliebt, mit dem sie "rumschwanzelt", wobei jedoch ihre resolute Tante Rosa die "Sündhaftigkeit" zu verhindern versucht. Und dann taucht auch noch der Herr Pfarrer (Christian Eidloth) auf.

Er war einfach ein Kronacher Original - auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod begeistern die hintergründigen, meist humorvollen Stücke des "Bauern-Andres" das Publikum auf unseren Bühnen. Es sind herrliche Texte, die er uns Kronachern auf den Leib geschrieben hat - authentisch, ehrlich und echt! Detailliert schildert er die "kleinen" Eigenheiten und Macken seiner "Landsleute", und das natürlich in der schönsten "Sprache der Welt", Kronicherisch; so ist es auch beim Stück "Dä Reigschlaaft", über das an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden soll.


Weitere Aufführung

Schließlich findet am Samstag eine weitere Aufführung statt. Hingehen lohnt auf jeden Fall. So hatten bereits am Freitag und Samstag die vielen Gäste ihre helle Freude an den vielen Verwicklungen, Verstrickungen und Verwechslungen und bedachten die famos spielenden Steinberger Mimen schon während des Stückes immer wieder mit Szenenapplaus.