Eduard Margerie, der vor 135 Jahren geboren wurde, legte vor 90 Jahren den Grundstein für die Entstehung des CHW. Den aufstrebenden Geschichtsverein leitete Margerie von 1924 bis 1964.

Seit 20 Jahren steht Professor Günter Dippold aus Lichtenfels an der Spitze des mittlerweile 1730 Mitglieder zählenden Vereins. Für den Landkreis Kronach mit seinen 125 CHW-Anhängern zeichnet Diplom-Bibliothekar Rudolf Pfadenhauer aus Küps ebenfalls seit 20 Jahren verantwortlich.

Im Jahre 1924 ging in Wirsberg aus einem Gesprächskreis mit überwiegendem Bezug auf heimatkundliche Themen das Colloquium Historicum Wirsbergense hervor. Der Verein, der damals unter der Leitung von Eduard Margerie mit gerade mal zehn Gleichgesinnten aus der Taufe gehoben wurde, gründete nach und nach im gesamten Obermaingebiet bis zum heutigen Tag 17 Bezirksgruppen mit derzeit 1730 Mitgliedern.

Zum Kreis der Bezirksgruppen zählen Kronach, Lichtenfels, Kulmbach, Ebersdorf/Coburg, Bad Staffelstein, Bamberg, Burgkunstadt/Altenkunstadt, Weismain, Creußen, Ebensfeld/Zapfendorf, Hollfeld, Münchberg, Redwitz, Seßlach, Stadtsteinach, Memmelsdorf/Scheßlitz, Regnitztal und Wirsberg.

Vor 90 Jahren begann zunächst alles sehr bescheiden. Der Nervenarzt Eduard Margerie, damaliger Besitzer des Sanatoriums "Goldene Adlerhütte" in Wirsberg, veranlasste mit einer Reihe von Pfarrern beider Konfessionen aus Wirsberg und den umliegenden Orten eine Zusammenkunft, bei der über Fragen der Heimatgeschichtsforschung diskutiert wurde.

Man beschloss, den Gesprächskreis unter Margeries Vorsitz mit historischen und volkskundlichen Themen zur festen Einrichtung werden zu lassen und gab ihm den Namen Colloquium Historicum Wirsbergense. So folgten bald weitere Versammlungen und Exkursionen; der Kreis der Interessenten wuchs.

Als kurz vor dem Zweiten Weltkrieg auch in Lichtenfels regelmäßige Veranstaltungen aufgenommen wurden, griff der historische Verein über die Grenzen der ehemaligen Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth hinaus und schloss auch ehemalige Gebiete des Hochstifts Bamberg in seine Forschungen ein.

Kronacher Gruppe seit 1958

Zum 50-jährigen Bestehen waren beim CHW bereits 650 Mitglieder in damals sieben Bezirksgruppen registriert. Als eine wesentliche Bereicherung für das CHW erwies sich die Gründung der Bezirksgruppe Kronach am 29. März 1958.

Zum ersten Vorsitzenden wurde der Studienrat Ernst Sticht gewählt. Der Gründungsdirektor des Frankenwald-Gymnasiums Kronach führte den Vorsitz von 1958 bis zum 7. Mai 1994. Außerdem war der Kronacher von 1979 bis 1994 zweiter Vorsitzender im Gesamtverein. Sein Nachfolger wurde Diplomhistoriker Rudolf Pfadenhauer, der bis zum heutigen Tag das Kronacher CHW leitet.

Unter Ernst Sticht - er starb 2002 - wurden insgesamt 223 Veranstaltungen durchgeführt: zwar 173 Vorträge, 38 Exkursionen und zwölf Seminare.

Als eine Klammer zwischen den einzelnen Bezirksgruppen erweist sich die Herausgabe eines Jahrbuchs unter dem Titel "Geschichte am Obermain", die die Mitglieder kostenlos erhalten. Außerdem ergänzen Zwischengaben beziehungsweise Monographien das literarische Angebot.

Die in den Jahren 1978 und 1979 durchgeführten mühevollen Restaurierungsarbeiten an den Beständen der CHW-Bücherei fanden im März 1980 durch die Übergabe an die Kreis- und Autobibliothek Kronach ihren erfolgreichen Abschluss.

Seit diesem Zeitpunkt verwaltet die Kronacher Bibliothek - zunächst unter der Leitung von Herbert Schwarz, dann nach seinem beruflichen Ausscheiden ab 10. Dezember 1999 Rudolf Pfadenhauer - die etwa 1300 Bände umfassende CHW-Bücherei treuhänderisch.

Ausleihe ist kostenlos

Im Verein mit dem umfangreichen heimatkundlichen Bestand der Kronacher Bibliothek werde die CHW-Bücherei von der Bevölkerung - vor allem aber von den Heimatforschern und Schülern - intensiv genutzt, berichtet Rudolf Pfadenhauer, der sich stets um ein attraktives CHW-Jahresprogramm bemüht. Die Ausleihe der Bücher ist kostenlos.

Rudolf Pfadenhauer: "Die Aufgabe des CHW ist es vor allem, Geschichte anhand eines regionalen Bezugs fassbar zu machen und ein überschaubares Bild dem Laien zu präsentieren." Darüber hinaus werde jedoch auch über den Tellerrand hinaus geschaut und überregionale Themen bei Vorträgen angeboten.